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Erstmals digital: La Plata-Forum 2021 mit 64 Teilnehmenden aus Deutschland und Südamerika

”Kirche muss Gastfreundschaft leben”

”Diakonie als die neue Sprache der Kirche” – so lautete das Motto des La Plata-Forums, das in diesem Jahr am 3. und 4. September pandemiebedingt erstmals digital stattfand. Die meisten der 64 Teilnehmenden aus Westfalen und dem Gebiet der Evangelischen Kirche am La Plata– Argentinien, Uruguay und Paraguay – sind als Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone sowie hoch engagierte Ehrenamtliche in sozialdiakonischen Projekten in prekären Stadtvierteln, in Gemeinden und Altenheimen aktiv.

Sie fanden schnell eine gemeinsame Sprache: Rege Diskussionen gab es in den drei thematischen Gesprächsgruppen zur Stadtteilarbeit, zum Verhältnis von institutioneller und gemeindlicher Diakonie und zum Freiwilligen-Programm. Anschließenden ging es in geselligen Gruppen, die als Ersatz für die persönliche Begegnung beim Abendbrot gedacht war, mit ungeminderter Intensität weiter um die gemeinsamen Themen.

Bereits zu Beginn des Forums hatte Professor Dr. Dietrich Werner (Berlin) mit seinem Vortrag einen weiten Horizont eröffnet. Er arbeitet beim „Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung – Brot für die Welt“ im Bereich Internationale Diakonie. Werner verknüpfte seine historischen und theologischen Überlegungen zur Diakonie mit den Herausforderungen unserer Zeit, die sich allesamt durch die Corona-Pandemie verschärft hätten. Besondere Aufmerksamkeit fand seine These, Kirche befinde sich immer und überall in der Diaspora, nicht nur rein zahlenmäßig in einer säkularisierten oder anderssprachigen Welt.

Denn Kirche sei der Welt von ihrem Wesen her fremd, aber dem Wesen nach immer im Dienst an den Fremden, so Werner. Das zu sehen schütze die Kirche vor Rückzug in eine Bollwerk-Mentalität und ermutige zum diakonischen Handeln auch mit geringen Mitteln: „Suchet der Stadt Bestes!“ Diakonisches Handeln ziele darauf, Menschen ihre Würde zurück zu geben, und zwar hochprofessionell in großen Einrichtungen ebenso wie spontan in herzlichen Aktionen.

Auch prophetische Dimensionen habe die Diakonie. Das sei besonders ausgeprägt in Südamerika, so Werner. Die Teilnehmenden aus der Kirche am La Plata belegten das im Laufe des Forums mit zahlreichen Beispielen, in denen es um die Arbeit mit den gesellschaftlich benachteiligten indigenen Bevölkerungsgruppen ging, um ökologische Projekte wie Wiederaufforstung in Misiones oder die Haltung zum Fracking am Rio Negro, wo Ölförderung die Umwelt bedroht.

Werner forderte, künftig mehr Gewicht auf Diakonie in jeder kirchlichen Ausbildung zu legen und setzt hier auf internationale Kooperationen. Das Thema Diakonie sei zum Glück auch in den Fokus des Ökumenischen Rats der Kirchen gerückt und solle auf der Vollversammlung in Karlsruhe 2022 stark gemacht werden. Und für IERP-Kirchenpräsident Leonardo Schindler ist Diakonie „eine Sprache, mit der wir zur Welt sprechen können; sie spricht insbesondere junge Menschen an, weil sie zur Transformation der Wirklichkeit aufruft“.

Am Samstagnachmittag kamen Freiwillige zu Wort, die ein Jahr auf dem jeweils anderen Kontinent in diakonischem Einsatz verbracht haben, und unterstrichen eindrucksvoll diese These. Sie alle kehrten mit einem veränderten Blick auf die Welt, auf die Kirche und auf sich selbst zurück. Nicht selten beeinflusste das ihren Berufswunsch. Schindler erwartet, „dass beide Kirchen Räume schaffen, wo sie nach ihrer Rückkehr auch zu Wort kommen können.“

Die Kernthese des Vortrags des Kirchenpräsidenten – „Diakonie ist Mission“ – entzündete eine Diskussion zum Missionsverständnis: Mitgliederwerbung oder Teilhabe an der Mission Jesu in der Welt? Dazu sagte Ruben Yennerich (Buenos Aires): „In der Diakonie geht es nicht darum, das Evangelium zu den Menschen zu bringen, sondern mit den Menschen das Evangelium neu zu entdecken.“ Und Nicolás Rosenthal, Direktor der Diakonie-Stiftung der IERP, sagte: „Kirche muss Gastfreundschaft leben – lassen wir Leute rein in unsere oft geschlossene Gemeinschaft!“

Bereichernd und keine Minute langweilig – so lautete das Fazit der Teilnehmenden. Das spiegelte sich auch darin, dass sich trotz der langen Stunden vor dem Bildschirm bis zum Schluss niemand abmeldete. Es fiel allen schwer, sich am Samstagabend zu trennen. Mit fröhlichem Winken in die Kameras hieß es: Hasta la proxima (bis nächstes Mal) oder lieber noch: Hasta pronto (auf bald).

La Plata Forum

Der Arbeitskreis Evangelische Kirche am La Plata führt alle zwei Jahre das „Forum Rio de la Plata“ durch. Vorbereitet und moderiert wurde das digitale La Plata-Forum 2021 von Pfarrerin Kirsten Potz (MÖWe), Michael Hoffmann (Arbeitskreis La Plata der EKvW), Ricardo Schlegel (Generalsekretär der Ev. Kirche am La Plata) und Carmen Damerow (Ökumene-Dezernat der EKvW). Alle Vorträge und Präsentationen für das Plenum und die Gesprächsgruppen werden in einer Dokumentation zusammengestellt und können im Dezernat angefordert werden.

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