Präses Ruck-Schröder spricht zu „Herausforderungen christlicher Frauenbilder"
Dortmunder Frauenmahl zum Thema „Amt und Macht"
Die Atmosphäre in der Petrikirche ist aufgeladen mit positiver Spannung. 120 Frauen erwarten als Gäste beim Dortmunder Frauenmahl den Vortrag von Dr. Adelheid Ruck-Schröder. Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen hat die versammelte Aufmerksamkeit. „Ich freue mich über jede junge Frau, die Pfarrerin wird“, sagt sie. Dass es tatsächlich männliche Kollegen gebe, die vor einer „Feminisierung der Kirche“ warnen, finde sie ungeheuerlich.
Und dann geht es um das Niederknien, wenn Geistliche in ein Amt eingeführt werden. Bei einigen wecke dies Kritik, obwohl sie selbst es immer so empfunden habe, dass sie vor Gott niederknie und nicht vor einem Menschen, sagt Ruck-Schröder. Trotzdem sei klar: Es ist eine Geste der Unterwerfung. Und mit dieser werde man in der Regel in ein machtvolles Amt eingeführt. Eine Ambivalenz von Macht und Demut, nennt sie das. Und sie hat sich etwas vorgenommen: „Ich weiß, dass mein Amt mit Macht verbunden ist. Ich bin dabei, das zu entflechten.“
Dann geht Ruck-Schröder auf biblische Geschichten ein: Von der Richterin Debora, die Recht unter Palmen gesprochen hat. Von Paulus und seinem Brief an die Galater, in dem es heißt: „Hier ist (…) nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“
Und schließlich habe ja auch Martin Luther über Gleichberechtigung nachgedacht, indem er vom „allgemeinen Priestertum aller Gläubigen“ sprach und außerdem Schulen für Mädchen forderte. Frauen in der Kirche, findet Adelheid Rück-Schröder, sollten nicht schweigen, sie sollen reden, sich beteiligen, sich ermächtigen, „nicht abnehmen, sondern an Gewicht gewinnen – an Leib, Seele und Geist“.
Denn das Eis, auf dem sich Frauen in der Kirche bewegten, sei noch immer dünn. So hätten bis vor gar nicht langer Zeit in Deutschland Pfarrer ein Veto gegen die Einführung von Kolleginnen einlegen dürfen. Und in Lettland sei die Frauen-Ordination vor zehn Jahren wieder abgeschafft worden. Warnsignale. „Die Stimme der Frau muss an Gewicht gewinnen“, mahnt Ruck-Schröder.
