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Gottesdienst in Dortmund zum Abschluss der Friedensdekade

„Über den Krieg hinausdenken“

„Legt ab die Werke der Finsternis. Zieht an die Waffen des Lichts!“ Die Aufforderung des Paulus in seinem Brief an die Römer (Röm 13, 11f) stellte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) Adelheid Ruck-Schröder ins Zentrum ihrer Predigt beim Gottesdienst zum Abschluss der diesjährigen Friedensdekade. Gemeinsam mit dem Friedensbeauftragten der EKvW, Superintendent Christian Bald, und dem Weihbischof des Erzbistums Paderborn Josef Holtkotte gestaltete die Präses den ökumenischen Gottesdienst am Buß- und Bettag in der Stadtkirche St. Reinoldi in Dortmund.

Die gegenwärtige Krise der Welt zeige sich an vielen Fronten, sagte Adelheid Ruck-Schröder. „Sie ist zur Polykrise geworden – Welt in Unordnung. Alte Sicherungssysteme greifen nicht mehr. Einfache Antworten gibt es nicht.“ Die Übersetzung des Wortes ‚Krise‘ aber bedeute ‚Entscheidung‘, so die Präses. „Die Krise fordert, sich zu entscheiden und Entscheidungen zu vertreten. Und das sieht für ein Land, das überfallen wurde, ganz anders aus als für mittelbar betroffene Staaten und Gesellschaften, die sich wie wir fragen: Welche Rolle spielen wir?“

Dabei werde klar, man verwickele sich in Widersprüche: Waffenlieferungen, ja oder nein? Aufrüstung, ja oder nein? Wehrdienst, ja oder nein? Was, so fragte Ruck-Schröder angesichts dieser Dilemmata, seien da ‚Werke der Finsternis‘, was ‚Waffen des Lichts?‘

Adelheid Ruck-Schröder nahm Bezug auf die neue Friedensdenkschrift der EKD, die kürzlich in Dresden vorgestellt wurde. „Der Dienst mit Waffen ist immer ein Zugeständnis an das Böse“, sagte die Präses. Waffen dämmten Gewalt ein; aber wer sie bediene, übe auch selbst Gewalt aus.

Der Einsatz von Waffengewalt bleibe das letzte Mittel, um der Übermacht von Gewalt zu wehren. Aus diesem Realitätssinn heraus argumentiere die neue Friedensdenkschrift, so Ruck-Schröder. Gleichwohl habe sie selbst sich gewünscht, dass die Denkschrift die Friedensvision als das Alleinstellungsmerkmal christlicher Haltung stärker ins Zentrum der Debatte stelle.

„Wir brauchen den Blick über die übliche Logik von Gewalt und Gegenwalt hinaus. Und zwar für die Entscheidung eines Einzelnen, aber auch als Gesellschaft“, sagte die westfälische Präses. „Das hat etwas mit Hoffnung zu tun. Weil wir über den Krieg hinausdenken und den Frieden vorbereiten müssen. Schon jetzt.“

„Die Stunde ist da, aufzustehen vom Schlaf. Jetzt ist der Tag, jetzt ist die Stunde. Legt ab die Werke der Finsternis. Zieht an die Waffen des Lichts!“ Paulus sei sich bei seinem Weckruf vor mehr als 2.000 Jahren sicher gewesen, dass die Welt kurz vor dem ewigen Friedensreich stehe.

„Die Erfahrung des gerechten Friedens ist möglich“, bekräftigte Adelheid Ruck-Schröder. Es müsse darum gehen, das Mögliche sichtbar zu machen: „Das noch-nicht, das Ersehnte: Das Friedensreich. Friedensbemühungen können gar nicht überschätzt werden.“

‚Waffen des Lichts‘ – das, so Adelheid Ruck-Schröder, empfinde sie als starkes Bild. „Weil es die Realität des Kampfes anerkennt, die Auseinandersetzung mit dem Bösen in der Welt ernst nimmt und trotzdem eine andere Logik dagegensetzt.“

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