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Präses Annette Kurschus über Counterspeech und den biblischen Wahrheitsbegriff

Biblische Impulse gegen „Fake News“

MedienInfo Kirchentag 2019 
 

Dortmund. Im Zentrum Bibel hat Präses Dr. h.c. Annette Kurschus auf dem Dortmunder Kirchentag mit Petra Pau (MdB) und Professor Dr. Antonio Loprieno (Basel) über „Fake News“ und das sogenannte „postfaktische Zeitalter“ diskutiert. Dem Phänomen, verfälschte Tatsachen als Wahrheit zu verbreiten, setzte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) am Donnerstag (20.6.) biblische Impulse entgegen: Wahrheit ist dynamisch, Wahrheit zielt auf Veränderung, Wahrheit sucht Vertrauen.

Gezielt verbreitete Falschmeldungen, begleitet von menschenfeindlichen Hassreden, machten medial die Runde und wirkten auf Wahrnehmen und Empfinden, sagte Präses Kurschus. Sie vergifteten das gesellschaftliche Klima und die freiheitlich-demokratische Kultur.

Wahrheit nach christlicher Überzeugung, betonte dagegen Kurschus, ist nicht statisch, sondern dynamisch, „indem sie von Gott her in die Welt dringt und sich ereignet. Das Streben nach der Wahrheit hinter den Dingen, die beständige Annäherung an ihre Offenbarung in Jesus Christus bestimmt ihre Dynamik – jedoch im Wissen darum, dass Wahrheit letztlich unverfügbar in Gottes Händen liegt.“

Deshalb: Wahrheit schließe immer mehr Möglichkeiten ein als auf den ersten Blick sichtbar: „Ein Mehr an Wirklichkeit, ein Mehr an Erfahrbarem, ein Mehr an Möglichkeit“, sagte die Theologin. Und weiter: „Für mich ist Glaube nicht ein Gegensatz zum Wissen, sondern es ist ein Mehrwert, der unser Wissen einbindet in etwas, was ungleich größer ist. Genau darin liegt unsere Kraft. Wer mit diesem Mehr an Möglichem rechnet, muss nicht hinnehmen, was ist, sondern zielt auf Veränderung und nimmt sie in die Hand.“

Und schließlich: Wahrheit im biblischen Sinne habe mit Treue, Zuverlässigkeit und Vertrauen zu tun. Kurschus: „Wer auf Wahrheit zielt, ist auf Vertrauen aus. Das gilt es vom biblischen Zeugnis her klar zu betonen – auch und gerade jetzt, in unseren ‚postfaktischen‘ Zeiten. Denn Vertrauen ist das erste, das darin zunehmend verloren geht.“

Die mediale Agitation der postfaktischen Influencer bedarf laut Kurschus der „konzertierten Widerrede“. Die so genannten „Fake-News“ müssten beharrlich der Vernunftprüfung unterzogen und dadurch entlarvt werden. Kurschus: „Die Hate-Speech-Rhetorik bedarf nach meiner Überzeugung eines kräftigen Counterspeech, der bislang leider nur ansatzweise zu vernehmen ist.“ Die Theologie verfüge indes über einen reichen Schatz an alternativen Erzählungen gegen die „toxischen Narrative“.

„Wir nutzen als Kirche die digitalen Kanäle wie Twitter, Facebook und Instagram. Aber wir nehmen auch wahr, dass die knappen Formen und Formate auch etwas mit den Inhalten machen. Da geht Differenzierung verloren. Das Digitale - das ist unsere Erfahrung - kann das Analoge nicht ersetzen, gerade wenn es um Vertrauen geht.“

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