Kirchenleitung besuchte Evangelische Gesamtschule Gelsenkirchen
Starker Eindruck von Profil und Engagement
Dieser Sitzungstermin hinterließ einen außergewöhnlichen Eindruck bei den Mitgliedern der westfälischen Kirchenleitung. Schulleitung, Lehrende und Schüler*innen der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck (EGG) hatten das Leitungsgremium der Landeskirche im Herbst zu einem Schulbesuch eingeladen, nachdem Präses Adelheid Ruck-Schröder im Namen der gesamten Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) zum Gewinn des Deutschen Schulpreises gratuliert hatte.
Jetzt haben die Mitglieder der Kirchenleitung die Einladung eingelöst und besuchten die Gelsenkirchener Schule in Trägerschaft der EKvW, die Ende September von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die hohe Auszeichnung in Empfang genommen hatte. Dafür hatte die Kirchenleitung ihre turnusmäßige Sitzung im Januar ausnahmsweise ins Ruhrgebiet verlagert.
In Kleingruppen führten Schüler*innen ihre Gäste zunächst durch unterschiedliche Bereiche der Schule. Von der Bibliothek über die Mensa bis in hin zum kleinen schuleigenen Theater konnten sich die Mitglieder der Kirchenleitung Eindrücke verschaffen. Und auch mitten in den Unterricht hineinschnuppern durften die Gäste. Jede Kleingruppe besuchte eines der eigenen kleinen Klassenhäuser, das jeder Klasse neben den Funktionsräumen der Schule zur Verfügung steht.
Was die kirchenleitenden Gäste dabei erlebten, war kein traditioneller Frontalunterricht, so wie sie ihn aus der eigenen Schulzeit in Erinnerung hatten. In kleinen Gruppen, allein oder zu zweit arbeiten hier die Mädchen und Jungen konzentriert an Themen, die sie sich selbst gewählt haben. Im vorgegebenen Rahmen können sie im ‚Freien Lernen‘ Schwerpunkte und Ziele selber festlegen, forschen mit zuvor erlernten Techniken an unterschiedlichen Fragestellungen und können auch Intensität und fachliches Level ihrer individuellen Arbeiten je nach eigener Anlage und Möglichkeit selbst regulieren. Eindrücklich zu beobachten war dabei: das eigenverantwortliche, offene Lernen funktioniert und führt, so die Erfahrungen in der EGG, in aller Regel zu hoher Motivation der Schülerinnen und Schüler.
Begeistert waren die Gäste aus der Kirchenleitung auch von der generellen Atmosphäre an der Evangelischen Gesamtschule. Wo immer die kleinen Besuchsgruppen auftauchten: überall war ein positives Gemeinschaftsgefühl zu spüren, eine hohe Identifikation von Schüler*innen und Lehrenden mit ihrer Schule und auch ein Stückchen Stolz, Teil dieser besonderen Schule zu sein, die mit rund 1300 Schülerinnen und Schülern zu den großen Lehreinrichtungen in Gelsenkirchen gehört.
Das hohe Ansehen der EGG in der Stadt spiegelt sich auch in der Anmeldesituation wider, die alljährlich das Interesse vieler Familien deutlich macht. Für 145 zur Verfügung stehende Plätze im neuen Jahrgang lagen im vergangenen Schuljahr 402 Bewerbungen vor. Und für die aktuelle Anmelderunde, so Schulleiter Volker Franken, zeichne sich eventuell sogar eine noch höhere Zahl ab.
Rund ein Drittel der Schülerschaft an der EGG stammt aus muslimischen Familien, knapp die Hälfte der Schüler*innen ist evangelisch, ein kleinerer Teil kommt aus Familien mit katholischem oder auch andersgläubigem Hintergrund. Sehr interessiert waren die Mitglieder der Kirchenleitung an dem Konzept, das dem Religionsunterricht und insgesamt dem vertrauensvollen Miteinander der Kinder und Jugendlichen aus allen Religionen zugrunde liegt. Mit einem dezidiert ausgearbeiteten Lehrplan, der evangelische, katholische und muslimische Module umfasst, gelingt es in Gelsenkirchen-Bismarck, Verständnis füreinander zu schaffen, Neugier auf religiöse Inhalte auch anderer Religionen als der eigenen zu wecken und dauerhaft eine Grundlage für wertschätzenden Austausch und Gespräch zu festigen.
Dass das im Alltag gelingt und nachhaltig zu Toleranz und einer offenen Diskussionskultur führt, bestätigten Schülerinnen der Oberstufe. Polarisierung und Abgrenzung unter den Schüler*innen finde nicht statt. Stattdessen spreche man miteinander und höre auch auf Meinungen und Einstellungen anderer, berichtete Antonia Berger, die als Schülerin des 12. Jahrgangs die Kleingruppe der Präses durch die Schule geführt hatte.
Präses Adelheid Ruck-Schröder bedankte sich im Namen der Kirchenleitung bei Schulleitung, Schüler*innen und Lehrenden für den eindrucksvollen Besuchstag. Vor allem aber danke sie allen Beteiligten in der EGG für ihr Engagement und dafür, dass sie in derart beeindruckender Weise ein evangelisches Profil gestalteten und lebten, so die Präses. Sie sei dankbar und stolz, dass die Evangelische Gesamtschule in dieser Weise als Schule in Trägerschaft der EKvW wirke.



