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Auszeichnung für Verdienste um die deutsch-polnische Partnerschaft

Anna-Vasa-Kirchenpreis 2025 für Pfarrer Burckhardt Hölscher

Für sein jahrzehntelanges Engagement im Aufbau und in der Entwicklung der deutsch-polnischen Partnerschaft zwischen den Kirchengemeinden Iserlohn-Letmathe und Jawor/Jauer, Polen wurde der westfälische Pfarrer i. R. Burckhardt Hölscher am 19. Oktober mit dem Prinzessin-Anna-Vasa-Kirchenpreis der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen ausgezeichnet.

Die Preisverleihung fand in der ältesten lutherischen Kirche Masurens, in Pasym, statt. In der Laudation hob Dr. Adam Malina, Präsident der Landessynode, hervor: „Das Lebenswerk von Pfarrer Hölscher ist eine Schatztruhe voller Projekte, Initiativen und Events, die nicht nur die Stärkung der deutsch-polnischen Beziehungen zum Ziel hatten, sondern auch die europäische Solidarität.“ Er würdigte Hölschers Einsatz für eine lebendige Erinnerungskultur, in der auch die Figur Dietrich Bonhoeffers eine zentrale Rolle spiele.

„On jest naszym pokojem. Er ist unser Friede.“ Mit diesen Worten aus Epheser 2,14 in deutscher und polnischer Sprache eröffnete Burckhardt Hölscher seine Dankesrede. Und: „Ohne meinen Vater hätte ich diesen Preis niemals bekommen.“ Anders als viele deutsche Väter, so berichtete Hölscher, habe sein Vater von den Schrecken des Krieges und von der Schuld erzählt, die er und viele Menschen in Nazideutschland auf sich geladen hatten. Sein Vater habe betont: „Ohne Christi Wort von der Vergebung hätte ich nie wieder anfangen können!“

In der kleinen Bibel, die ihn durch Krieg und Gefangenschaft immer begleitete, ist dieser Vers aus dem Epheser-Brief rot markiert. Friede, Freiheit und Versöhnung wurden zu theologischen Lebensthemen. Gerade in diesen Zeiten hört die Verantwortung der Kirchen für Wahrheit, Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit nicht auf, mahnte Pfarrer Hölscher: „Als evangelische Christen wissen wir: Der Glaube an den gnädigen Gott, an den Frieden Gottes, macht frei, sich auch den dunklen Seiten der eigenen und der Schuldgeschichte des eigenen Volkes und der eigenen Kirche und Gemeinde zu stellen. Er befreit zur ungeschönten Erinnerung, befreit aus gegenseitigem Aufrechnen nur zur Selbstrechtfertigung, befreit vom Beharren auf gegensätzlichen Rechtsbehauptungen, befreit, Wege zur Versöhnung zu gehen!“

Seit 2007 besteht die Gemeindepartnerschaft zwischen Iserlohn-Letmathe und der lutherischen Gemeinde in Jawor. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Gemeinde in Letmathe durch Flüchtlinge und Vertriebene stark angewachsen. Ein Neubau der Kirche wurde notwendig und mit dem Namen „Friedenskirche“ erinnerte man nicht nur an den Schrecken des Krieges, sondern wollte bewusst ein Zeichen der Versöhnung und Integration der Menschen zwischen Sauerland und ehemaligen deutschen Ostgebieten setzen.

Auch unter den Partnerschaftsvertrag setzte man in beiden Sprachen die biblische Zusage: „Er ist unser Friede.“ Die Partnerschaftsarbeit ist ein lebendige Friedensbotschaft, Zeugnis eines gestärkten Glaubens und tieferen Verständnisses des gemeinsamen Lebens als Christinnen und Christen in Deutschland, Polen und Europa.

An der Preisverleihung nahmen Partnerschaftsvertreter aus Letmathe und Jawor teil. Im Namen der EKvW dankte Pfarrerin Beate Brauckhoff, Vorsitzende des Europa-Ausschusses der westfälischen Landeskirche, Hölscher für seinen herausragenden Dienst in der Friedens- und Versöhnungsarbeit.

Weitere Preisträger sind der Johanniter-Orden und Pfarrer Helmut Weiß aus Düsseldorf. Der Johanniter-Orden wurde für dessen langjährige und zuverlässige Arbeit im Bereich der Diakonie und Jugendhilfe geehrt. Pfarrer Weiß wurde der Preis für seine Verdienste im Aufbau der Seelsorge, der Pastoralpsychologie und der Supervision in den evangelischen Kirchen Polens verliehen.

Hintergrund:

Der Anna-Vasa-Kirchenpreis würdigt Menschen und Organisationen, die sich in besonderer Weise für die Evangelisch-Augsburgische Kirche in Polen engagieren – geleitet von christlicher Liebe und dem Geist der Versöhnung. Der Preis wird in Erinnerung an Prinzessin Anna Vasa von Schweden (1568-1625) verliehen. Sie war die Tochter des schwedischen Königs Johann III. und seiner polnischen Frau Katharina Jagiellonica. Obwohl katholisch erzogen, konvertierte sie im Alter von 17 Jahren zum Luthertum. Trotz zahlreicher Anfeindungen blieb sie „glühend evangelisch“ und war bekannt für ihre umfangreiche botanische Bildung und ihre Korrespondenz in mehreren Sprachen mit wichtigen Persönlichkeiten ihrer Zeit.

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