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Vize-Präsident Ulf Schlüter sprach in Dortmund auf der Kundgebung gegen rechts

Menschenwürde – „ein Geschenk des Himmels, einfach so“

Wie in vielen anderen Städten kamen auch in Dortmund am Wochenende weit mehr Menschen als ursprünglich vermutet zusammen, um gemeinsam öffentlich gegen rechtsextremistische Menschenverachtung einzustehen. Zu den Rednern in der westfälischen Metropole zählte auch der Theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) Ulf Schlüter.

Schlüter erinnerte in seiner Ansprache an den evangelischen Pfarrer Martin Niemöller, der – obwohl vormals deutschnational und kaisertreu und am Anfang sogar begeistert vom Nationalsozialismus, acht Jahre lang im Konzentrationslager gesessen habe, weil er früher als andere verstanden hatte: „Es ist verhängnisvoll zu schweigen, wenn Menschen und Menschenrechte mit Füßen getreten werden, wenn die Freiheit des Denkens und Glaubens abgeschafft und das Recht zum Instrument des Terrors wird …“

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, zitierte der Leitende Geistliche der westfälischen Kirche das vornehmste Grundrecht, das das Grundgesetz benennt. Und er ergänzte: „Die Würde des Menschen ist unteilbar. Sie gilt für alle Menschen gleichermaßen. Ganz gleich etwa, wo ein Mensch geboren ist. … Die kannst und musst du dir nicht verdienen. Die ist, wie wir Christen sagen, ein Geschenk des Himmels, einfach so, hast du, von Anfang an, Gott sei Dank, so wie jeder Mensch auf dieser Erde.“

Ulf Schlüter bekräftigte auf dem Dortmunder Königswall vor rund 30.000 Menschen: „Wir wollen, wir dürfen, wir werden nicht schweigen. Wenn in diesem Land Rechtspopulisten und Rechtsextreme Pläne schmieden, Millionen Menschen ins Ungewisse oder in den Tod zu deportieren – wieder einmal, weil sie fremd und anders sind, dann müssen wir denen das Handwerk legen.“

Rassismus, Antisemitismus, Islamophobie, Antiziganismus – jede Form von Menschenfeindlichkeit habe keinen Platz in diesem Land, stellte Schlüter klar. „Wer Hass gegen andere schürt, wer die ungeteilte Menschenwürde aller missachtet und damit auf Stimmenfang geht, der muss raus aus den Parlamenten. Konsequent und schleunigst.“

Eingeladen hatte zu der Kundgebung in Dortmund das Bündnis gegen Rechtsextremismus, bei dem neben der örtlichen Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Jutta Reiter, auch der Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund, Friedrich Stiller federführend ist. Mit auf dem Podium waren unter anderem der Oberbürgermeister der Stadt, Thomas Westphal, der stellvertretende Stadtdechant der Katholischen Stadtkirche Michael Vogt und der Sprecher des Rats der muslimischen Gemeinden Ahmad Aweimer.

Schon am Freitag hatten die Leitenden Geistlichen aller drei in Nordrhein-Westfalen vertretenen Evangelischen Kirchen zu einer Teilnahme an Protestveranstaltungen gegen rechte Hetze und für Vielfalt, Demokratie und Menschenrechte aufgerufen.

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Datum: 22.01.2024