Trauer um Jochen Bohl
Gebürtiger Westfale mit Gestaltungswillen und Prägekraft
Am 29. Juli ist Jochen Bohl nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstorben. Die Vizepräsidentin der Evangelischen Kirche von Westfalen Susanne Falcke erinnert daran: „Jochen Bohl war gebürtiger Lüdenscheider und hat bis zu seinem Wechsel an die Saar Mitte der 1980er Jahre in verschiedenen Bereichen der Evangelischen Kirche von Westfalen gewirkt.“
Und sie fügt hinzu: „Wir trauern um einen Menschen, der die Evangelische Kirche mitgeprägt hat. Als jemand, für den es keinen Stillstand gab, lag ihm die Weiterentwicklung von Kirche stets am Herzen. Unsere Gedanken sind in diesen Tagen bei der Familie von Jochen Bohl.“
Jochen Bohl wurde am 19. April 1950 in Lüdenscheid geboren. Von 1968 bis 1974 studierte er Evangelische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, der Philipps-Universität Marburg und der Ruhr-Universität Bochum. Sein Erstes und Zweites Theologisches Examen legte er in der Evangelischen Kirche von Westfalen ab. Den zweijährigen Vorbereitungsdienst (Gemeindevikariat) absolvierte er von 1974 bis 1976 in Brüninghausen bei Lüdenscheid.
1977 wurde Bohl ordiniert. Nach dem Probedienst in der westfälischen Kirche war er von 1978 bis 1986 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Aplerbeck im Kirchenkreis Dortmund-Süd. Anschließend leitete er neun Jahre lang das Evangelische Jugendwerk an der Saar, bevor er nach Sachsen wechselte.
Besonders in Erinnerung bleibt Jochen Bohl als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Dieses Amt hatte er von 2004 bis 2015 inne. Auf EKD-Ebene wirkte er von 2010 bis 2015 als stellvertretender Ratsvorsitzender. Zudem war er von 2007 bis 2009 stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). „Mit diesem Amt und seiner umfassenden Beanspruchung zu leben, hat mich sehr geprägt und auch verändert“, schrieb Bohl selbst einmal.
Über die Grenzen seiner Landeskirche hinaus galt er als Theologe mit Gestaltungswillen. Besonders wichtig war ihm, in einer von SED-Diktatur und Säkularisierung geprägten Gesellschaft die Kirche und ihre Dienste als unverzichtbaren Teil des Gemeinwesens sichtbar zu machen. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählten die Wiedereinweihung der Dresdner Frauenkirche am 30. Oktober 2005 sowie der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag 2011 in Dresden.
