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Gespräch mit dem früheren israelischen Botschafter

Avi Primor: Antisemitismus? Gelassen bleiben!

Auf Einladung der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Evangelischen Kirche im Rheinland informieren sich zur Zeit Landtagsabgeordnete von CDU, SPD, FDP und Grünen aus NRW auf einer gemeinsamen Nahost-Reise mit Vertretern der beiden Landeskirchen über kirchliches Engagement in Israel und den Palästinensergebieten. Sie trafen auch den früheren israelischen Botschafter in Deutschland, Avi Primor. Er ist Vorsitzender der Israelischen Gesellschaft für Auswärtige Politik und lehrt an der Universität Tel Aviv.

In der Debatte über Antisemitismus in Deutschland rät Primor zu Gelassenheit. Antisemitismus habe es zwar in Deutschland immer gegeben, er sei aber im Laufe der Jahre „ständig zurückgegangen“, sagte er. Das habe sich nach seiner Einschätzung nicht geändert: Die große Mehrheit der Deutschen sei nicht antisemitisch.

Antisemitismus sei nicht dadurch gefährlicher geworden, dass er möglicherweise lauter auftrete als früher. Damit müsse Deutschland zurechtkommen. Wenn Antisemitismus tabuisiert würde, wäre er dadurch nicht weniger real. Allerdings sei durch die Zuwanderung aus der arabischen Welt eine andere Art von Antisemitismus in der Bundesrepublik präsent, sagte der 84-jährige Ex-Diplomat.

Ungewisse Regierungsbildung in Israel

Nachdem bei der Parlamentswahl am vergangenen Dienstag kein Lager eine Mehrheit bekommen hat, steht Israel nach Primors Worten vor einer ungewissen Regierungsbildung, auch eine Neuwahl sei möglich. Im Konflikt mit den Palästinensern sei ebenfalls unklar, wie es weitergeht. Das Thema habe im Wahlkampf keine Rolle gespielt, auch weil die Bevölkerung von der Politik keine Lösung mehr erwarte.

Eine Friedenslösung wäre nach Einschätzung des früheren Botschafters nur möglich, wenn die USA Druck auf Israel für eine Zwei-Staaten-Lösung machen würden. Bei einer solchen Lösung müssten im Zuge eines Gebietsaustauschs verstreute israelische Siedlungen im Westjordanland geräumt werden. „Das ist möglich, wenn Regierung und Bevölkerung dahinter stehen“, unterstrich Primor. Allerdings sei offen, welche Nahost-Politik US-Präsident Donald Trump künftig verfolgen werde „und ob er wirklich einen Friedensplan hat“.

Avi Primor war von 1993 bis 1999 israelischer Botschafter in Deutschland. (epd)

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