Die Arbeit einer Pfarrerin im IPT
Und was machst DU eigentlich noch?
Katharina Eßer ist Pfarrerin im Interprofessionellen Pastoralteam der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hagen. Sie spricht über Ihre Aufgaben im Team, die Vorteile, die die verschiedenen Professionen bieten und darüber, dass sie sich über Langeweile dennoch nicht beklagen kann.
Unsere Gemeinde arbeitet seit 2019 interprofessionell. Drei Professionen übernehmen die pastoralen Aufgaben für die Gemeinde: eine Verwaltungsmanagerin, ein Gemeindepädagoge und bis Oktober 2024 zwei Pfarrerinnen, ab dann nur noch eine. Jede Person bringt sich mit ihren Fähigkeiten und Interessen für die Gemeinde ein. Das ist ein großer Gewinn, weil wir von mehr Fähigkeiten profitieren, als wenn nur eine Person und damit Profession die komplexen Aufgaben in der Gemeinde übernimmt.
Wir erzählen gerne von unserem Konzept, weil wir überzeugt sind, dass diese Art der Zusammenarbeit mehr Kompetenzen freisetzt und damit zu mehr Zufriedenheit im Beruf führt. Wer tut, was er*sie gelernt hat, tut es schneller, sicherer und damit zufriedenstellender. Am Ende bleibt aber immer die eine Frage: Was machst du als Pfarrerin eigentlich noch? Kurz gesagt: Mein Kalender ist voll.
Endlich schreibe ich meine Sonntagspredigten nicht mehr am Samstagabend, sondern kann mir Zeit nehmen für die geistliche Arbeit rund um den Gottesdienst und die Andachten, die im Laufe der Woche in Kita, Schule, Altenheim, für Gruppen und Kreise und anlässlich von Kasualien und speziellen Ereignissen zu halten sind. Ich habe wieder Zeit für das, was ich einmal so lange gelernt habe und wofür ich brenne. Dann kommen die Besuche anlässlich von Kasualanfragen dazu. Und endlich nehme ich wieder Menschen in den Blick für einen Besuch, die schon lange bei uns ehrenamtlich mitarbeiten, von denen ich aber gar nichts weiß. Oder Menschen, die einsam sind, ganz unabhängig von einem Anlass, und viele mehr. Die Bedingungen der Gemeindearbeit in der Gesellschaft, der Kirche und im Ort verändern sich gerade rasant. Darauf gilt es konzeptionell zu reagieren. Viele neue Konzepte müssen geschrieben werden: Schutzkonzepte, Gemeindekonzeption, Konzepte für die KiTa, das Personal etc. Das tue ich nicht allein, aber ich wäre auch überfordert damit es alleine tun zu müssen. Veränderungen setzen die Möglichkeiten frei, etwas Neues auszuprobieren. Das will durchdacht und erprobt werden. Das braucht Zeit. Jede*r Pfarrer*in übernimmt Aufgaben für den Kirchenkreis und die Kommune. Auch da verändert sich gerade vieles. Auch das braucht Zeit, in Ausschüssen und Sitzungen miteinander zu planen. Die vielen Gespräche, die diese Veränderungen nach sich ziehen, sind noch nicht einmal in meinem Kalender notiert. Unsere Aufgabe in Hagen ist zusätzlich, die Stadtkirchenarbeit zu gestalten. Das ist nur möglich, weil wir in diesem Team zusammenarbeiten. Jede Gemeinde hat ihre eigenen Schwerpunkte, die wiederum Zeit in Anspruch nehmen. Dann sitze ich dem Presbyterium vor. Natürlich bin ich in die wirtschaftlichen, organisatorischen und pädagogischen Entscheidungen involviert, auch wenn ich sie nicht durchführe.
Es gibt eine Menge zu tun. So viel, dass ich froh bin manchmal auch sonntags zusätzlich von eine*r Prädikant*in unterstützt zu werden. Im Team macht die viele Arbeit aber viel mehr Spaß.
Bei Fragen gern melden!
Katharina Eßer, Stadtkirchengemeinde Hagen
