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Theologiestudierende lernten in Wittgenstein Kirche im ländlichen Raum kennen

Kleine Welt, kurze Wege, Kirche im Dorf

Eine dreitägige Perspektivtagung der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) brachte rund ein Dutzend Theologiestudierende der höheren Semester in den Wittgensteiner Kirchenkreis. „Kirche im ländlichen Raum“, so die Überschrift der Veranstaltung, die damit einen hundertprozentig passenden Ort gefunden hatte.

Begleitet wurden die jungen Leute von Oberkirchenrätin Petra Wallmann, EKvW-Personaldezernentin, und Pfarrerin Antje Röse, erste Ansprechpartnerin für den theologischen Nachwuchs in Westfalen. Ihnen stand zur Seite als Experte vor Ort: Stefan Berk, der Superintendent des Wittgensteiner Kirchenkreises.
Und hier traf die Gruppe dann weitere Fachleute. Dabei wurde immer wieder klar, wie klein die Welt in Wittgenstein ist, wie kurz deshalb die Wege hier sind. Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann und Stefan Berk buchstabierten beim Termin im Rathaus den Punkt „Gemeinwesen-Orientierung im ländlichen Raum“ als ein eingespieltes Team. Anke Althaus-Aderhold aus Lukas, der Wittgensteiner Kirchengemeinde, die sich das Thema schon vor Jahren auf die Fahnen geschrieben hat, konnte dabei nochmal sehr deutlich machen, wo in diesem Gefüge der Platz für die Kirchengemeinden ist.

Am Nachmittag stand dann die Besichtigung des Berleburger Schlosses auf dem Plan. Dabei trafen die angehenden Pfarrerinnen und Pfarrer Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der nicht nur durch die alten Pfarrpatronats-Stellen mit der Kirche verbunden ist. Vor Jahren absolvierten die Wittgensteiner Teilnehmer des Young-Ambassadors-Austauschprogramms vor ihrer Amerikareise bei ihm einen Benimmkurs, den ihnen der Neffe der dänischen Königin exklusiv im Schloss anbot. Und auch beim Wittgensteiner Kirchenwald zum Dortmunder Kirchentag konnte der Kirchenkreis ganz selbstverständlich auf die Wittgenstein-Berleburg‘sche Rentkammer und deren Unterstützung setzen.

Winterberg: Halbe Pfarrstelle für Tourismus

Die kirchliche Gemeinwesen-Orientierung wurde dann in Winterberg nochmal aus einem weiteren Blickwinkel betrachtet. Zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehören auch die evangelischen Diaspora-Kirchengemeinden der Esloher, Schmallenberger und Winterberger. Die halbe Gemeindepfarrstelle in Winterberg wurde jetzt zu ihrer Neubesetzung um eine halbe Tourismuspfarrstelle ergänzt. Tourismus ist in allen sechs Kommunen des Kirchenkreises ein wichtiges Thema. Bereits seit Jahren arbeitet der Kirchenkreis beim „Spirituellen Sommer“ mit. Die Gruppe traf sich in Winterberg nicht nur mit der designierten neuen Winterberger Pfarrerin Dr. Sandra Gintere, sondern auch mit dem örtlichen Gemeindereferenten Jörg Willerscheidt, der sich seit einiger Zeit für die katholische Seite mit der Tourismusarbeit beschäftigt. Stefan Berk präsentierte den künftigen Kollegen während der Tagung zudem noch den nagelneuen Innovationsfonds der westfälischen Landeskirche, den er im vergangenen Herbst für den Arbeitskreis „Ländlicher Raum“ als Synodaler bei der Westfälischen Landessynode eingebracht hatte und der künftig mit einer Ausstattung mit drei Millionen Euro helfen soll, frische Ideen für die Kirche im ländlichen Raum auf den Weg zu bringen.

Dankbarkeit ist der Schlüssel

Wie sich Gemeinwesen-Orientierung im Gottesdienstrahmen darstellen kann, das sahen die Gäste ganz anschaulich an ihrem letzten Tag in Wittgenstein. Im Berleburger Bürgerhaus fand in Verbindung mit dem Brotmarkt der große Erntedankgottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde statt. Die erprobte „08/14“-Gottesdienstmannschaft gestaltete den Morgen musikalisch und liturgisch, die Landjugend Wittgenstein kam nach heißen Sommern und wegen schwieriger Wettbewerbsbedingungen in einem Anspiel auf die alles entscheidende Frage „Und jetzt?“, und Stefan Berk versuchte darauf in seiner Predigt eine Antwort zu geben. „Dankbarkeit ist der Schlüssel. Damit geben wir dem Leben die Würde zurück, die es verdient. Und wir finden unsere eigene Würde wieder, gegenüber den Tieren, den Wäldern, der Natur und auch in den Augen unserer Kinder und Enkel, die uns zu Recht fragen, was eigentlich in den letzten 50 Jahren auf unserer Erde passiert ist.“ So das Fazit der Predigt, die rund 300 Menschen im Bürgerhaus gut hörten, denn die meiste Zeit war es so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Die komplette Predigt gibt es auf der Homepage des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein.
Mit diesem beeindruckenden Schlussbild aus einem verkehrsfernen Kirchenkreis ohne eine einzige Autobahnauffahrt, aber noch immer mit ziemlich viel volkskirchlicher Lebendigkeit machten sich die Theologiestudierenden wieder auf den langen Weg zurück in ihre Universitätsstädte.

 

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