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auf einen Blick
Entschädigung behinderter Heimkinder startet zum Jahreswechsel

Zwei Anlaufstellen in NRW geplant

Behinderte, die unter gewaltsamen Erziehungsmethoden in Heimen gelitten haben, werden ab dem kommenden Jahr entschädigt. Bund, Länder und Kirchen unterschrieben am vergangenen Donnerstag am Rande der Sozialministerkonferenz in Lübeck die Verwaltungsvereinbarung zur Errichtung der Stiftung »Anerkennung und Hilfe«.

Betroffene sollen eine einmalige pauschale Entschädigung in Höhe von 9.000 Euro erhalten. Zudem ist eine einmalige Rentenersatzleistung von bis zu 5.000 Euro möglich. NRW-Sozialminister Rainer Schmeltzer (SPD) betonte, mit der Vereinbarung werde Gerechtigkeit hergestellt für Menschen, die als Kinder und Jugendliche Opfer von Gewalt und Missbrauch geworden seien.

Die Hilfen richten sich an Menschen, die als Kinder und Jugendliche von 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik oder bis 1990 in der DDR in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder der Psychiatrie untergebracht waren. Sie litten oftmals unter gewaltsamen Erziehungsmethoden. Für ihre Anträge sollen in den Bundesländern Anlauf- und Beratungsstellen eingerichtet werden. Bis Ende 2019 können sich Betroffene melden. Die Stiftung hat eine fünfjährige Laufzeit.

Für die Entschädigungen hatten Behindertenvertretungen lange gekämpft. Bereits seit längerem gibt es Fonds für Opfer der Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik und der DDR. Behinderte Heimkinder gingen bislang leer aus.

Die Stiftung »Anerkennung und Hilfe« soll am 1. Januar an den Start gehen. Bund, Länder und Kirchen zahlen zu gleichen Teilen ein. Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) unterstrich, dass sich die Stiftung neben den Entschädigungsfragen auch um eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Missstände kümmern werde.

»Mit Scham sehen evangelische Kirche und Diakonie auf die Verhältnisse und die Verantwortung auch kirchlicher Einrichtungen für die Ereignisse in dieser Zeit«, sagte die stellvertretende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Präses der westfälischen Landeskirche, Annette Kurschus, bei der Vertragsunterzeichnung.

Als Vertreter der katholischen Deutschen Bischofskonferenz äußerte auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße sein Bedauern über die früheren Missstände. Er hoffe, dass die Betroffenen durch die Anerkennung und die Hilfen ihren weiteren Lebensweg »etwas unbeschwerter und mit einem größeren inneren Frieden gehen können«.

NRW-Sozialminister Schmeltzer unterstrich, dass man sich bei der Auszahlung der Entschädigung »sehr bewusst für ein einfaches und unbürokratisches Verfahren entschieden« habe. Es reiche aus, wenn die Betroffenen nachvollziehbar darlegten, wann sie in welcher Einrichtung waren, was sie dort erlebt haben und wie sie noch heute darunter leiden. In NRW wird es zwei zentrale Anlauf- und Beratungsstellen geben - beim Landschaftsverband Rheinland in Köln und eine beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster. Die Stellen sollen Anfang Januar ihre Arbeit aufnehmen. Nach Angaben des Ministeriums gibt es in NRW rund 3.300 Betroffene. (epd)

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