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Verantwortung des Religionsunterrichts in der pluralen Gesellschaft

„Demokratiebildung und Sprachfähigkeit in Sachen Religion“

Kinder haben ein Recht auf religiöse Bildung. Das hob die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) Adelheid Ruck-Schröder bei einer Festveranstaltung zum 75-jährigen Jubiläum der Gesellschaft für evangelische Erziehung und Bildung (GEE) in Duisburg hervor. Welch hohe Verantwortung Lehrer*innen und Erzieher*innen für die Bildung von Kindern zukomme, das mache das Jubiläum der GEE deutlich.

Gegründet wurde die GEE 1950, unter dem Eindruck der Verwüstungen, der Morde und auch der Vernichtung des europäischen Judentums im Krieg des vergangenen Jahrhunderts. Die neue Gemeinschaft sollte ein evangelisch ausgerichteter, von den verfassten Kirchen unabhängiger Verein sein, der evangelische Erziehende und Lehrkräfte aller Fachrichtungen und Institutionen dabei unterstützte, evangelische Werte in die Bildungseinrichtungen zu tragen.

Evangelisch – das habe dabei von Anfang an die Auseinandersetzung mit der erlebten Vernichtung jeglicher Humanität, mit Holocaust und Antisemitismus eingeschlossen, so die Präses. Evangelische Bildung sollte die Bildung fürs „Nie wieder“ sein, Schule für Demokratie und Menschenwürde.

Schon sehr früh bemühte sich die GEE um den christlich-jüdischen Dialog. Noch bevor Deutschland diplomatische Beziehungen zu Israel aufnahm, organisierte der Verein Reisen ins Heilige Land. Der christlich-jüdische und darüber hinaus seit längerem der interreligiöse Dialog zählen nach wie vor zu den Arbeitsschwerpunkten der Gesellschaft.

Die GEE, so hob Präses Adelheid Ruck-Schröder hervor, gelte als erfahrene Akteurin in diesem wichtigen Dialog. In Kooperation mit dem Pädagogischen Institut der EKvW in Villigst habe sie beispielsweise die Erinnerungsarbeit und die Begegnung mit Jüdinnen und Juden als festen Bestandteil der Fortbildung von Lehrkräften etabliert.

Den interreligiösen Austausch, den Trialog zwischen Juden, Christen und Muslimen halte sie auch angesichts der Lage in Israel und Gaza für eine der vordringlichsten Aufgabe der Kirchen, betonte die westfälische Präses. Sie verwies dabei auf ihre eigenen aktuellen Begegnungen in der jüdischen Gemeinde in Bielefeld. Auch dort seien ihr die Erwartung und auch das Vertrauen entgegengebracht worden, dass die evangelische Kirche als Partnerin der jüdischen Kultusgemeinden Kontaktflächen schaffen oder erhalten könne und allem Hass zum Trotz Orte finde, wo Gespräch und Austausch stattfänden.

75 Jahre lang, so Adelheid Ruck-Schröder, habe die GEE evangelische Bildung mit entwickelt und gestärkt. Und auch wenn für die traditionsreiche Gesellschaft wie für die Kirchen generell gelte, dass sie kleiner werde und die wirtschaftlichen Kräfte zurückgingen, so könne sie dennoch aus einer Fülle von fachlichen Ressourcen und Erfahrungen schöpfen und werde weiterhin die evangelische Bildungslandschaft mitgestalten.

Das Jubiläum der Gesellschaft für evangelische Erziehung und Bildung mache die Verantwortung deutlich, die evangelische Bildung, insbesondere auch der evangelische  Religionsunterricht für Bildung generell trage, sagte die Präses bei der Feierstunde in Duisburg. Sie leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Demokratiebildung, aber auch für die Sprachfähigkeit junger Menschen in Sachen Religion. „Das brauchen wir in einer plural verfassten Gesellschaft“, sagte Adelheid Ruck-Schröder, „und da kommt es auf die Religionslehrerinnen und -lehrer selbst als Personen an.“ Sie zu fördern sei ein Herzensanliegen der Gesellschaft für evangelische Erziehung und Bildung.

Neben der westfälischen Präses überbrachten der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Sören Link, und der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg, Christoph Urban Grüße zum Jubiläum. Den Festvortrag zur Feier des 75-jährigen Bestehens hielt die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur, die ehemalige Staatsministerin Sylvia Löhrmann.

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