...dass Krieg nie wieder sei
Gedenken und Konzert in Bochum

Die Bedeutung des Erinnerns

Mit den Eindrücken aus Warschau im Gepäck reist Präses Annette Kurschus am Sonntag, 1. September, nach Bochum. Dort haben der Evangelische Kirchenkreis Bochum und die Stadt Bochum zu einem Empfang mit anschließendem Konzert eingeladen.

Nach einer Begrüßung durch Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister der Stadt Bochum, wird Präses Dr. h. c. Annette Kurschus zur Bedeutung des Erinnerns am 1. September 2019 sprechen. Anschließend sind alle Gäste eingeladen, das Konzert der polnischen Klezmer-Band Kroke in der Christuskirche am „Platz des europäischen Versprechens“ zu besuchen. Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Tickets sind bundesweit und online erhältlich.

Klein Warschau

Bochum hat eine besondere Rolle in der Geschichte der Polen in Deutschland gespielt. Hier hatte sich seit den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der Polenbewegung entwickelt, das bis zum Zweiten Weltkrieg als solches bestehen blieb. Dieses Zentrum bildete sich unmittelbar nördlich der 1879 eingeweihten Christuskirche. Dieser Geschichte wegen („Klein Warschau“) ist heute die „Porta Polonica Dokumentationsstelle zur Kultur und Geschichte der Polen in Deutschland“ in Bochum angesiedelt.

Christuskirche Bochum

Die Eingangshalle im Turm der Christuskirche wurde 1929/31 zur Gedenkhalle umgestaltet: Ein raumfüllendes Mosaik listet die Namen der 1.358 im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindeglieder auf. Etwa jeder dritte Name weist auf eine polnische Herkunft hin. Neben den Bochumer Namen befindet sich eine weitere Liste mit den Namen der 28 „Feindstaaten Deutschlands“. Unter ihnen: Polen. Dadurch wirkt diese „Helden-Gedenkhalle“ prekär, sie ist uneindeutig. Bis heute kann und muss sich jede und jeder entscheiden, wie er bzw. sie den Raum lesen will: als Aufruf zur Revanche oder zur Versöhnung.

Der Platz des europäischen Versprechens

In dem Gedenkraum beginnt der Platz des europäischen Versprechens: Zusammen mit dem Künstler Jochen Gerz haben die Stadt Bochum und der Evangelische Kirchenkreis Bochum die Bürger Europas eingeladen, dass sie dem Platz, der die Christuskirche umfließt, ihren Namen geben und sich selber ein Versprechen an Europa. Ende 2015 eingeweiht stehen jetzt 14.726 Namen auf diesem Platz  -  jeder von ihnen für ein persönliches Versprechen. Die Versprechen selbst sind nicht zu sehen, sie sind still. Wer sie lesen will, muss sie sich selber vorstellen, wenn er die europäischen Namen liest. Dadurch soll deutlich werden: Europa entsteht in unserer Vorstellung.

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