Präses Ruck-Schröder „erschüttert“ über Festnahme durch israelisches Militär
Große Sorge um verhaftete evangelische Studentin
Die Entführung der evangelischen Studentin Natalie Abudayyeh und dreier anderer junger Frauen aus dem Studierendenwohnheim der Universität Bir Zait bei Ramallah am 2. Juni durch israelische Soldaten hat in der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) für Bestürzung gesorgt. Sie sei „zutiefst erschüttert“, schreibt Präses Adelheid Ruck-Schröder in einem Brief an Bischof Imad Haddad von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land.
Abudayyeh ist Absolventin der deutschen Auslandsschule Talitha Kumi in Beit Jala und Mitglied der palästinensischen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft. Die Familie Abudayyeh ist seit Generationen Teil der evangelisch-lutherischen Kirche in Beit Jala. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge begründete das israelische Militär die Verhaftung der jungen Frauen mit dem Verdacht auf die „Unterstützung terroristischer Aktivitäten“.
Die Familien und die Kirche sind in großer Sorge um die Verhafteten. „Als Evangelische Kirche von Westfalen verurteilen wir willkürliche Aktionen, die angesichts der angespannten Situation zur Eskalation führen", so Präses Ruck-Schröder. „Es bedarf vielmehr von allen Seiten Gesten der Menschlichkeit und der Empathie. Deshalb erwarten wir von den israelischen Verantwortlichen die Freilassung der Verhafteten.“
Der Brief von Präses Adelheid Ruck-Schröder an Bischof Imad Haddad im Wortlaut:
Sehr geehrter Bischof Haddad,
lieber Bruder in Christus,die Nachricht von der Verhaftung der evangelischen Studentin Natalie Abudayyeh und weiterer junger Frauen in Birzeit in den Morgenstunden des 2. Juni hat mich zutiefst erschüttert. Wir sorgen uns um die Verhafteten sowie deren Familien, die mehrere Tage nicht wussten, vielleicht immer noch nicht wissen, wo die jungen Frauen gefangen gehalten werden. Möge Gott die jungen Frauen in dieser Gefahr behüten. Möge Gott ihnen und ihren Familien die nötige Kraft für diese furchtbare Situation geben.
Verhaftungen ohne klar genannten Grund, ohne Benachrichtigung der Eltern, ohne die Möglichkeit anwaltlicher Hilfe in den ersten Tagen und ohne richterlichen Beschluss widersprechen sowohl rechtsstaatlichen Prinzipien als auch humanitären Vorstellungen. Als Evangelische Kirche von Westfalen verurteilen wir willkürliche Aktionen, die angesichts der angespannten Situation zur Eskalation führen. Es bedarf vielmehr von allen Seiten Gesten der Menschlichkeit und der Empathie. Deshalb erwarten wir von den israelischen Verantwortlichen die Freilassung der Verhafteten.
Unabhängig vom konkreten Fall lehnen wir prinzipiell die Regelungen für die Administrationshaft in Israel ab. Diese ermöglichen es, Menschen für 48 Tage ohne Kontakt zur Außenwelt und bis zu sechs Monate ohne Gerichtsurteil in Haft zu nehmen.
Verbunden im Glauben grüßt Sie herzlich
Dr. Adelheid Ruck-Schröder
Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen
