Festgottesdienst in St. Peter zu Syburg verbindet Geschichte, Gegenwart und Hoffnung
1250 Jahre Glaube über dem Ruhrtal
„Seit 1250 Jahren haben hier Menschen Gott gesucht und gefunden – und das machen wir jetzt auch!“ Wer sich in die Kirche St. Peter zu Syburg setzt, reiht sich ein in eine lange, jahrhundertealte Kette von Menschen. Zwischen den alten Steinen, hoch über dem Ruhrtal, wird seit Generationen getraut und getrauert, gebetet und gesegnet, gehofft und verabschiedet. Und heute wird gefeiert.
Die beiden Gemeindepfarrer Ralf Greth und Frank Thomasewski begrüßen – im Beisein der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, der Superintendentin Heike Proske und ihrer Stellvertretung Leonie Grüning sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft – vor allem die vielen Menschen, denen die alte Kirche besonders am Herzen liegt.
In seiner Ansprache bringt es Pfarrer Frank Thomaschewski auf den Punkt: „Es ist DEIN Haus, nicht unseres. Wir verwalten es nur für eine kurze Zeit.“ Und weiter: „Schenke uns neue Ideen, hilf uns auch durch Abschiede und Trauer hindurch, wo es nötig ist.“
Ein Wochenende voller Geschichte
Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen erlebt ein geschichtsträchtiges Wochenende. Die beiden ältesten evangelischen Kirchen Westfalens stehen auf ihrem Programm: Am Samstag besucht sie die Petruskirche in Soest, am Sonntag gestaltet sie den Festgottesdienst in St. Peter zu Syburg mit – der nachweislich ältesten evangelischen Kirche Westfalens.
In ihrer Predigt erinnert sie hoch über dem Ruhrtal daran, dass beide Kirchen von Karl dem Großen gegründet wurden und aus einer Zeit stammen, in der diese Region christianisiert wurde. „Es ist schon spannend, hier noch einmal mit den Anfängen konfrontiert zu sein – heute, in dieser Zeit der Säkularisierung“, sagt sie.
Zeitreise in die Anfänge
Dann nimmt sie die Festgemeinde gedanklich mit auf eine Zeitreise ins Jahr 776: Die Menschen hier oben sind überwiegend Bauern, lernen gerade erst, Christinnen und Christen zu sein, und sind dem Wetter wie auch den Mächtigen ausgeliefert. Durch ihre strategisch günstige Lage entwickelt sich die Syburg schnell zu einem Knotenpunkt, an dem sich Händler, Kaufleute und Reisende begegnen. Burg und Kirche entstehen nahezu zeitgleich schon kurz nach der Eroberung durch Karl den Großen im Jahr 775.
Es ist eine kriegerische Epoche – die Zeit der Sachsenkriege. Menschen werden mit Druck zur Taufe gezwungen. „Da hieß es: Taufen oder Tod. Die Geschichte des Christentums hat leider auch mit Gewalt zu tun“, weiß Ruck-Schröder. Daraus leitet sie eine Verantwortung bis heute ab: „Das Ringen um den richtigen Glauben ist uns geblieben.“
Dreimal wird das Gotteshaus im Laufe der Jahrhunderte zerstört – unter anderem im Dreißigjährigen Krieg und im Zweiten Weltkrieg. „Die Syburger haben die Kirche immer wieder aufgebaut – ein fast schon trotziges Bekenntnis“, attestiert die Präses. Und fügt nachdenklich hinzu: „Kirchen werden nie zufällig zerstört – wer ein Gotteshaus zerstört, will auch Hoffnung zerstören.“ Die Parallele zu aktuellen Kriegsereignissen muss die Theologin dabei eigentlich gar nicht ausdrücklich benennen.
Ort der Hoffnung – damals und heute
Das Motto des Jubiläumsjahres hat die Gemeinde bewusst gewählt: „Kirche als Geschichtsort und Zukunftsressource.“ Diesen Gedanken greift auch die Präses auf, bevor sie die Festgemeinde zu kühlen Getränken und einem erfrischenden Buffett in den Kirchgarten entlässt: „In Kirchen werden Geschichte und Hoffnung gespeichert. Und wir Christinnen und Christen sind eine Hoffnungsgemeinschaft, die diese Kraft in sich trägt – auch wenn sie das Gebäude gleich verlassen.“
Musikalisch wird der Gottesdienst vom Posaunenchor Dortmund-Höchsten unter der Leitung von Daniel Fellmann sowie vom Chor „Good News“ unter der Leitung von Christoph Hamburger gestaltet.


