Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
Präses über aktives Erinnern: „Es kommt heute auf uns an“
MedienINFO 04/2026
Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) hat Präses Adelheid Ruck-Schröder die bleibende Verantwortung betont, das Unfassbare der Shoah und die Erinnerung an ihre Opfer wachzuhalten. „Wie redet man über Auschwitz, über den millionenfachen, fabrikmäßigen Mord an Mitmenschen?“, fragt die Präses. Sie zitiert die Philosophin Hannah Arendt: ‚Da ist irgendetwas passiert, womit wir alle nicht mehr fertig werden.‘
Vor diesem Hintergrund würdigte die Präses die heute in der Zeche Zollverein eröffnete Ausstellung „Holo Voices“, die Stimmen hochbetagter Überlebender des NS-Terrors für kommende Generationen bewahrt. „Gott sei Dank können sie uns noch ihre Geschichten erzählen“, sagte Ruck-Schröder. „‚Holo Voices‘ konserviert ihre Stimmen und Erinnerungen für die Zukunft. Deshalb bin ich so dankbar für diese großartige Ausstellung. Es bleibt uns Aufgabe, uns zu erinnern. Und es fängt stets mit dem Zuhören an, erfordert aber auch das Nachfragen: Was ist damals passiert, in meiner Familie, in unserem Dorf?“
Denn wir sind selbst Teil dieser Geschichte, betonte die Präses. „Die Generation meiner Großeltern hat mitgemacht oder weggesehen. Die Kirche hat in großen Teilen geschwiegen. Widerstand war die Ausnahme. Sonst hätte ein monströses Verbrechen wie die Shoah nicht geschehen können. Das muss uns zu denken geben.“
Die Aufgabe für uns alle, betonte die westfälische Präses, liegt im Heute. Jüdinnen und Juden fühlen sich heute bei uns nicht mehr sicher. Antisemitische Übergriffe und Äußerungen häufen sich jetzt und hier. „Das dürfen wir nicht hinnehmen. Nicht als Christen, nicht als Bürger dieses Landes. Der Holocaust-Gedenktag hat mit unserer Gegenwart zu tun. Es kommt heute auf uns an.“ Jeder und jede Einzelne mache den Unterschied. „Wehren wir uns gegen den wachsenden Antisemitismus. Setzen wir uns ein für ein Deutschland, in dem sich Menschen jüdischen Glaubens, die hier Gott sei Dank leben, sicher und beheimatet fühlen.“
