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Das westfälische Probedienstmodell macht's möglich

Ein Experimentierraum im Probedienst - geht das?!

Wie geht es eigentlich weiter auf dem Weg ins Pfarramt? Dein Examenstermin ist schon sichtbar. Du hast den Vorbereitungsdienst, das Vikariat, schon fest im Blick. Dann ist die Frage gar nicht so theoretisch, sondern im Sinne einer längerfristigen Planung auch angebracht. Beide kirchlichen Examina sind zeitlich oft eng beieinander, sie finden im Frühjahr und im Herbst statt. Das Vikariat, das demnächst nur noch zwei Jahre dauern wird, wird mit dem zweiten Examen abgeschlossen. Danach folgt der Wechsel in den Probedienst.

Bei dem westfälischen Probedienstmodell gibt es seit 2021 eine Besonderheit: In der Regel sind 75 Prozent deines Probedienstes reserviert für den Gemeindedienst in einer Kirchengemeinde, entweder als Unterstützung oder als Vakanzvertretung. Mit den restlichen 25Prozent kannst du einen Experimentierraum in deinem Probedienst starten.

Infrage kommen dafür mehrere Dinge: Berufliche Schwerpunkte, wie z. B. Seelsorge, die du für die Zeit deines Probedienstes setzen möchtest. Oder Innovationsprojekte, die du in dieser Zeit entwickeln und ausprobieren möchtest. In begründeten Ausnahmefällen kann das Verhältnis auch fünzig-fünfzig sein.

Insgesamt haben von dieser Regelung seit April 2021 19 Kolleg*innen im Probedienst Gebrauch gemacht. Das häufigste Zahlenverhältnis ist tatsächlich 75 zu 25 Prozent und der häufigste Experimentierraum ist Seelsorge in einer besonderen Institution wie einem Krankenhaus oder Pflegeheim. Zwei Kolleg*innen hatten das Feld „Jugendarbeit“ angegeben, daneben gibt es als weiteres Arbeitsfeld besondere Kommunikationsherausforderungen sowie -aufgaben der einzelnen Kirchenkreise. Neun Kolleg*innen wählten einen 100-prozentigen Probedienst ohne Experimentierraum bzw. 5 Kolleg*innen einen auf 50 oder 75 Prozent reduzierten Probedienst.

Du siehst: Der Probedienst in der EKvW kann für dich ein ziemlich maßgefertigter Lern- und Experimentierraum werden. Was ist überhaupt ein Experimentierraum? Seit dem Prozess „Zukunft(s)gestalten“ wird der Begriff „Experimentierraum“ regelmäßig verwendet, wenn es um die Erprobung einer neuen Realität vor Ort in einer Gemeinde oder einem Kirchenkreis geht.

In den im Zuge des Prozesses initiierten Experimenten sollten Realitäten auf Probe in einem zeitlich oder strukturell klar abgegrenzten Bereich der Organisation Kirche geschaffen werden. Die Experimente sollten dabei möglichst mehrere Probleme und Herausforderungen gleichzeitig ansprechen, verschiedene Wege erproben, um zu einer Lösung zu kommen und sollten schnell starten können. Beobachtung und Reflexion sollten eng verbunden werden. Im Sinne von „safe to fail" sollten Experimente auch scheitern können und dürfen. Denn jedes „Scheitern“ ermöglicht wichtige Erkenntnisse.

Warum ist es im beruflichen Regelkontext schwer, Experimentierräume zu starten? Einfach machen ist nicht einfach – auf diese Formel lässt sich eine Erkenntnis aus der Nacharbeit der „Zukunft(s)gestalten“ bringen. Kolleg*innen berichten, dass neben der Organisation der Alltagsdienste kaum Raum für Neues bleibt. Je klarer Konzepte für konkrete Experimentierräume schon entwickelt wurden, desto deutlicher wird dazu der konkrete Bedarf an finanziellen Mitteln bzw. Arbeitskraft. Das westfälische Probedienstmodell kann einen verlässlichen Rahmen für einen Experimentierraum bieten, in dem die zeitlichen Ressourcen geschaffen werden und vor Ort Möglichmacher*innen aktiv sind.

Die Herbstsynode der EKvW hat jetzt entscheiden, dass perspektivisch in allen beruflichen Kontexten 10 Prozent der Zeit für Innovation und Experimente über Dienstanweisungen oder Terminstundenmodelle eingeplant werden sollen.

Was sind Möglichmacher*innen bzw. was haben die mit dem Gelingen eines Experimentierraums zu tun? Die Begleitung durch die Leitung einer Gemeinde, eines Kirchenkreises oder Gestaltungsraums, die sich als „Möglichmacher*innen“ verstehen ist ein wesentlicher Faktor des Gelingens. Hinter Letzterem steht die Erfahrung, dass Experimentierräume, die mit Unterstützung von Möglichmacher*innen arbeiten, durch eine hohe Motivation und Umsetzungswahrscheinlichkeit erfolgversprechender sind. Die Verbindung von Beobachtung und Reflexion spielt in der Begleitung durch Möglichmacher*innen eine wichtige Rolle, damit ein Experimentierraum zu einem Lernraum werden kann.

Seit 2021 hat die EKvW Erfahrungen mit dem Modell „Experimentierraum Probedienst“. Wir stellen dir hier in loser Folge einige Beispiele vor. Im Herbst 2025 haben fünf Vikar*innen an den Prüfungen teilgenommen und bestanden. Alle fünf beginnen zum 1. Oktober ihren Probedienst in der EKvW. Eine dieser Vikar*innen ist Mareike Mengel, die zum 1. Oktober im Arbeitsfeld Nachwuchsgewinnung einen Experimentierraum im Rahmen des Probedienstes startet.

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Datum: 18.03.2026