Unsere aktuellen Nachrichten
auf einen Blick
Fachtag des Amtes für Jugendarbeit: Studie „Generation Lobpreis und die Zukunft der Kirche“ vorgestellt

Jung, engagiert und eigenwillig

Nur, wenn es gelingt, junge Menschen auf allen Ebenen zu Akteuren kirchlichen Handelns werden zu lassen, werden diese die Kirche der Zukunft bilden. Das war das Ergebnis eines Fachtags des Amtes für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen unter dem Titel „Jung, engagiert und eigenwillig – Die Zukunft der Kirche?!“ Anfang Februar in Schwerte. 

Kirche - Zukunft - Jugend: Das passe einfach alles nicht mehr zusammen, heißt es immer häufiger. Schlagworte wie Traditionsabbruch, Werteverlust, Säkularisierung, demographischer Wandel, Individualisierung und Privatisierung jugendlichen Glaubens suggerieren: es sieht nicht gut aus für die Institution Kirche.

Dass dieses Thema auch innerhalb der kirchlichen Jugendarbeit auf großes Interesse stößt, belegte der mit rund 180 Teilnehmenden bis auf den letzten Platz besetzte Fachtag des Amtes für Jugendarbeit in Haus Villigst. Grundlage des Tages waren die im Überblick vorgestellten Forschungsergebnisse der neuen Studie „Generation Lobpreis und die Zukunft der Kirche“, die das Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen beim Institut empirica in Auftrag gegeben hatte.

Studie: Hochreligiös und eigenwillig

Die empirische Studie untersuchte, wie 16- bis 29-jährige Christinnen und Christen ihren Glauben leben, was für ein Bild diese Generation von Kirche hat, wofür sie sich engagiert und woran genau sie glaubt. Prof. Dr. Tobias Faix und Prof. Dr. Tobias Künkler vom Forschungsinstitut empirica zeichneten den Teilnehmenden ein lebendiges Bild von jungen Menschen, denen Lobpreismusik (Worship) und das persönliche Gebet ihren Angaben nach die größten Quellen des Glaubens sind. „80% dieser Jugendlichen beschreiben, dass sie den Glauben in ihrem Alltag als Hilfe erleben“, so Faix. Mehr als die Hälfte bete mehrmals täglich. Eine Gruppe, wie die Forschung sie nennt, „Hochreligiöser“, relativ unbeachtet aber von immerhin 20% aller Jugendlichen.

Die Zukunft der Kirche ist damit noch nicht gesichert. Denn gerade diese Gruppe junger Menschen hat ihre ganz eigenen Vorstellungen, wie sie Kirche erleben wollen. Nämlich eigentlich nur, wenn sie sie mitgestalten können, wenn sie mit ihren Ideen und Vorstellungen vorkommen und ernst genommen werden. Sie möchten Gott nicht doziert bekommen, sondern erleben und sie wünschen sich Vorbilder, die ihnen auf Augenhöhe Orientierung bieten können. Das Eigenwillige dabei: wenn die traditionelle Gemeinde ihnen diese Möglichkeit nicht bietet, dann machen sie es eben ohne sie.

Mehr als eine Spielwiese

„Es reicht nicht mehr aus, jungen Menschen innerhalb der Kirche Projekte im Sinne einer Spielwiese zu ermöglichen“, so Faix. Die Zukunftsfähigkeit der Kirche hänge davon ab, nicht ob, sondern wie schnell es Kirche gelingt, konsequent auf allen Ebenen neue partizipative Wege zu beschreiten. Jugendarbeit sei dabei schon immer Vorreiter gewesen.
 
Die hohen Potentiale der Jugendarbeit verdeutlichte auch Dr. Julia von der Gathen-Huy vom Deutschen Jugendinstitut und der TU Dortmund. Ihre Forschungsergebnisse assistieren der Jugendarbeit insgesamt eine hohe Relevanz für die Felder Bildung, Vergemeinschaftung, Verantwortungsübernahme und Integration.
 
Bereits 2006 hat die Untersuchung „Realität und Reichweite“ beschrieben, dass echte Partizipation die Basis für Identifikation mit Kirche ist. „Seit über 20 Jahren wird Jugendarbeit nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen und gelebte Partizipation bei Kirche einzufordern. Und zwar so, wie Jugendliche es brauchen und nicht, wie es Kirche am besten passt. Mir scheint die Zeit nun mehr als reif“, kommentierte Landesjugendpfarrer Udo Bußmann die Ergebnisse des Tages.

Zurück