Statement der Präses zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika
Freiheit und Gleichheit sind bis heute der Anspruch
Heute jährt sich zum 250. Mal die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika. Wir denken an diesem Tag an unsere Freundinnen und Freunde in unserer Partnerkirche, der United Church of Christ (UCC). Die Evangelische Kirche von Westfalen ist eng verbunden und im Austausch mit ihr.
Ihr Leitwort (Mission Statement) ist: United in Spirit and inspired by God’s grace, we welcome all, love all, and seek justice for all. („Vereint im Geist und inspiriert von Gottes Gnade heißen wir alle willkommen, lieben alle und setzen uns für Gerechtigkeit für alle ein.“)
Ich bin beeindruckt, wie die UCC das kraftvolle Zeugnis ihres Leitwortes in die Tat umsetzt und durch ihr vorbildliches Engagement für die Rechte von Minderheiten und für Gerechtigkeit zu einem Hoffnungsort in der US-amerikanischen Gesellschaft wird. Ich denke an den mutigen Einsatz von Gemeinden und Pfarrpersonen im Frühjahr 2026 gegen die unmenschlichen Praktiken der US-Einwanderungsbehörde ICE. Durch ihren juristischen und seelsorglichen Widerstand gegen ICE-Deportationen verteidigen sie die Gottebenbildlichkeit von Migranten und Migrantinnen. Sie verteidigen ebenfalls den Kerngedanken der Unabhängigkeitserklärung, dass alle Menschen von ihrem Schöpfer gleich erschaffen und mit unveräußerlichen Rechten begabt worden sind, wozu vor allem Leben, Freiheit und das Streben nach Glück zählen.
Christliche Nationalisten haben anlässlich des Jubiläums einen Nationalen Gebetstag mit dem Motto „Rededicate 250“ ausgerufen, um für die Rückkehr der USA zu einer christlichen Nation unter Gott zu beten. Ich bin in tiefer Sorge, wie Gebet und Glaube missbraucht werden, um gegen Menschen- und Freiheitsrechte zu agitieren und nationalen Egoismus zu befeuern. Die Verirrung, „christliche Werte“ und „die Verteidigung christlicher Kultur“ zu benutzen, um Mitmenschen auszugrenzen, keimt auch hierzulande und in unseren Nachbarländern auf. Dem widersprechen wir!
Die Unabhängigkeitserklärung von 1776 war damals größer als die, die sie formulierten. Frauen, Sklaven und Indigene wurden systematisch vom „Wir“ der Erklärung ausgeschlossen. Die Welt musste durch blutige Kämpfe hindurch lernen, dass sie jeder Art von Sklaverei, Rassismus und nationalem Egoismus die Legitimation entzieht. Die Erklärung ist aber auch zur Energiequelle für Freiheitskämpfe und Menschenrechtsbewegungen weltweit geworden. Erstmals wird hier in einem staatlichen Gründungsdokument der großartige Gedanke formuliert, dass der Mensch als Mensch unveräußerliche Rechte besitzt. Die Gründungsväter der USA waren tief im Christentum verankert. Sie bringen in diesen Worten den Glauben zu schönster Blüte, dass alle Menschen ohne Unterschied Gottes Ebenbild und von gleicher Würde sind.
Das Freiheits- und Gleichheitsversprechen einzulösen ist bis heute der bleibende Anspruch und die zu erfüllende Aufgabe.
Die Evangelische Kirche von Westfalen gedenkt dieses Tages in Verbundenheit mit ihrer Partnerkirche und mit allen Menschen, die auf das Freiheitsversprechen vom 4. Juli 1776 hoffen und darauf hinarbeiten. Wir beten an diesem Tag für sie.
