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Online-Studie zeigt die Bedeutung des persönlichen Glaubens – Kirchensteuer zweitrangig

Warum Menschen in der Kirche bleiben und warum nicht

MedienInfo 76/2019
 

Warum treten Menschen aus der Kirche aus? Und was hält Menschen in ihrer Kirche? Um diese Fragen ging es in einer Online-Studie, die im Auftrag der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) durchgeführt wurde. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Demnach finden die meisten Befragten, dass ihre Kirche ein gutes Image hat und zum Zusammenhalt der Gesellschaft beiträgt. „Weil mir der christliche Glaube etwas bedeutet“, antworten ebenfalls viele auf die Frage, warum sie in der Kirche sind. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass „Kirchengebäude im Dorf- bzw. Stadtbild nicht verschwinden dürfen“. Sehr groß ist die Zustimmung zu kirchlichen Feiern wie Konfirmation oder Trauung: Fast drei Viertel geben an, der Gesellschaft würde ohne diese Feiern etwas Wichtiges fehlen. Zwei Drittel der Befragten erklärten, sich – unterschiedlich stark - in der Kirche zu engagieren. Nur ganz wenige sind dagegen in der Kirche, „weil sich das so gehört“.

Das häufigste Motiv für einen Austritt aus der Kirche ist die Ansicht, dass die Kirche nicht mehr das lebt, „was Jesus eigentlich wollte“. Dem entspricht die Meinung, man sei auch ohne Kirche religiös. Die Kirchensteuer steht als Austrittsgrund dagegen nicht an erster Stelle. Dazu passen Aussagen über die persönliche Spiritualität: 40 Prozent der Befragten geben an, mindestens einmal täglich zu beten, immerhin noch 27 Prozent mindestens einmal pro Woche, nur sieben Prozent beten nie.

An der Online-Befragung im Jahr 2018 nahmen 1508 Personen teil. Ausgewertet wurde diese aussagekräftige Stichprobe vom Institut empirica für Jugend, Kultur und Religion von der CVJM-Hochschule Kassel und vom Religionspädagogischen Institut der Universität Siegen. Dr. Tobias Faix (Kassel) und sein Siegener Kollege Dr. Ulrich Riegel konnten dabei auf Erfahrungen im Bistum Essen zurückgreifen, wo sie eine ähnliche Umfrage zuvor durchgeführt hatten.
„Insgesamt lässt sich feststellen, dass viele der befragten westfälischen Mitglieder einen persönlichen Bezug zum Glauben haben“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Auswertung. „Ihr Glaube trägt jedoch nicht mehr zwangsläufig dazu bei, dass ihre Bindung zur Kirche bestehen bleibt oder gar steigt.“ Ein Austritt aus der Kirche sei nur der letzte Schritt eines längeren Prozesses.

Die westfälische Kirchenleitung hat die Ergebnisse der Studie zur Kenntnis genommen und prüft nun, welche Konsequenzen sich daraus ziehen lassen.

 

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