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Studierende besuchten Bundeswehr-Standort in Münster-Handorf

Kirche im Einsatz: Berufsperspektive Militärseelsorge?

Kampfanzug oder Schutzanzug? Kleider machen Leute, es ist nie egal, was einer trägt. Schon gar nicht im Beruf. Seelsorger*innen bei der Bundeswehr tragen in ihrem Dienst auf dem Kasernengelände prinzipiell zivile Kleidung. Das ist eine Besonderheit im europäischen Vergleich: Kolleg*innen aus den Niederlanden z.B. tragen in ihrem Dienst Uniform, grundsätzlich.

Seelsorge und Militär, das ist ein spannendes Feld. Über 20 Studierende hatten sich zu einer Exkursion zum Bundeswehr Standort in Münster Handorf angemeldet. Zum Besuch eingeladen hatte die Studierendenbegleitung der EKvW. Mit dabei waren Studierende der Lehrveranstaltung „Seelsorge und Spiritual Care praktisch und rituell“ von Prof. Traugott Roser. Dort in Handorf ist die Lützow Kaserne und dort hat Militärpfarrerin Daniela Fricke seit fast eineinhalb Jahren ihren Dienstsitz. Sie hat aus ihrer Arbeit berichtet.

Ein kirchlicher Dienst für Soldatinnen und Soldaten kann auch als spannungsreicher Dienst gedeutet werden. Wenn man zum Beispiel Aussagen Jesu in der Bergpredigt radikal pazifistisch interpretiert und von daher grundsätzlich den Soldatenberuf ablehnt, der eben auch Dienst an der Waffe bedeutet, wird man nicht in der Militärseelsorge arbeiten können. „Augen auf bei der Berufswahl“, sagt Daniela Fricke. Grundsätzlich eine parlamentarisch legitimierte Armee zu befürworten, gehört für sie dazu.

Für sie und ihre Kolleg*innen an den anderen Standorten stehen die Menschen auf dem Gelände der Kaserne im Mittelpunkt. Sie haben ein im Grundgesetz verbrieftes Recht auf Religionsfreiheit, positiv wie negativ, und das schließt das Recht auf Seelsorge mit ein. Darum gibt es nicht nur evangelische Seelsorger*innen wie Daniela Fricke, sondern auch ihre katholischen Kolleginnen und Kollegen und seit einiger Zeit auch jüdische Seelsorger für die Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr. Die haben Fragen und Redebedarfe.

Insbesondere, wenn sie mit Extremsituationen wie in Auslandseinsätzen konfrontiert werden. ThDr. Michael Rohde, Leitender Evangelischer Militärdekan für den Westen Deutschlands, erinnert sich an so einen Fall, der sich vor einigen Jahren bei einem Auslandseinsatz zutrug: „Ich habe getötet“, eröffnete ihm im Gespräch ein junger Soldat, der sich selbst nicht als gläubigen Menschen beschrieb. „Trotzdem waren wir schnell bei den Themen Schuld und Vergebung. Das Thema nagte an ihm.“ Seelsorge auch in und für extreme Situationen vorzuhalten, ist die Aufgabe der Seelsorger*innen bei der Bundeswehr. Dabei müssen sie im Blick behalten, dass sie in extremen Situationen auch selbst geistliche Unterstützung brauchen werden.

Und die Soldatinnen und Soldaten? Die wissen die geistlichen Gesprächspersonen in zivil zu schätzen. Sie stellen Räume zum Austausch und zum Nachdenken zur Verfügung. Sie gestalten mit den Gottesdiensten im Kontext der fremden Umgebung der Kasernen und Einsatzorte für viele auch ein Stück Zuhause dadurch, dass sie Erinnerungen an geistliche Erfahrungen in der Heimat möglich machen. Sie gestalten den lebenskundlichen Unterricht, der für die Soldatinnen und Soldaten verpflichtend ist.

Kommt dieser Dienst für die Studierenden infrage? Sophie Saremba studiert Theologie und will Pfarrerin werden. „Das ist ein wichtiger Dienst, das ist mir klargeworden“, sagt sie. „Aus familiären Gründen kann ich mir die Aufgabe aber nicht gut für den Berufsanfang vorstellen. Später vielleicht.“ (…)

Wenn die Seelsorger*innen die Soldatinnen und Soldaten auf Übungen oder in Auslandseinsätze begleiten, sehen sie auf den ersten Blick aus wie die restliche Truppe. Das ist gewollt so, damit sie nicht zu Zielen für feindliche Kämpfer werden. Sie tragen dann nur auf den ersten Blick die gleiche Kleidung wie die Soldat*innen, denn für die Soldatinnen und Soldaten ist es ein Kampfanzug, für die Militärgeistlichen bei der Bundeswehr aber ein Schutzanzug.

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