Intensive Diskussionen auf der EKD-Synode
Ringen um Friedensdenkschrift, ‚Macht‘ und mehr
Das Ringen um Frieden und der Umgang mit Macht stehen neben zahlreichen weiteren Themen im Mittelpunkt der EKD-Synode, die derzeit in Dresden tagt. Eröffnet wurde das jährliche Treffen der Vertretung sämtlicher 20 Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland am Sonntag, 9. November mit einem Gottesdienst, der aus der Dresdner Dreikönigskirche live im ZDF übertragen wurde.
Schon am Vortag der Tagung befassten sich Mitglieder der Synode mit einem der diesjährigen Hauptthemen: ‚Kirche und Macht‘. Dabei wurde der Machtbegriff aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Einen Impuls aus intersektional theologischer Perspektive gab Alena Höfer, Referentin am Institut für Kirche und Gesellschaft (IKG) der Ev. Kirche von Westfalen (EKvW). Machtsensibles Handeln, das wurde deutlich, bedarf in allen kirchlichen Handlungsfeldern besonderer Aufmerksamkeit. Das Problem des Missbrauchs von Macht beschränkt sich dabei keineswegs auf den Fokus ‚Sexualisierte Gewalt‘.
Einen Schwerpunkt am zweiten Tagungstag bildete die Vorstellung der neu entwickelten Friedensdenkschrift, die der Rat der EKD vorlegte. Sie trägt den Titel: ‚‚Welt in Unordnung – Gerechter Frieden im Blick‘ und tritt an die Stelle der EKD-Friedensdenkschrift von 2007.
„Die Denkschrift möchte angesichts der weltpolitischen Lage eine Orientierung geben“, sagte die Präses der EKvW Adelheid Ruck-Schröder am Rande der Synodentagung. Die Frage, wie in einer Situation, in der Kriege herrschten und vielerorts autoritäre Autokraten die Macht übernommen hätten, Schutz gewährleistet werden könne, sei drängend, sagte die Präses. Sie lud dazu ein, sich mit der Denkschrift auseinanderzusetzen: „Bilden Sie Ihre Meinung, diskutieren Sie darüber“.
Es bleibe beim Vorrang des gewaltlosen Lösens von Konflikten, so wie es die Denkschrift von 2007 postuliert hatte, erläuterten Friederike Krippner und Reiner Anselm, die als Mitglieder der Redaktionsgruppe das neue Papier in die Synode einbrachten. Frieden bedeute aber mehr als Gewaltlosigkeit. „Gerechtigkeit und Frieden gehören untrennbar zusammen“, so Friederike Krippner vor dem Synodenplenum.
Wesentlicher Aspekt der neuen Schrift: Dem Schutz vor Gewalt kommt Vorrang zu, dies vor allem in einer aktuell veränderten Weltlage. Der Staat trage heute eine besondere Verantwortung für den Schutz seiner Bürger, so die Autor*innen. Und letztlich gelte: „Nur wer sicher lebt, kann gerecht und frei leben.“
Jesus habe Gewaltlosigkeit gelehrt, das bleibe auch für die neue Denkschrift theologische Grundlage. Allerdings: „Wir leben in einer unerlösten Welt“, sagte Reiner Anselm. Gewaltlosigkeit und Schutz vor Gewalt könne in dieser Welt in Konkurrenz zueinander treten. Und auch wenn der Gewaltlosigkeit immer Vorrang zukomme, könne es Situationen geben, in denen der Einsatz von Gewalt am Ende als notwendiges Mittel stehe. Dabei, so die Autor*innen, müsse Gewalt in jedem Fall vom Recht genau eingegrenzt werden. In keinem Fall, so machten die Einbringenden klar, könnten Konfliktbeteiligte ohne Schuld bleiben. Denn es gebe stets eine ethische Verpflichtung aller zum Schutz des Gemeinwesens.
Die Friedensdenkschrift, die Ergebnis eingehender Diskussionen und Konsultationen zwischen Redaktionsgruppe, Rat der EKD und auch dem Friedensbeauftragten der EKD, dem mitteldeutschen Bischof Friedrich Kramer sei, dürfe keinesfalls als „Lehrschrift“ verstanden werden, machte Reiner Anselm vor Journalist*innen klar. Vielmehr solle sie Anregung zu Denken und Auseinandersetzung auf breiter kirchlicher und gesellschaftlicher Ebene sein. Die Schrift solle Orientierung geben, benenne aber auch bestehende Dilemmata. So bleibe es bei einem klaren ‚Nein‘ zum Einsatz von Atomwaffen. Gleichwohl gelte es, das Dilemma der Abschreckungslogik zu beschreiben, die zur Akzeptanz nuklearer Bewaffnung führen könne. Diese Beschreibung und die Auseinandersetzung damit sei „kein Doppelspiel, sondern evangelische Redlichkeit“, sagte Reiner Anselm.
Neben den Schwerpunktthemen befasste sich die EKD-Synode mit zahlreichen weiteren Problemen und Fragestellungen. So warfen Synodale die Frage nach einer EKD-weiten KI-Strategie auf oder diskutierten über die künftige Zusammensetzung und Arbeitsweise des Gremiums, insbesondere vor dem Hintergrund rückläufiger wirtschaftlicher Ressourcen. Aktiv beteiligt an den zahlreichen Diskussionen in Ausschüssen, Arbeitsgruppen wie im Plenum sind immer auch Delegierte aus Westfalen.




