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Neustrukturierung des Handlungsfeldes Seelsorge/„Zentrum Seelsorge“ im IAFW

Neue landeskirchliche Pfarrstelle „Seelsorge und Beratung“

MedienInfo 36/2022

Für Menschen da sein. Ihnen in allen Lebenslagen beistehen. Zuhören. Reden. Zuversicht und Halt geben: Seelsorge ist und bleibt Kernaufgabe der Kirche. Doch dafür braucht es klare Strukturen, die jetzt geschaffen werden – mit der Berufung von Pfarrer Ralf Radix in die landeskirchliche Pfarrstelle „Seelsorge und Beratung“ im Landeskirchenamt (Bielefeld) und der Errichtung eines „Zentrums Seelsorge“ im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung (IAFW) der westfälischen Landeskirche in Haus Villigst/Schwerte.  

Pfarrer Ralf Radix (57), bislang mit jeweils halbem Stellenanteil Beauftragter für Notfallseelsorge in der Evangelischen Kirche von Westfalen und Referent für Seelsorge und Beratung im Landeskirchenamt (Bielefeld), wird sich künftig ausschließlich um die konzeptionelle und strategische Ausrichtung der Seelsorgearbeit in der westfälischen Landeskirche kümmern. Dazu gehören der kirchliche Dienst in der Polizei, die Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge, Seelsorge im Alter, Hospizarbeit und Trauerbegleitung, Telefonseelsorge, Zirkus- und Schaustellerseelsorge, Gehörlosen-, Schwerhörigen und Blindenseelsorge und nicht zuletzt die Notfallseelsorge und Feuerwehrseelsorge. Neben der Fach- und Dienstaufsicht über die zurzeit knapp 50 in diesen Bereichen eingesetzten Pfarrerinnen und Pfarrer sowie der Fachaufsicht über das „Zentrum Seelsorge“ im IAFW koordiniert Radix u. a. die zuständigen Gremien, verhandelt mit Kostenträgern sowie staatlichen Partnern und treibt die konzeptionelle Arbeit in Seelsorge und Beratung voran.

Für Ulf Schlüter, den Theologischen Vizepräsidenten der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), ist die mit der Umstrukturierung verbundene Aufstockung der Pfarrstelle im Landeskirchenamt, einhergehend mit der Bildung des Zentrums Seelsorge, „ein folgerichtiger und notwendiger Schritt, um das in den vergangenen Jahren auf landeskirchlicher Ebene erheblich gewachsene Handlungsfeld Seelsorge verlässlich und qualifiziert zu begleiten und zu steuern und die in diesem Feld vorhandenen hohen Kompetenzen sinnvoll zueinander zu führen.“ Und der theologische Dezernent für den Bereich „Kirchliches Leben“, Landeskirchenrat Dr. Vicco von Bülow, ist davon überzeugt, dass Seelsorge zu den zentralen Handlungsfeldern der Kirche und der kirchlichen Berufe gehört – und dass diese Arbeit so geordnet werden muss, dass sie „heilsam für die Menschen“ ist.

Zum Hintergrund - und zugleich Auftakt einer Serie über die unterschiedlichen landeskirchlichen Seelsorgefelder, die in den kommenden Wochen und Monaten in loser Folge erscheinen wird:

7 Fragen an Pfarrer Ralf Radix, Referent für Seelsorge und Beratung im Landeskirchenamt

1. Für Außenstehende erklärt: Warum sind die neuen Strukturen mit der Vollzeit-Pfarrstelle „Seelsorge und Beratung“ im Landeskirchenamt und Schaffung eines „Zentrums Seelsorge“ im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung (IAFW) sinnvoll?
Als Kirche ist es unser Auftrag, Menschen in Krisen beizustehen. Mit der Spezialseelsorge verlassen wir die Grenzen der örtlichen Kirchengemeinden und suchen Menschen dort auf, wo sie ihre Belastungen besonders spüren: zum Beispiel in Krankenhäusern und Pflegeheimen, in Haftanstalten, am Arbeitsplatz und in akuten Krisen auch zuhause. Seelsorgerinnen und Seelsorger hören zu, reden, halten das Schweigen aus, beten, sind einfach da. Spüren, was die Menschen um sie herum gerade brauchen. Kirche wird so als unterstützend und stabilisierend und der Glaube an Gott neu erfahren.
Aufgrund der vorhandenen Prognosen zur Entwicklung der Zahl von Pfarrerinnen und Pfarrern brauchen wir in den Feldern der Spezialseelsorge eine strategische Planung, die im Landeskirchenamt geschehen muss. Denn letztlich dreht sich alles um die Frage: Wie kann unsere Landeskirche ihren Auftrag, Menschen in besonderen Krisen hilfreich beizustehen, erfüllen? Ich möchte helfen, Antworten zu finden.
Und was das (Kompetenz-)Zentrum Seelsorge betrifft: Die Anforderungen für Seelsorgende in den genannten Bereichen sind mit den Belastungen der betroffenen Menschen enorm gestiegen. Der Austausch der Seelsorgenden untereinander, das Netzwerken sowie das gemeinsame Nachdenken über und Umsetzen von Qualitätsstandards ist unerlässlich. Um das zu gewährleisten, wird das “Zentrum Seelsorge“ mit den Beauftragten der einzelnen Seelsorgefelder errichtet.

2. Das klingt nach Arbeitstagen mit stundenlangen Gremiensitzungen, Strategiegesprächen, Konzeptentwicklungen und Personalpolitik. Bleibt da überhaupt noch Zeit für das, was Seelsorge eigentlich ausmacht - fürs „Mit-Menschliche“?
In der westfälischen Landeskirche haben wir in den letzten Jahren die Spezialseelsorge ganz bewusst stärker in den Blick genommen und zusätzliche Stellen eingerichtet. Dadurch sollen zum einen die Kirchenkreise von der Verantwortung beispielsweise für die Notfall- oder Gehörlosenseelsorge entbunden werden. Zum anderen will unsere Kirche dadurch ihren Auftrag, auch für die Menschen da zu sein, die sich nicht zu einer Kirchengemeinde halten, ernst nehmen. Dadurch wird sie in der Gesellschaft sichtbarer. Durch die Kolleginnen und Kollegen, die in diesen Arbeitsfeldern seelsorglich tätig sind, findet das statt, was Seelsorge ausmacht. Aber für ihre Arbeit brauchen sie auch Strukturen, gute Rahmenbedingungen und klare Absprachen mit den Trägern der Einrichtungen oder dem Land NRW. Sie benötigen Perspektiven für eine längerfristige Beschäftigung in dem Bereich. Voraussetzung für ihren Dienst ist ja meist schon eine längere spezielle Qualifizierung. Und dafür zu sorgen, ist meine Aufgabe. Ich schaffe also quasi „aus der zweiten Reihe“ heraus die notwendigen Rahmenbedingungen, damit sich unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger vor Ort ganz auf ihre Arbeit mit den Menschen vor Ort konzentrieren können.

3. Was sind für Sie als neuen „Vollzeitpfarrer für Seelsorge und Beratung“ mit Dienstsitz im Landeskirchenamt (Bielefeld) die größten Herausforderungen der nächsten Wochen und Monate?
Für die Umsetzung des Grundlagenbeschlusses zur Neustrukturierung des Handlungsfeldes Seelsorge und Beratung sind noch etliche Details zu klären und weitere Beschlüsse durch die beteiligten landeskirchlichen Gremien zu fassen. Das konkrete Sortieren und Ordnen aller anstehenden Aufgaben fängt jetzt also erst an. Außerdem müssen auch die Aufgaben des „Zentrums Seelsorge“ und der dort angegliederten Beauftragten noch genau beschrieben werden.

4. Gibt es eine Vision, wie Ihr Arbeitsbereich in fünf Jahren aussehen sollte? 
Ich wünsche mir, dass wir in fünf Jahren für die Sonderseelsorge ein landeskirchliches Konzept verabschiedet haben, in dem festgelegt ist, in welchen Seelsorgefeldern wir uns als Landeskirche mit wie viel Personal, Geld und Energie engagieren wollen. Und dass dieses Konzept dann für etliche Jahre tragfähig ist und gilt. Denn damit schaffen wir für alle Beteiligten eine dringend notwendige Verlässlichkeit.  

5. Wie steht es um die Öffnung der hauptamtlichen Seelsorgearbeit für andere Berufsgruppen, zum Beispiel Diakoninnen und Diakone? 
Voraussetzung für den Dienst in der Spezialseelsorge ist eine fundierte theologische und seelsorgliche Ausbildung. Liegt diese Qualifizierung vor, können auch Angehörige anderer Berufsgruppen in der Spezialseelsorge eingesetzt werden. Erste Schritte in diese Richtung hat es bei Stellenausschreibungen bereits gegeben. 

6. Und welche Rolle spielt jetzt und in Zukunft das Ehrenamt?
In einigen Bereichen können Ehrenamtliche gut zum Einsatz kommen – zum Beispiel in der Notfallseelsorge, in der Seelsorge für alte Menschen, in der Krankenseelsorge oder auch in der Gemeindeseelsorge. Für die Qualifizierung der Ehrenamtlichen für diese Arbeit sind Standards und Rahmenbedingungen erarbeitet worden, die gerade im Entscheidungsprozess sind. Ehrenamtliche müssen in ihrem Dienst und Engagement aber fachlich und auch seelsorglich gut begleitet werden. Darum wird es in der Seelsorge nie ohne Hauptamt gehen können.

7. Welche persönlichen Eigenschaften und fachlichen Qualifikationen brauchen gute Seelsorgerinnen und Seelsorger? 
Sie müssen sich selbst sehr gut kennen, ihr Handeln und Denken stets selbst reflektieren. Seelsorgende zeichnet ihre Haltung und ihre Rollenklarheit aus. Sie werden oft mit großem Leid und großer Not konfrontiert und müssen hohe Widerstandskräfte haben, resilient sein. Außerdem brauchen sie Methodensicherheit, um genau abschätzen zu können, was ihr Gegenüber gerade braucht. Neben Mitgefühl und Empathie ist also auch noch eine hohe Professionalität durch fachliche Qualifikation notwendig.

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