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Altenheimseelsorge: Erstmals Singen für Menschen mit und ohne Demenz

„Lieder verwandeln das Herz“

Dass die 91-Jährige Hedwig Hillmoth gerne singt, hört und sieht man ihr an. Genauso wie den anderen rund 300 Menschen mit und ohne Demenz, die sich am 21. Mai in der Münsteraner Überwasserkirche trafen, um erstmals auf eine musikalische Kirchenlieder-Reise zu gehen. Die „Hits“ aus dem Gotteslob und dem Evangelischen Gesangbuch, wie „Großer Gott, wir loben dich“ oder „Nun danket alle Gott“, haben die meist älteren Teilnehmer in ihrer Kindheit gelernt – und nie vergessen.

Hedwig Hillmoth, die im Rollstuhl sitzt, ist mit ihrer Tochter gekommen. Beide finden das gemeinsame Angebot vom Bistum Münster, der Evangelischen Kirche von Westfalen sowie weiteren Kooperationspartnern prima. Im Seniorenstift, sagt die 91-Jährige, werde zwar auch gesungen. Doch in der Kirche sei es noch mal etwas Besonderes.

„Wichtige Momente des Lebens“

„Wenn im Alter viele Erinnerungen immer mehr verblassen, verbinden wir doch mit den Kirchenliedern wichtige Momente unseres Lebens: die Erstkommunion oder Konfirmation, die Osternacht oder die kirchliche Hochzeit“, erläutert Angelika Giseke vom Referat Seniorenseelsorge im Bistum Münster: „Und genau diese schönen Momente wollen wir wachrufen.“ Was auch hörbar funktioniert. Der Kirchenraum ist voller Musik.

„Wunderbar“, sagt Pfarrerin Helga Wemhöner von der Evangelischen Kirche in Westfalen und freut sich, dass sich mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Münster und der Umgebung auf den Weg gemacht haben. Manche trotz Rollstuhl und Rollator sogar mit dem Bus, wie Michaela Krude vom Sozialen Dienst der Diakonie berichtet. Sie und ihre Kolleginnen begleiten Bewohnerinnen und Bewohner des Martin-Luther-Hauses.
 In einer Kirche, finden auch sie, klingen die Lieder doch noch mal anders als in der hauseigenen Kapelle. Die Akustik, die Atmosphäre – das beeindruckt die Senioren aus dem Martin-Luther-Haus. Die meisten sind früher, als sie noch mobil waren, regelmäßig zum Gottesdienst in die Kirche gegangen.

Weihbischof Dr. Stefan Zekorn freut sich über die volle Überwasserkirche. Und er verspricht: „Wir wollen Lieder singen, die zu Herzen gehen und die aus dem Herzen kommen.“ Lieder, findet der Weihbischof, können das Herz verwandeln. Wenn er traurig sei oder sich über etwas ärgere, singe er oft leise ein Lied: „Dann legt sich die Traurigkeit, und der Ärger verschwindet.“

Lieder verwandeln

Das gemeinsame Singen in der Überwasserkirche unterstützt an diesem Nachmittag ein eigens zusammengestellter Projektchor unter der Leitung  des  Musikgeragogen  Prof. Dr. Hans Hermann Wickel. Hans Josef Klaus von den Alexianern, ebenfalls Musikgeragoge, erklärt kurz die Entstehung und den Inhalt jedes Liedes. Dann stimmt der Kantor der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser, Andreas Wickel, an „mach Schirm und Schild für uns daraus...“. Damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischendrin auch mal durchatmen können, haben die Musiker Orgelimprovisationen und Stücke nur für den Chor ins Programm eingebaut. Die Besucher genießen das Zuhören, manche summen mit.

Nach einer Stunde, in der alle bekannten Kirchenhits nacheinander angestimmt wurden, geht es für die, die mögen, noch weiter. Weihbischof Dr. Stefan Zekorn und der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Münster, Ulf Schlien, segnen die Teilnehmer. Sie nehmen sich für jeden Einzelnen Zeit. Zum Abschluss des Nachmittags gibt es Gelegenheit zur Begegnung auf dem Überwasserkirchplatz.

 

 

 

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