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Dortmunder Islamseminar: ‚Ein Abend zur Person‘ mit Präses Annette Kurschus und Staatssekretärin Serap Güler

Interreligiöser Dialog gehört dazu

Seit mehr als 25 Jahren ist das Dortmunder Islamseminar ein Ort der interkulturellen Begegnung und des interreligiösen Dialogs. Von Zeit zu Zeit lädt das Seminar prominente Gäste ein und stellt sie bei einem ‚Abend zur Person‘ vor. In der Stadtkirche St. Petri waren jetzt die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, und die Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Serap Güler zu Gast.

Die Bedeutung eines interreligiösen Dialogs

Beide Frauen hoben aus unterschiedlicher Perspektive die Bedeutung eines interreligiösen Dialogs hervor. „Interreligiöser Dialog gehört dazu, wenn wir Integration anstreben“ , sagte Präses Annette Kurschus. Er helfe Menschen unterschiedlichen Glaubens, Achtung voreinander zu gewinnen. Zugleich trage er aber dazu bei, den eigenen Glauben noch besser zu verstehen und zu reflektieren.

„Ohne Angst verschieden sein“

Integration, so Kurschus und Güler, bleibe auf allen gesellschaftlichen Ebenen das Ziel. Aber das Verständnis von Integration unterliege einem Wandel. Für die Evangelische Kirche von Westfalen beschrieb Annette Kurschus einen Prozess des gemeinsamen Lernens. Es gehe nicht darum, andere Menschen dem eigenen Lebensstil anzugleichen. In Anlehnung an Theodor W. Adorno postulierte die Präses: „Integration heißt, ohne Angst verschieden zu sein.“ So verstanden werde der Integrationsprozess auch zu einer veränderten Kirche führen.

Der Beschreibung des Integrationsbegriffs pflichtete Staatssekretärin Serap Güler bei. Integrationsarbeit in diesem Sinne sei heute wichtiger als noch vor einigen Jahren, so ihre Einschätzung. Als Tochter einer türkischen Gastarbeiterfamilie habe es für sie außer der Sehnsucht nach der fernen Verwandtschaft, keine Gründe gegeben, sich als Kind nicht in Deutschland beheimatet zu fühlen. „Ich bin in einer Generation groß geworden, in der man die Frage: ‚wo kommst du her?‘ nicht als Angriff verstanden hat“, sagte Serap Güler. Das habe sich in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Stimmung verändert. Kinder der 3. und 4. Generation türkischstämmiger Migrationsfamilien erführen zunehmend Rechtfertigungsdruck und Ausgrenzung. Das erzeuge bei vielen ein Gefühl des Trotzes.

Religion nicht missbrauchen

Auch die Frage nach der Religion werde oft missbraucht, um Feindbilder zu zeichnen, beschrieb Güler, die sich als Muslimin bewusst für eine Mitgliedschaft in der CDU entschieden hat. Sie selbst sei von der Fülle an Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam überzeugt. „Wer christlichen Glauben ins Feld führt, um sich von anderen abzugrenzen, der hat etwas von Jesus missverstanden“, stellte Präses Annette Kurschus klar. Sie sehe aus dem christlichen Glauben heraus nur die Richtung begründet, aufeinander zuzugehen.

Aus dem Auditorium nach der Zukunft des Religionsunterrichts befragt, unterstrich die Präses dessen grundsätzliche Notwendigkeit. Es sei für junge Menschen wichtig, Religion zu verstehen und sich auch kritisch mit ihr auseinanderzusetzen, so die Präses. Auch gebe es erste Projekte für einen interreligiösen Religionsunterricht. Der biete neue Chancen, sei für Lehrende indes besonders anspruchsvoll.

Serap Güler wies auf die besondere Bedeutung muslimischen Religionsunterrichts an den Schulen hin. Er biete ein Gegengewicht zum Salafismus, dessen Vertreter Jugendliche zielgruppengenau anzuwerben versuchten.

Für die Zukunft wünschten sich beide Frauen, die gegenwärtigen Anstrengungen um Integration hinter sich lassen zu können. „Ich säge gerne an meinem eigenen Stuhl“, sagte Serap Güler. Sie hoffe, dass es in zehn Jahren keine Staatssekretärin für Integration mehr brauche. „Ich wünsche mir, dass das ‚Wir‘ in der Gesellschaft dann heißt: ‚alle gemeinsam‘“, so die Vision von Annette Kurschus. Sie hoffe, es könne den unterschiedlichen Gruppen gelingen, ihre jeweils eigenen Stärken als gemeinsame Stärke zum Wohle aller einzusetzen.

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