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Präses Annette Kurschus zur Eröffnung der ‚Woche für das Leben‘

„Die trotzige Kraft des Dennoch“

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche eröffneten die beiden großen christlichen Kirchen ihre diesjährige ‚Woche für das Leben‘. Die Gemeinschaftsaktion, die in diesem Jahr zum 25. Mal stattfindet, steht unter dem Motto ‚Mittendrin – Leben mit Demenz‘. Sie nimmt Ängste, Sorgen und alltägliche Probleme der Krankheit, von der in Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen betroffen sind, in den Fokus. Zugleich bemüht sich die Aktion um Aufklärung und stellt Angebote dar, die an Demenz Erkrankten Hilfe und Unterstützung bieten können.

Ein Mensch könne viel verlieren: Sein Gedächtnis, seine Erinnerungen, seine Persönlichkeit, seine Intelligenz, sein Wesen, sein Vertrauen, seinen Glauben, seine Hoffnung, seine Liebe, sogar sich selbst, sagte die westfälische Präses und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Annette Kurschus in ihrer Predigt zum Beginn der Woche für das Leben. „Gott aber wird diesen Menschen auch dann – und dann erst recht! – nicht verloren geben. Niemals.“

Präses Annette Kurschus stellte den 31. Psalm in den Mittelpunkt ihrer Predigt. Dessen letzte Verse dienten einst als Konfirmationsspruch einer alten Frau mit Demenz, die Kurschus selbst zu Studienzeiten bei ihrer Arbeit in einem Altenheim kennengelernt hatte: ‚Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des HERRN harret!‘

Möglicherweise, so die Präses, habe die alte Frau den Inhalt des Psalmgebets nicht oder nicht mehr verstehen können. „Ihr Geist war entflohen, den sie gebraucht hätte, um sich das Gebet zu eigen zu machen“, so Annette Kurschus in ihrer Predigt. „Und doch behält es seine Kraft. Die trotzige Kraft des Dennoch.“ So zwei weitere Verse des Psalms: ‚In deine Hände befehle ich meinen Geist. Meine Zeit steht in deinen Händen.‘ (V.6.16) – „Dieses Gebet nimmt uns hinein in die gewisse Zuversicht: Selbst wenn ich nicht mehr denken und mich nicht mehr erinnern kann, bleibe ich von Gottes Händen gehalten. Selbst wenn ich einmal nichts mehr über mein Leben wissen sollte, werden meine Jahre bei Gott gut aufgehoben sein.“

Wie es wohl sein möge, wenn der Herr die Dementen dieser Welt erlösen werde, fragte die Präses. Ob sie dann „wie die zu neuem Denken Erwachten“ sein würden? Oder ob das alles dann keine Rolle mehr spiele? Vielleicht gelte dann ja nur noch der Ruf Gottes (Jesaja 43,1): ‚Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!‘, so Annette Kurschus, „aber was heißt hier nur?“

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