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Ewigkeitssonntag: „Bäume der Hoffnung“ zum Gedenken an Corona-Tote

„Hoffnung, die man sehen und riechen kann“

Noch ist es ein eher zartes Pflänzchen, das die jüngst zur EKD – Ratsvorsitzenden gewählte Annette Kurschus zusammen mit Heiner Montanus, Superintendent des Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid und Monika Vogt, Pfarrerin der Kirchengemeinde Wattenscheid, auf dem Evangelischen Friedhof Wattenscheid in die Erde setzte. Doch schon bald wird die Robinie, ebenso wie 21 weitere Bäume, die allesamt gespendet wurden, hier als ein sichtbares Zeichen der Hoffnung ihre Äste in den Himmel strecken.

„Mit der Aktion ‚Bäume der Hoffnung‘ wenden wir uns an alle, die in Pandemiezeiten einen geliebten Menschen verloren haben“, erläuterte Präses Annette Kurschus die Idee. „Wir laden dazu ein, für diesen Menschen auf einem unserer Evangelischen Friedhöfe einen Baum zu pflanzen. So findet das Gedenken einen konkreten Ort und die persönliche Trauer erhält einen sichtbaren Ausdruck.“

Sichtbares, hoffnungsvolles Gedenken

„Dieser Baum wird nach neuem Leben duften, wenn die Frühlingssonne seine üppigen weißen Blüten hervorlockt, und er wird die Bienen nähren.“ In ihrer Predigt während des Gemeindegottesdienstes in der Trauerhalle des Friedhofs ging die leitende Geistliche der westfälischen Landeskirche auf das Trostspendende der Baumpflanzaktion ein.

„Die Robinie, die ich heute pflanze, wird nicht allein dastehen. Sie wird in Gesellschaft anderer Bäume sein, auch Obstbäume sind darunter. Die werden Früchte tragen, Äpfel und Birnen. Und ich stelle mir Menschen vor, wie sie mit Vergnügen in einen der Äpfel beißen. Und Kinder, wie sie im Herbst in den bunten Blättern spielen. Welch eine Vorstellung: Hoffnung, die sich sehen und riechen lässt. Hoffnung, in die man hineinbeißen und die man schmecken kann. Wie bitter nötig brauchen wir solche Hoffnung! Baumhoch müsste sie sein. Und baumstark.“

Der Andrang zu diesem Gottesdienst auf dem Friedhof Wattenscheid war groß. Wegen der begrenzten Zahl der Sitzplätze in der Halle wurde er per Lautsprecher nach draußen übertragen. Musikalisch begleitet wurde er von der Cellistin Inga Rumpenhorst sowie Anita Jüntgen mit Gesang und E-Piano.

In ihrer Predigt sprach Präses Annette Kurschus die Formen, Gesten und Rituale der Trauer an. Trost brauche die gemeinsame Feier, das gemeinsame Gebet, das gemeinsame Gedenken. All dies war während der Zeit des Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen nicht möglich. Mit der Baumpflanzaktion soll nun an die Verstorbenen erinnert werden. „Heute pflanzen wir Bäume der Hoffnung. Sie wurzeln im Kummer dieser Tage, ihre Wurzeln sind getränkt mit den Tränen unserer Fragen und Unsicherheiten, unserer Angst und Trauer. Die Bäume werden wachsen und auch künftige Generationen daran erinnern, was wir im Augenblick durchmachen. Sie geben unseren Toten ein sichtbares, hoffnungsvolles Gedenken.“

Auf vielen Evangelischen Friedhöfen in Westfalen begann am Ewigkeitssonntag solch eine Pflanzaktion.

Ein Gedenkwald in Bochum-Linden

Im Kirchenkreis Bochum erhielt unter anderem die Kirchengemeinde Querenburg einen Baum der Evangelischen Kirche von Westfalen. Insgesamt pflanzten sie zum Ewigkeitssonntag vier Bäume auf ihren beiden Friedhöfen: Auf dem Alten Friedhof Ümmingen wächst nun ein Amberbaum. Zwei Winterlinden zur Ergänzung der Lindenallee und ein Apfelbaum im Garten der Erinnerung bereichern den Friedhof an der Schattbachstraße. „Im Frühjahr wollen wir zudem noch eine Bank aufstellen, sodass es dann auch möglich ist, in Ruhe in der Sonne zu sitzen und die Blüte der Bäume zu genießen“, erklärte Friedhofskirchmeisterin Ulrike Frielinghaus.

Die Kirchengemeinde Linden möchte mit einem kleinen Gedenkwald einen Erinnerungsort schaffen – besonders auch für Menschen in Linden, deren Angehörige an anderen Orten bestattet wurden. Eine Familie, auf die das zutrifft, spendete dafür eine Linde. Sie wurde am Ewigkeitssonntag gepflanzt, zwei weitere Linden und zwei Trauerbuchen sollen noch folgen.

Die Pflanzaktion

Mit diesen Bäumen – alte Obstsorten und klimaresistente Laubgehölze – gedenkt die Evangelische Kirche von Westfalen der Opfer der Corona-Pandemie. Nun sollen die Bäume wachsen, grünen und blühen und so die Erinnerung an die Pandemiezeit lebendig halten.

Die Landeskirche unterstützt die Pflanzaktion, indem sie den ersten zehn Evangelischen Friedhöfen, die sich daran beteiligen, den jeweils ersten Baum kostenlos zur Verfügung stellt. In den Kirchenkreisen Gütersloh, Bochum und Steinfurt-Coesfeld-Borken wurden je zwei der Bäume gepflanzt, sowie je einer in den Kirchenkreisen Lübbecke, Schwelm, Tecklenburg sowie Gelsenkirchen und Wattenscheid.

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