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Zahlreiche Mahnwachen und Demonstrationen

Solidarität mit den jüdischen Gemeinden

Nach dem Mordanschlag auf die Synagoge in Halle haben auch in Westfalen zahlreiche Menschen ihre Solidarität mit den jüdischen Gemeinden zum Ausdruck gebracht.

Noch am Mittwoch (9.10.) gab es in der Dortmunder Innenstadt eine spontane Demonstration mit über hundert Teilnehmern. Am Freitag ergriff der Dialogkreis der Abrahamsreligionen die Initiative: Vertreterinnen und Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen und der muslimischen Gemeinden besuchten die jüdischen Gemeinde, die ebenfalls im Dialogkreis aktiv ist. Sie übergaben Grüße an den Dortmunder Rabbiner Baruch Babaev. Dabei zeigte der Dialogkreis sein Motto: „Wir alle sind Dortmund“.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Nordrhein-Westfalen (ACK) hat den jüdischen Gemeinden ihre Solidarität erklärt. „Es beunruhigt uns sehr, dass in unserem Land ein solch infamer Angriff auf eine Synagoge stattfinden konnte“, schreibt die ACK-Landesvorsitzende Annette Muhr-Nelson an die jüdischen Gemeinden in NRW. Sie erinnert in dem Brief an die Verantwortung der Zivilgesellschaft für das gesellschaftliche Klima, das Nährboden sei für einen verstärkt auftretenden Antisemitismus und wachsenden Extremismus. „Der Anschlag von Halle rüttelt uns wach und mahnt uns daran, mutiger aufzustehen und hörbarer Partei zu ergreifen, wenn Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diffamiert und diskriminiert werden“, so Annette Muhr-Nelson. Christen seien mit den jüdischen Gemeinden in besonderer Weise verbunden. „Wir versichern Ihnen, dass wir solidarisch an Ihrer Seite stehen, um gemeinsam für eine offene und freiheitliche Gesellschaft einzustehen, in der Hass und Gewalt keinen Platz haben.“

Rund tausend Bielefelder, unter ihnen auch Superintendent Christian Bald vom Evangelischen Kirchenkreis Bielefeld, folgten dem Aufruf des Bündnisses gegen Rechts zu einer stillen Mahnwache an der Synagoge Beit Tikwa am Sonntag (13.10.). Mit 200 Teilnehmern hatten die Organisatoren gerechnet. Irith Michelsohn, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld: „Sie ermutigen uns. Wir wissen, dass alle hinter uns stehen und lassen uns nicht entmutigen oder einschüchtern.“

Inzwischen wurde bekannt, dass die Jüdische Kultusgemeinde Bielefeld einen anonymen Drohbrief erhalten hat. Dort heißt es, die Juden sollten „verschwinden“. Polizei und Staatsschutz ermitteln. Das Pamphlet nimmt Bezug auf die frühere Paul-Gerhardt-Kirche, die von der jüdischen Gemeinde erworben und in die Synagoge Beit Tikwa (eingeweiht 2008) umgewandelt wurde. Die Juden hätten das Gotteshaus „weggenommen“, so der anonyme Briefschreiber. Nach der Vereinigung der Paul-Gerhardt-Gemeinde mit der Neustädter Marien-Kirchengemeinde hatte das Presbyterium 2005 den Verkauf der Kirche an die Jüdische Kultusgemeinde beschlossen.

Mahnwachen und Solidaritätsdemonstrationen gab es unter anderem auch in Unna, Düsseldorf, Köln, Wuppertal und Aachen.

 

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