Unsere aktuellen Nachrichten
auf einen Blick
17 Männer und Frauen im Dom gesegnet

Gemeinsame Kirchenmusikerausbildung startet mit ökumenischem Segen

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom haben das Bistum Essen und die evangelischen Kirchenkreise Essen, Mülheim und Gelsenkirchen-Wattenscheid am Reformationstag die neue gemeinsame Ausbildung ihrer Organisten und Chorleiter eröffnet.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom haben am Reformationstag das katholische Bistum Essen und die evangelischen Kirchenkreise Essen, Mülheim und Gelsenkirchen-Wattenscheid die neue gemeinsame Kirchenmusikerausbildung eröffnet. Generalvikar Klaus Pfeffer und die Essener Superintendentin Marion Greve segneten im Dom 17 Männer und Frauen – acht katholische und neun evangelische – die als erster offiziell ökumenischer Jahrgang in den kommenden zwei bis vier Jahren an der Bischöflichen Kirchenmusikschule in Essen zu nebenamtlichen Organisten und Chorleitern ausgebildet werden. Nach Abschluss der mit dieser ökumenischen Ausrichtung bundesweit bislang einmaligen Qualifikation können sich die Musiker in beiden Kirchen für eine Anstellung bewerben.

„Das ist Reformation pur, sozusagen Reformation 4.0“, sagte Generalvikar Pfeffer angesichts der Tatsache, dass dieses Ökumene-Projekt ausgerechnet am evangelischen Reformationstag mit einem Gottesdienst in einem katholischen Dom beginnt. Superintendentin Greve wies zudem auf eine nicht alltägliche evangelische Verbindung hin: Mit den Kirchenkreisen Essen und Mülheim auf der einen und Gelsenkirchen-Wattenscheid auf der anderen Seite sind sowohl Vertreter aus der Evangelischen Kirche im Rheinland als auch aus der von Westfalen an dem Projekt beteiligt.

In seiner gemeinsamen Ansprache mit Greve stellte Pfeffer die neue Ausbildung in den Kontext des Aufrufs „Ökumenisch Kirche sein“, in dem sich das Ruhrbistum und die beiden Landeskirchen 2017 im 500. Jahr des Reformations-Gedenkens konkrete Schritte hin zu mehr Gemeinsamkeit versprochen hatten. „Wir werden als Christinnen und Christen in dieser Welt unsere Botschaft nur dann zu den Menschen bringen, wenn wir es gemeinsam tun“, betonte Pfeffer. „Die konfessionellen Grenzen verstehen die Menschen nicht mehr.“ Die gemeinsame Kirchenmusikerausbildung sei „ein großer Schritt“ hin zu mehr Gemeinsamkeit zwischen den Konfessionen. Schließlich gehe es um Liturgie – und gerade die Gottesdienst-Gestaltung sei traditionell etwas Trennendes zwischen Katholiken und Protestanten gewesen. Zugleich zeige jedoch die Kirchenmusik, wie viel Verbindendes es zwischen den Konfessionen gebe, so der Generalvikar.

Greve: „Ein starkes Zeichen!“

Auch Greve sprach vom „starken Zeichen“ der künftig gemeinsamen Ausbildung. Und sie äußerte die Hoffnung, dass die beiden großen christlichen Kirchen „konkrete weitere Schritte gehen, so dass wir irgendwann in einer Kirche unseren Glauben feiern“. Nach dem gemeinsamen Segen für die Schüler des ersten Ökumene-Jahrgangs überreichten Greve und Pfeffer den Erstsemestern je ein Gesangbuch aus der jeweils anderen Kirche: Das katholische Gotteslob für die Protestanten und das Evangelische Gesangbuch für die Katholiken.

Aktive und ehemalige Schüler der Kirchenmusikschule gestalteten den Gottesdienst mit zahlreichen Musikbeiträgen von der Gregorianik bis zur Moderne. Nicht teilnehmen konnte indes ausgerechnet der Leiter der Bischöflichen Kirchenmusikschule und Motor des ökumenischen Ausbildungsprojekts, Jörg Stephan Vogel – er musste sich wegen eines Corona-Falls in seiner Umgebung in Quarantäne begeben.

Große gemeinsame Kirchenmusik-Tradition der Konfessionen

Domkapitular Michael Dörnemann, Leiter des Pastoraldezernats des Bistums, würdigte Vogels Engagement für die Neuausrichtung der traditionsreichen Kirchenmusikschule und erinnerte zugleich an die lange gemeinsame musikalische Kultur der beiden Kirchen – von den Chorälen Johann Sebastian Bachs über das Neue Geistliche Liedgut der 1960er Jahre bis zur aktuellen „Praise & Worship“-Musik aus den Freikirchen. „Deshalb war es an der Zeit, nun auch die Ausbildung der Kirchenmusiker gemeinsam zu gestalten.“

Ulrich Cyganek, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche im Rheinland betonte, dass es für ihn „keine Trennung zwischen dezidiert evangelischer oder katholischer Musik“ gebe. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass sich ähnliche Kooperationen „künftig auch in anderen Landeskirchen entwickeln“. Harald Sieger, Landeskirchenmusikdirektor der Evangelischen Kirche von Westfalen konnte quarantänebedingt ebenfalls nicht an dem Segensgottesdienst teilnehmen. Er hatte seiner Freude über den Beginn des ökumenischen C-Kurses im Vorfeld Ausdruck verliehen: „Als Kind einer konfessionsverbindenden Ehe kenne ich seit klein auf die Bemühungen ökumenischer Zusammenarbeit und weiß um die Schwierigkeiten, die es in dieser Sache gibt. Umso mehr begeistert es mich, dass es nun gelungen ist, im zentralen Aufgabenfeld der Kirchenmusikausbildung ein gemeinsames zukunftsfähiges Konzept für die C-Ausbildung zu finden.“ Folkwang-Rektor Andreas Jacob, ebenfalls Kirchenmusiker, nannte die ökumenische Ausbildung in Essen „einen wichtigen Impuls für die Kirchenmusiker-Ausbildung in ganz Deutschland“.

Dass es indes noch vor ein paar Jahrzehnten mit konfessionellen Gemeinsamkeiten in der Kirchenmusik Probleme gab, wusste der Essener Kulturdezernent Muchtar Al Ghusain zu berichten: Als er als junger –evangelischer – Klavierstudent in den 1970er Jahren in einer katholischen Kirche das Orgelspiel erlernen wollte, gab es von der Gemeinde eine Absage. Umso mehr freute sich der Kulturdezernent nun über die „wunderbare Initiative“ der gemeinsamen Kirchenmusiker-Ausbildung in Essen. Die Kirchen hätten den Auftrag, Zusammenhalt herzustellen und Spiritualität in die Gesellschaft zu tragen, so Al Ghusain. Dabei sei die Musik ein wichtiges Mittel. (tr)

Zurück