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Karin Ammann und ihr Plan zur Transformation landeskirchlicher Schulen

„Im Kopf habe ich Zahlen und im Herzen die Menschen“

Karin Ammann ist die neue Schuldezernentin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Am 19. November hat sie ihr Interimsmandat zur Transformation der landeskirchlichen Schulen angetreten – zunächst in Teilzeit, bis sie ihre Aufgabe als Interim-Vorständin der „Stiftung St. Konradihaus“ in Schelklingen bei Ulm in gute Hände übergeben kann. Von März 2026 bis Ende 2027 wird sie ihre landeskirchliche Funktion dann in Vollzeit ausüben. Und das, so viel kann sie versprechen, immer mit ganzem Herzen.

Ein Blick auf ihren Lebenslauf lässt erahnen, wie vielseitig die 51-Jährige aufgestellt ist. Ursprünglich zur Bankkauffrau ausgebildet, strebte sie anschließend – durch zwei Generationen vorgelebt – eine Ausbildung zur Krankenschwester an. Was auf den ersten Blick gegensätzlich erscheint, erklärt Karin Ammann ganz einfach selbst: „Ich habe im Kopf Zahlen und im Herzen die Menschen.“

Diesem Leitgedanken ist sie über all die Jahre treu geblieben. Ihr Weg führte sie unter anderem ins Case Management, wo sie ihre analytischen Fähigkeiten mit einem ausgeprägten Blick für individuelle Lebenslagen verband. Als selbst bezeichneter „Bildungsjunkie“ entwickelte sie sich kontinuierlich weiter. Heute arbeitet Karin Ammann als Interim-Managerin und Beraterin für Unternehmensentwicklung, Strategie und Digitalisierung – und ist seit Ende des vergangenen Jahres verantwortlich für die Transformation der landeskirchlichen Schulen.

„Wir haben einen Bildungsauftrag“

Als „Kind der Diakonie“ beobachtet Ammann die zunehmende Verrohung der Gesellschaft mit Sorge. Evangelische Schulen, die ihren Bildungsauftrag über reine Wissensvermittlung hinaus verstünden, könnten hier einen wichtigen Beitrag zu einem friedlichen und sozialen Miteinander leisten. Die neue Schuldezernentin betont: „Wir haben mit unseren eigenen Schulen die Chance, das Evangelium nach außen zu tragen.“ Ziel sei es, christliche Werte in den Schulalltag zu integrieren und damit gesellschaftlichen Entwicklungen wie der Verrohung entgegenzuwirken: „Das, was wir manchmal verlieren, ist das Thema Liebe.“ Dabei setzt Ammann auf Vielfalt und Multikulturalität: „Wir können voneinander profitieren, uns gemeinsam entwickeln und quer über die kulturellen und religiösen Unterschiede gemeinsame Werte finden und auf deren Basis aufbauen.“

„Wir können Entscheidungen nicht am Schreibtisch treffen“

Karin Ammann legt großen Wert darauf, alle Schulen, für die sie verantwortlich ist, vor Ort kennenzulernen. „Was ich am Schreibtisch nicht tun kann, ist, die Schule zu spüren“, erklärt sie. Deshalb nimmt sie sich bewusst Zeit für ausgiebige Besuche: Jede Schule wird im Rahmen ihres Projekts für drei Tage besucht. In vier von sieben Schulen hat sie bereits Einblicke in den Unterricht gewonnen, mit den Schülerinnen und Schülern in der Mensa gegessen und Pausen im Lehrerzimmer verbracht, um die Kultur und den Geist der Einrichtungen unmittelbar zu erleben. Die Besuche der verbleibenden Schulen folgen in den kommenden Wochen.

Die gewonnenen Eindrücke flössen direkt in ihre Arbeit ein: „Wenn ich hier am Schreibtisch stehe und mir Gedanken darüber mache, wie wir das mit den Zahlen hinbekommen, habe ich immer diese Erfahrungen im Kopf.“ Auch Konzeptentwicklung und -abgleich erfolgen vor diesem Hintergrund – nah an den Menschen, die täglich in den Schulen arbeiten.

„Ich möchte anspornen, den Blick weit zu machen“

Mit dem Anspruch, den Blick bewusst weit zu halten, tritt die neue Schuldezernentin ihre Aufgabe an. Die Ausgangslage sei klar umrissen und zugleich herausfordernd: Als sogenannte Ersatzschulen müssten die Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen einen Teil ihrer Ausgaben selbst finanzieren. Der Auftrag an die Dezernentin ist daher eindeutig – die Kosten müssen solide aufgestellt sein. Zugleich gilt es, den Bildungsauftrag und die spezifisch evangelische Profilierung unbedingt zu bewahren.
Als Ersatzschulen verfügten die landeskirchlichen Bildungseinrichtungen über Freiräume, die es gelte, innerhalb individueller Profile gezielt zu nutzen. Die hohen Anmeldezahlen belegen die große Beliebtheit der Schulen, die nicht zuletzt auf ihre jeweiligen Profile zurückzuführen ist. Karin Ammann hat die Schulverantwortlichen daher erneut dazu ermutigt, sich zu fragen, welche Schule sie auch künftig sein wollen, ihr Profil klar herauszuarbeiten und dieses gegebenenfalls zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Nur so könne eine tragfähige Grundlage für finanzielle Stabilität entstehen.
Wenn die neue Schuldezernentin sagt: „Ich möchte aktivieren; den Blick weit machen“, wird deutlich, welche Chance sie in ihrer Rolle als Interim-Managerin sieht. Sie bringt den Blick von außen ein, ohne in gewachsenen Strukturen verhaftet zu sein. Diese Distanz ermögliche es, bestehende Prozesse neutral zu hinterfragen und neue Perspektiven zu eröffnen. Es gehe nicht um Verwaltung im Stillstand, sondern um aktive Gestaltung – mit klaren Zielen, dem Mut zu wichtigen Entscheidungen und der Bereitschaft, die Vision der jeweiligen Schule auch mit alternativen Finanzierungskonzepten umzusetzen.

„Wir nehmen alle Beteiligten, denen im System Schule etwas wichtig ist, mit auf diesen Weg“

Zur Erreichung der Ziele seien vor allem intensive Kommunikation und Lobbyarbeit nötig – vor Ort, in Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft, um alle möglichen Finanzierungsquellen auszuschöpfen. Nachhaltige Lösungen ließen sich nur im direkten Austausch mit den Kommunen entwickeln, sei es durch Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort oder durch die Prüfung möglicher Kooperationen. „Wir werden Firmen, öffentliche Verwaltungen, aber auch Privatpersonen brauchen, die bereit sind, uns Geld zu geben“, bringt es Ammann auf den Punkt. Die Grundvoraussetzung für Unterstützungen jeglicher Art sei ein klares und überzeugendes Schulprofil: „Wenn ich nach Geldgebern suche, muss klar sein, was das Besondere an uns ist und warum gerade wir Unterstützung verdienen.“
Bei einem der Schulbesuche wurde die Dezernentin darin bestätigt, dass Kooperationen und Unterstützungen über rein materielle Aspekte weit hinausgehen können. Fasziniert schildert die Schuldezernentin von einem Förderschüler an der Birger-Forell-Sekundarschule, der durch die Zusammenarbeit mit der Firma „codefryx“ tief in das Programmieren eingetaucht sei. Wo vorher noch ein Schulabschluss unerreichbar wirkte, haben sich nun individuelle berufliche Perspektiven ergeben.

„Ich habe hier noch niemanden getroffen, der nicht äußerst motiviert und engagiert wäre“

Karin Ammann ist völlig „angefixt von dem Projekt“ und glaubt, richtig etwas bewegen zu können, weiß aber, dass das nur im Team gehe. Von den bisherigen Begegnungen ist sie spürbar beeindruckt. Sie sagt: „Ich habe hier noch niemanden getroffen, der nicht äußerst motiviert und engagiert wäre.“
Dabei weitet sie den Teamgedanken über die Grenzen des Landeskirchenamtes aus und bezieht Schulleitungen, Lehrer*innen, Schüler*innen und Elternpflegschaftsvorsitzende ein. Die Ängste und Unsicherheiten aller Beteiligten, die mit dem Transformationsprozess einhergehen, nimmt die Schuldezernentin ernst und möchte ihnen mit Kommunikation begegnen. Das Versprechen einer konsequenten Kommunikation sei eine wichtige Basis, um den Menschen Sicherheit zu geben. Ein regelmäßig erscheinender Newsletter soll neben dem persönlichen Austausch dazu beitragen, konstant und klar zu informieren und so Unsicherheiten und Ängste abbauen.
Die bisherigen Schulbesuche haben die Interim-Managerin optimistisch gestimmt: „Da kommt so ein bisschen Aufbruchstimmung auf.“ Diese Lust der Veränderung will Karin Ammann nutzen, um „die Zahlen auf solide Beine zu stellen und die Schulen so aufzustellen, dass sie zukunftsfähig sind“.

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