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Neues Bildungszentrum in Minden informiert über Sinti und Roma

»Wir zusammen« gegen Rechtspopulismus

Zur aktiven Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus hat der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, aufgerufen. Die Demokratie müsse gegenüber nationalistischen Kräften verteidigt werden, sagte Rose am Samstag bei der Eröffnung eines Bildungszentrums des Vereins Deutscher Sinti in Minden.

Das neue Zentrum »Mer Ketne«, was »Wir zusammen« bedeutet, soll die Begegnung zwischen der deutschen Mehrheitsgesellschaft und der Minderheit der Sinti und Roma fördern. Auch die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) würdigte das Projekt zur Überwindung von Vorurteilen.

Rose begrüßte das Begegnungszentrum in Minden als Beispiel dafür, dass in immer mehr Städten Sinti und Roma auf die Kommunen zugingen und an die »oft sehr lange gemeinsame Geschichte» erinnerten. Immer noch lehnten viele Menschen Sinti und Roma als Nachbarn ab oder brächten sie mit Kriminalität in Verbindung, beklagte Rose. Solche Vorurteile träfen neben Sinti und Roma auch Muslime und Juden.

Das Zentrum »Mer Ketne« will unter Leitung von Oswald Marschall vom Verein Deutscher Sinti unter anderem Ausstellungen, Bildungs- und Sportangebote sowie Hausaufgabenhilfe für Schüler anbieten. »Vorurteile kann man nur abschaffen, in dem man Dialoge führt«, sagte Marschall. Das Zentrum solle das Selbstbewusstsein von Sinti und Roma stärken, die Mehrheitsgesellschaft für ihre Anliegen sensibilisieren und zu gemeinsamen Aktivitäten einladen. Auch eine Dauerausstellung zum Völkermord an den Sinti und Roma während des Nationalsozialismus ist dort zu sehen.

Die hierzulande lebenden Sinti und Roma seien in erster Linie deutsch, betonte Rose. Eine eigene kulturelle Identität stehe nicht im Gegensatz zu nationaler Identität. Deutschland müsse ein demokratischer Rechtsstaat bleiben, der Minderheiten Respekt entgegen bringe, appellierte der Zentralrats-Vorsitzende. »Auf das Grundgesetz können wir stolz sein«, sagte Rose. Nun gelte es, 70 Jahre Frieden, Wohlstand und Sicherheit »vor den Nationalisten zu verteidigen«.

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann erklärte, um Vorurteile zu überwinden, brauche es Räume der Begegnung und des Miteinanders sowie Räume des Lernens und Kennenlernens. Die Eröffnung des Bildungszentrums sei ein wichtiger Beitrag und ein deutliches Zeichen auf diesem Weg. Zugleich hob sie den Stellenwert der Bildung hervor. Bildung sei der Schlüssel für eine gelingende Integration.

Der Theologische Vizepräsident der Evangelischen Kirche von Westfalen, Albert Henz, würdigte, dass das Zentrum »Mer Ketne« für Aufklärung, Begegnung und Aktionen stehe. Das Projekt mache Mut, sich miteinander zu verbinden im Einsatz für die, die heute unter Ausgrenzung und Anfeindung litten, wie beispielsweise Flüchtlinge, »damit nicht wieder aus bösen Worten böse Taten werden«. Es gehe darum, die Gemeinschaft zu stärken und sich den geistigen Brandstiftern entgegen zu stellen, »die mit ihren populistischen Reden unser gemeinsames Haus anzünden und die Grundlagen unserer Demokratie gefährden«.

Durch eine Projektförderung der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« ist die Arbeit des Bildungszentrums den Angaben zufolge für zwei Jahre gesichert. Büroausstattung und Technik hat die Evangelische Kirche von Westfalen finanziert.

Die Bevölkerungsgruppe der Sinti lebt seit rund 600 Jahren im deutschsprachigen Raum, Roma sind seit dem 19. Jahrhundert hierzulande ansässig. Seit 1995 sind Sinti und Roma ebenso wie Dänen, Sorben und Friesen in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt. Neben Deutsch ist »Romanes« ihre zweite Muttersprache.(epd)

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