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Westfälische Präses moderierte Diskussion mit Schüler*innen des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen

Allgemeine Wehrpflicht: ja oder nein?

Krieg, Diktaturen, Klimawandel: Angesichts der sich immer weiter zuspitzenden geopolitischen Krisen werden Stimmen laut, die in Deutschland die Wehrpflicht zurückfordern. Am 11. Juni sprach die Präses der EvKW darüber mit Oberstufenschüler*innen des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen (EGM).

Die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Adelheid Ruck-Schröder, wollte – statt über die betroffenen Jugendlichen zu sprechen –, mit ihnen in Austausch gehen. So ergab sich für 24 Schüler*innen der EF und Q1 die Möglichkeit, gegenüber der Theologin ihre Meinungen kundzutun. Eine Schülerin sprach sich deutlich gegen die Wehrpflicht aus, da diese die Selbstbestimmung und Freiheit des Einzelnen zu stark einschränke. Außerdem sei der Zeitverlust durch den etwa einjährigen Dienst zu groß, da viele Schüler:innen nach dem Abitur direkt ein Studium beginnen möchten. Zudem seien Freiwillige besser für den Dienst geeignet. Besonders betont wurde, dass niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden solle.

Darauf folgte eine Gegenposition. Hierbei wurde besonders hervorgehoben, dass Deutschland aufgrund der aktuellen sicherheitspolitischen Lage wehrfähig sein müsse. Außerdem wurde betont, - da zuvor allgemein über „Krieg“ diskutiert wurde –, dass „Bundeswehr“ und „Wehrpflicht“ nicht automatisch „Krieg“ bedeuten. Anschließend stellte Frau Ruck-Schröder die Frage, was getan werden müsse, um den Frieden zu erhalten: Frieden bedeute auch Friedensarbeit. Besonders hob sie die Möglichkeit des Zivildienstes hervor.

Im weiteren Verlauf rückte jedoch das für viele deutlich präsentere und emotionalere Thema eines möglichen Krieges in den Mittelpunkt. Auch die fehlende Gleichberechtigung beim (freiwilligen) Wehrdienst wurde angesprochen. Statt einer positiven Vermarktung der Bundeswehr und des Wehrdienstes solle vielmehr sachlich über die Bundeswehr informiert werden. Besonders hervorgehoben wurden die langfristigen Folgen einer militärischen Ausbildung, etwa die Zugehörigkeit zur Reserve oder ein möglicher Einzug im Verteidigungsfall. In diesem Zusammenhang wurde auch das sinnlose Sterben von Soldaten im Krieg thematisiert und dass ein Wehrdienst in genau diesem resultieren würde.

Auf der anderen Seite baute sich währenddessen zunehmend Frust auf, da einige Behauptungen und Argumente nach Ansicht der Befürworter nicht der tatsächlichen Rechtslage entsprachen. Ein Schüler stellte klar, dass in Deutschland niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden könne. Präses Ruck-Schröder ergänzte dazu den entsprechenden Artikel des Grundgesetzes (Artikel 4 Absatz 3), um rechtliche Klarheit zu schaffen. Die Wehrdienst-Befürworter machten deutlich, wie wichtig ein starkes Militär sei, um die Demokratie und die Werte Deutschlands zu schützen.

Denn wie lange haben wir unsere Freiheit noch, wenn wir uns im Ernstfall nicht verteidigen können? Dafür müsse man gegebenenfalls ein Jahr Dienst leisten. Ebenfalls angesprochen wurden die zivilen Aufgaben der Bundeswehr, beispielsweise im Katastrophenschutz, sowie die Möglichkeit, auch zivile Berufe bei der Bundeswehr auszuüben. Immer wieder wurde betont, dass eine starke Bundeswehr nicht automatisch zu einem Krieg führe. Jeder wolle schließlich geschützt werden, jedoch habe dieser Schutz seinen Preis – in diesem Fall einen Wehr- oder Zivildienst und eine Stärkung der Bundeswehr.

Besonders besorgt zeigte sich die westfälische Präses über die weltweit steigenden Militärausgaben bei gleichzeitig sinkenden Entwicklungsausgaben. Wie bereits zuvor betont, leisten auch Entwicklungshilfen und Friedensarbeit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Friedens. Darauf entgegnete ein Schüler, dass die höheren Verteidigungsausgaben Deutschlands gerechtfertigt seien, da Deutschland über viele Jahre die innerhalb der NATO angestrebten 5 Prozent nicht erreicht habe und sich deshalb keine weitere „Friedensdividende“ leisten könne.

Auch nach der Diskussion teilten längst nicht alle dieselbe Meinung, aber das ist auch der Vorteil einer Demokratie. Alle Anwesenden waren sich einig, dass wir als Gesellschaft unsere Demokratie schützen und verteidigen müssen – ob mit oder ohne Wehrdienst. Interessant war, dass sich die meisten Schülerinnen gegen einen Wehrdienst aussprachen und die Schüler dafür. Und die Gesprächsrunde zeigte, wie emotional und teilweise auch beängstigend dieses Thema für viele junge Menschen ist. Deshalb sollte man stärker über die aktuelle Rechtslage informieren und was eine Wehrplicht tatsächlich bedeuten würde. Mit viel Applaus verabschiedeten die Schüler*innen die leitende Theologin, die an die Gesellschaft appellierte, dass die Stimme der jungen Menschen mehr gehört werden müsse.

Text von Florian Happe (Qualifizierungsphase 1, Klasse 12) und Sophie Alte (Einführungsphase, Klasse 11), Schüler*innen des EGM

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