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Debatte „Was dürfen wir?“ anlässlich des Reformationstags

Facetten der Freiheit

Rund 130 Besucher*innen folgten am Vorabend des Reformationstags der Einladung der Stadt Münster und der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in den historischen Festsaal des Erbdrostenhofs. Unter dem Motto „Was dürfen wir?“ diskutierte ein prominent besetztes Podium am 30. Oktober über Freiheit und Recht.

Mit der Verfassungsrechtlerin und Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs NRW, Prof. Dr. Barbara Dauner-Lieb, der Rechtsphilosophin Prof. Dr. Franziska Dübgen, dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten und CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz sowie Dr. Adelheid Ruck-Schröder, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, kamen dabei unterschiedliche fachliche Perspektiven zusammen, die in einen vielschichtigen Austausch mündeten.

Matthias Drobinski, katholischer Theologe und Chefredakteur der Zeitschrift Publik-Forum, moderierte das Gespräch. Anlässlich des Reformationstags und angesichts gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen diskutierten die Podiumsgäste darüber, wie Freiheit heute gelebt und geschützt werden kann.

Zu Beginn betonten die Diskutierenden, wie komplex und vielschichtig der Begriff ist. Die Verfassungsrechtlerin Dauner-Lieb beschrieb Freiheit als „ein soziales Gebilde“, das durch das Recht gewährleistet werde. Auch Dübgen betonte, dass Freiheit keinesfalls nur persönlich zu begreifen sei. Vielmehr müsse das persönliche Freiheitsempfinden stets in Beziehung zu anderen Menschen gesetzt werden.

Präses Ruck-Schröder blickte auf Gespräche mit Schüler*innen zum Thema Wehrdienst zurück. Während die einen eine Verpflichtung als Einschränkung ihrer Freiheit wahrnähmen, sähen andere darin ihre Verantwortung, Freiheit zu verteidigen. Gerade in diesem Spannungsfeld bewege sich die junge Generation, die ihre Freiheit angesichts vielfältiger Bedrohungen zunehmend als fragil wahrnehme.

Ruprecht Polenz verwies auf die Gefahren sozialer Medien für demokratische Diskurse. Zwar nutze er diese selbst aktiv, kritisch sehe er jedoch die Machtkonzentration großer Plattformen sowie die dort durch Algorithmen gesteuerte Kommunikation. Es gebe einen „knallharten Markt der Narrative“. Gerade deshalb seien Kirche, Bildungseinrichtungen und Qualitätsmedien gefordert, demokratiefeindlichen Erzählungen und Desinformationen mit Fakten, Einordnung und glaubwürdigen Gegenentwürfen zu begegnen.

Einig war sich das Podium darin, dass Bildung eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und Freiheit ist. Die westfälische Präses schlug dabei die Brücke zu Martin Luther, der mit seiner Übersetzung der Bibel ins Deutsche dazu beitrug, breiten Bevölkerungsschichten den Zugang zu zentralen religiösen Texten zu eröffnen. Damit habe er wichtige Impulse für Bildung, Mündigkeit und Lesekompetenz gesetzt. Die Diskussion machte zugleich deutlich, dass Freiheit auch heute kein Selbstläufer ist. Wie zur Zeit der Reformation braucht es Menschen, die Missstände benennen, Verantwortung übernehmen und dort widersprechen, wo demokratische Werte und Menschenrechte infrage gestellt werden.

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