#beziehungsweise
All die guten Gaben

„Sukkot“ beziehungsweise „Erntedankfest“

„Unser tägliches Brot gib uns heute“, so beten wir jedes Mal, wenn wir das Vaterunser sprechen. In einer Gesellschaft des Überflusses mag dies eine banale Bitte sein. Zur Zeit Jesu war das tägliche Brot jedoch keine Selbstverständlichkeit und in vielen Ländern der Erde heute sind ebenfalls nicht ausreichend Lebensmittel für alle da – wegen Krieg, Naturkatastrophen, ungerechten Strukturen oder Verteilungsproblemen. Angesichts des Klimawandels werden sauberes Wasser und tägliches Brot in Zukunft sogar weltweit zum Thema werden – auch bei uns in Deutschland.

Nach dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und in den vierzig Jahren Aufenthalt in der Wüste hing das Überleben Israels davon ab, dass genügend Lebensmittel und Wasser vorhanden waren. Von Speisevorräten und einem sicheren Dach über dem Kopf konnte man höchstens träumen. Dass ein Überleben dank Gottes Hilfe möglich war und dass auch heute der Ertrag der Ernte satt macht, das feiern Jüdinnen und Juden am siebentägigen Laubhüttenfest, hebräisch Sukkot. Menschen kommen in mehr oder weniger provisorischen Hütten zusammen, deren Dach aus Zweigen und Blättern besteht. Unter dem Sternenhimmel wird gegessen und getrunken, gelacht und gesungen. Freundinnen und Freunde werden eingeladen, denn alle sollen fröhlich sein.

Freude und Dank für die Ernte und für alles, was für das Leben und Überleben notwendig ist, bestimmen auch das Erntedankfest, das am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wird. Die Altäre der Kirchen sind mit Obst, Gemüse, aber auch mit Konserven und Lebensmitteltüten geschmückt. In manchen Kirchengemeinden hat sich auch der Brauch einer aus Ähren und Stroh gebundenen Erntekrone gehalten. Neueren Datums ist die Tradition, die Gaben anschließend der Tafel oder anderen diakonischen Initiativen zur Verfügung stellen – damit alle satt werden. Denn wer ausreichend zu essen hat, steht in der Pflicht, Verantwortung für andere zu übernehmen, für Obdachlose und Menschen, die am Existenzminimum leben – Verantwortung aber auch für die Schöpfung, damit auch die kommenden Generationen auf unserer Erde leben können.