Präses zu Gast beim Jahresempfang des Kirchenkreises Iserlohn
„Das crazy“: Wie Kirche der Zukunft gelingen kann
Ein neues Format für den Jahresempfang des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn hatte sich Superintendent Oliver Günther mit seinem Team ausgedacht, das am Montag, 1. Dezember 2025, zum ersten Mal stattfand. Dabei konnte der Superintendent einen besonderen Gast begrüßen: Dr. Adelheid Ruck-Schröder, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.
Die leitende Geistliche der hiesigen Landeskirche ist seit dem 15. Juni im Amt und nutzte den Jahresempfang als Auftakt für ihre Besuche in den verschiedenen Kirchenkreisen.
Manch einer mag denken, die sind aber früh dran oder wahrlich zu spät: Ein Neujahrsempfang am 1. Dezember erscheint auf den ersten Blick schließlich ungewöhnlich. Aber im Kirchenjahr beginnt das neue Jahr mit dem ersten Advent und so war die Einladung zum Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Iserlohn wiederum nicht außergewöhnlich. Superintendent Pfarrer Oliver Günther wollte mit seinem Team neue Wege beschreiten und nicht am gewohnten Format des Jahresempfangs festhalten.
Rund 250 Gäste folgten der Einladung in die Oberste Stadtkirche. Dort wurde der Innenhof zunächst zum gemütlichen Treffpunkt. Eine illuminierte Kirche, vorweihnachtliche Dekorationen, adventliche Posaunenmusik, Feuerschalen und diverse Leckereien, wie man sie sonst auf einem Weihnachtsmarkt bekommt, erwarteten die Besucher. Gesellig stand man zusammen und plauschte, ehe das eigentliche Programm in der Kirche begann.
„Das crazy!“, mit dem Jugendwort des Jahres 2025 begann Superintendent Pfarrer Oliver Günther, denn schließlich sollte sich an diesem Abend alles um die Jugend und die Zukunft der Kirche drehen. Gleich zu Anfang machte er deutlich, dass sich die Kirche grundlegend ändern muss, wenn sie eine Zukunft haben soll. „Ohne Wandel keine Zukunft für Kirche“, so Günther, der damit eine wichtige Erkenntnis aus der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung wiedergab.
Er betonte aber auch, dass der heimische Kirchenkreis diese Herausforderung angenommen hat und Veränderung und Zukunft gestalten möchte. „Das ergibt nur Sinn und das wird nur funktionieren, wenn wir auf die Stimme der jungen Generation hören, um Kirche so zu gestalten, dass auch nachfolgende Generationen in ihr eine Zukunft finden“, erläuterte Günther.
Nach dem kurzen Ausblick, was an diesem Abend zu erwarten sei, begrüßte Superintendent Pfarrer Oliver Günther die Ehrengäste, zu denen unter anderem Fürst Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg, Landrat Ralf Schwarzkopf, Hagens Oberbürgermeister Dennis Rehbein, Iserlohns Bürgermeister Michael Joithe, Hemers Bürgermeister Christian Schweitzer, Mendens zweite stellvertretende Bürgermeisterin Martina Reers, MdL Matthias Eggers und der stellvertretende Dechant Dietmar Schulte zählten. Ein besonderer Gruß galt Dr. Adelheid Ruck-Schröder, die als Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen seit 15. Juni im Amt ist und Montagabend in Iserlohn zugegen war.
Mit einem geistlichen Impuls zum Start in den Advent ging es dann weiter. Superintendent Pfarrer Oliver Günther griff dabei noch einmal das Jugendwort 2025, das Sprachlosigkeit ausdrückt, auf. Sprachlos sei man laut Superintendent sicherlich im Hinblick auf die Kriege in der Welt. Ohnmacht, Hass und Ungerechtigkeit seien allgegenwärtig. Es gelte dies aufzubrechen. An Weihnachten mit dem Kind in der Krippe wird die Finsternis durch das Licht der Welt durchbrochen und Gott schenkt den Menschen Hoffnung.
Um die Stimme der jungen Generation ernst zu nehmen, hatte man im weiteren Verlauf des Abends eine Talkrunde auf dem Podium arrangiert. Neben Superintendent Pfarrer Oliver Günther und Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder nahmen an der Podiumsdiskussion auch Maike Brenzel und Jannis Schuster, die die junge Generation vertraten, teil. In mehreren Talkrunden diskutierten die vier Podiumsteilnehmer über die Kirche in der heutigen Zeit, Kirche und Jugend sowie die Zukunft von Kirche. Immer wieder wurde aber auch das Publikum mit in die Fragestellungen einbezogen.
Aber auch an einem Stehtisch wurde mit Gästen wie Fürst Maximilian zu Bentheim-Tecklenburg und Hagens Oberbürgermeister Dennis Rehbein sowie später mit der Leiterin des Evangelischen Jugendreferats Katja Pischke und ihrem Stellvertreter Philipp Sternemann diskutiert.
Als Fazit des Abends wurde deutlich, wie wichtig es ist, nicht nur über die Wünsche der jungen Generation zu sprechen, sondern diese auch direkt zu Wort kommen zu lassen und ernstzunehmen. Die Zukunft der Kirche scheint noch nicht verloren. „Wir unterschätzen, was wir gemeinsam für eine Kraft haben“, so Präses Dr. Adelheid Ruck-Schröder. Und Gott legt es den Gläubigen in die Hand, etwas zu ändern.
Natürlich durfte auch in der Kirche der musikalische Aspekt nicht zu kurz kommen. Immer wieder traten abwechselnd der Junge Chor 5nach5 von Ute und Hanns-Peter Springer sowie die Konficamp-Band auf, um die Talkrunden auf dem Podium aufzulockern. Und die Gemeinde war bei „Macht hoch die Tür“ eingeladen lautstark mitzusingen.
Von Annabell Brock

