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Ökumenische Begegnung mit Assyrischen Christinnen und Christen im Münsterland

Erstmals besuchten Mitglieder des Unterausschusses Naher und Mittlerer Osten des Ständigen Ökumeneausschusses und weitere interessierte Teilnehmende die Assyrische Kirche des Ostens, deren Anfänge in das erste christliche Jahrhundert zurückreichen. Ihre ersten beiden Kirchen, die die assyrischen Gemeinden in Deutschland in den letzten Jahren erworben haben, befinden sich in Borken-Burlo und im benachbarten Vreden im Gebiet des Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken.

Manchmal entstehen lebendige Begegnungen dort, wo man sich auf eine zunächst fremde Kirche in aller Offenheit einlässt. So auch bei der Begegnung mit Gläubigen der Assyrischen Kirche des Ostens in Borken und Vreden. Viele von ihnen sind 2015 der Gewalt des sogenannten „Islamischen Staates“ entkommen und nach Deutschland geflohen. Im westlichen Münsterland haben sie eine neue Heimat gefunden. Zum ersten Mal gestalteten evangelische und katholische Christinnen und Christen auf Einladung der Evangelischen Kirche von Westfalen mit den assyrischen Gemeinden in Borken-Burlo und in Vreden ein gemeinsames Wochenende.

Nach einer profunden Einführung in die komplexe gesellschaftspolitische Situation und die Situation der assyrischen Christinnen und Christen im Khaburtal durch Dr. Thomas Schmidinger aus Wien standen vor allem die Menschen selbst im Mittelpunkt. Im Gemeindesaal der ehemaligen evangelischen Lukaskirche und jetzigen Mar Odisho & Mar Qardagh-Kirche ließen sich die Anwesenden auf die Ausführungen über Liturgie, Fastenzeiten und Sakramente durch den Pfarrer Andrawes Odisho ein. Bewegend war der Bericht zweier Gemeindeglieder, die vom Weg der Christinnen und Christen aus dem Khaburtal nach Borken erzählten. Ninos Isho, Vorsitzender der Assyrischen Demokratischen Partei in Syrien, betonte im Blick auf die aktuelle Lage in den Heimatländern, „dass das Leben in der Diaspora nicht das Ende der Verbindung mit der Heimat bedeutet“.

Die Erzählungen der Gemeindemitglieder machten deutlich, welche Wege hinter ihnen liegen. Viele Familien hatten Syrien bereits vor dem Jahr 2015 verlassen. „Wir sind nach Deutschland geflüchtet, weil wir als Christen endlich in einem christlichen Land sicher leben wollten“, betonte eine junge Frau, die seit vielen Jahren mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Borken wohnt. Ihr Mann ist inzwischen Unternehmer und sie arbeitet im Sozialamt.

Andere erreichten Deutschland, nachdem sie in ihren Dörfern am Khabur der brutalen Gewalt des „Islamischen Staates“ schutzlos ausgeliefert waren. Bis heute fühlen sich die Gemeindeglieder ihrem früheren Leben verbunden. Das Khaburtal war geprägt von Dörfern, Landwirtschaft und einem engen nachbarschaftlichem Zusammenhalt. Wahrscheinlich einer der Gründe, weshalb sie auch im Münsterland Orte gefunden haben, an denen sie sich zuhause fühlen können.

Immer wieder erzählen die assyrischen Christen, wie wichtig es in ihren Familien ist, ihre Sprache, Liturgie und ihre Traditionen an die nächste Generation weiterzugeben. Der Glaube wird dabei nicht als Erinnerung an eine verlorene Heimat verstanden, sondern als lebendige Kraft für die Gegenwart. Dennoch bleibt die Trauer über die zurückgelassene Heimat, in der heute nur noch wenige Menschen jene christliche Tradition leben, die ihre Gemeinden über Jahrhunderte geprägt hat.

Umso dankbarer sind die assyrischen Gläubigen dafür, dass ihre Gemeinde in Borken und in Vreden zwei ehemalige evangelische Kirchen nutzen und mit Leben füllen kann. Als einzige Gemeinde der Assyrischen Kirche in Deutschland besitzen sie hier eigene - anders als die assyrischen Gläubigen in Essen und in Wiesbaden, die bislang bei anderen Kirchen zu Gast sind. Während in vielen Regionen Deutschlands die Zahl derer, die christliche Gottesdienste mitfeiern, zurückgeht, sind die Gottesdienste in den Assyrischen Gemeinden mit Leben, Gebet, Chorgesang und Gemeinschaft gefüllt.

Während dieser dreitägigen Begegnung spürten die Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche von Anfang an die große Gastfreundschaft der Gemeinde: die Frauen der Gemeinde hatten Kuchen gebacken. Dazu wurde Kaffee und Tee gereicht. Am ersten Abend gab es traditionelles Lahmacun mit Salat. Alles war liebevoll vorbereitet, und man merkte schnell: Hier sind Gäste nicht nur willkommen, sondern von Herzen eingeladen.

Aus den einführenden Referaten wurden lebendige Gespräche über Glauben, Heimat, Flucht, Hoffnung und die Frage geführt, was Menschen trägt, wenn sie vieles zurücklassen müssen. Doch die Begegnung endete nicht mit den Gesprächen des Samstagsabends. Besonders berührend war es, am Sonntag zusammen Gottesdienst zu feiern. Gemeinsam zu beten, die vertrauten und zugleich fremden Klänge einer alten christlichen Tradition zu hören und schließlich auch das Abendmahl miteinander zu feiern, ließ die tiefe Verbundenheit im Glauben spürbar werden.

Zugleich zeigte die Erfahrung, dass christliche Gemeinschaft größer ist als konfessionelle, sprachliche oder kulturelle Grenzen. Im Anschluss hatten die Familien ein festliches Mahl vorbereitet und verwöhnten ihre Gäste mit einer beeindruckenden Auswahl an Speisen. Beim Essen wurde viel erzählt, gelacht und gefragt.

So wurden aus „Fremden“ Glaubensgeschwister und manche gingen mit neuen Freundschaften, zumindest aber mit neuen Eindrücken dankbar nach Hause. Begegnungen wie diese hinterlassen mehr als schöne Erinnerungen: Sie schaffen Beziehungen und bauen Brücken, die weit über ein Wochenende hinausreichen.

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