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auf einen Blick
Landeskirchenbaudirektor Reinhard Miermeister geht in den Ruhestand

»Verkündigung ohne Worte«

Knapp 6.000 Gebäude, mehr als 1.000 Gottesdienststätten und rund 600 Baudenkmäler: das ist der Nährboden für die tägliche Arbeit der Mitarbeitenden im Baureferat der Evangelischen Kirche von Westfalen. Reinhard Miermeister, seit 30 Jahren Chef der Truppe, geht Ende März in den Ruhestand.

Im Juli 1987 kam er aus Aachen, wo er an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Architektur studiert und seine ersten Arbeitsjahre verbracht hatte, nach Bielefeld und wurde Mitarbeiter des Bauamtes im Landeskirchenamt. Schon neun Monate später war er dessen Leiter.  

»Ich hab als Youngster den Chef gemacht«, sagt Miermeister heute rückblickend. Und er hat es gerne gemacht. Kaum beginnt er, von westfälischen Kirchen zu erzählen, fangen seine Augen an zu leuchten. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er als Kirchenarchitekt nicht nur die Steine sondern immer auch die spirituelle Dimension der kirchlichen Gebäude mit im Blick hat.

»Beim Bauen und Modernisieren von Gottesdienststätten geht es auch um Fragen der Liturgie«, ist sich Miermeister sicher und denkt dabei an zahlreiche spannende Gespräche mit Pfarrerinnen und Pfarrern zurück. Räume anzubieten, die den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen entgegenkommen, war das Ziel, das er in seiner Arbeit für die Landeskirche immer verfolgt hat. Es gehe nicht um »Steine statt Menschen«, sondern um »Steine für Menschen«.

»Kirchen sind Verkündigung ohne Worte«, sagt der scheidende Architekt. Sie seien das Gesicht der Kirche im Stadt- und Dorfbild und damit in der Öffentlichkeit.

Anders als vor 30 Jahren bestehe in vielen Gemeinden heute eine größere Offenheit, mit Räumen kreativer umzugehen. Menschen müssten sich mit der Architektur identifizieren, damit Räume angenommen und genutzt würden, so Miermeister. Zuerst sind Menschen für ein Projekt zu begeistern. »Das mit  der Finanzierung kriegt man dann meistens irgendwie hin.« In diesem Zusammenhang sei es erfreulich, dass Kirchengemeinden vermehrt überdurchschnittliche Architekturentwürfe anstreben und bereit sind dafür Architekten -und Künstlerwettbewerbe auszuschreiben.

Stichwort Identifikation: laut Miermeister ist die Identifikation mit kirchlichen Gebäuden unabhängig von der persönlichen Nutzung. Auch Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, identifizierten sich mit Kirchen und seien bereit, Geld zu spenden. Etwa für notwendige Instandsetzungsarbeiten, für eine neue Orgel oder künstlerische Verglasungen.

Highlights seiner Laufbahn waren neben der Beratung anspruchsvoller Neu- und Umbauten in den Kirchengemeinden u.a. die Betreuung zahlreicher Denkmalpflegemaßnahmen an wertvollen historischen Kirchen einschließlich der jahrzehntelangen Restaurierung der Wiesenkirche in Soest (»Es ist immer gelungen, sie zusammen mit der Bauhütte in Fahrt zu halten«), , der Bau der konzeptionell innovativen Evangelischen Gesamtschule in Gelsenkirchen, die Modernisierung und Erweiterung der Evangelischen Tagungsstätte »Haus Villigst« mit dem Neubau der Kapelle.

Für die Zukunft wünscht sich Reinhard Miermeister mehr offene Kirchen und Vertrauen seitens der Verantwortlichen. Selbst wenn eine Kirche nicht verlässlich geöffnet werden könne, sollte es, so Miermeister, sich organisieren lassen, an einem festgelegten Ort den Schlüssel zu erhalten.

Seine Tipps für die Zukunft (Baukirchmeister aufgepasst!): mit Geduld, Beharrlichkeit und Gelassenheit die Dinge angehen. Erst die objektive Bestandsaufnahme (Gebäudestrukturuntersuchung), dann die Diagnose, schließlich die Therapie. Bei all dem sei es wichtig, Menschen mitzunehmen und  sie von den neuen Chancen der notwendigen Reduktion zu überzeugen. So könne man gemeinsam mit engagierten Ehrenamtlichen viel erreichen. Wichtig sei es zudem, kirchliche Bauvorhaben nicht auf ein reines Immobilienproblem zu reduzieren.

Wir haben ein flächendeckendes Netz von intakten Kirchen. »Das ist eine riesengroße Chance«, sagt Reinhard Miermeister und fügt hinzu: »Das macht Mut.« Wer baut, habe Hoffnung und eine Erwartung für die Zukunft. Vielleicht ist es diese Erkenntnis, die ihn in seiner kirchlichen Arbeit durch all die Jahre getragen hat.

Neben seiner Tätigkeit im Baureferat der EKvW war Miermeister unter anderem 30 Jahre lang Mitglied der Bauamtsleiterkonferenz der EKD, davon 23 Jahre als Vorsitzender, Mitglied im Präsidium des Evangelischen Kirchbautages (23 Jahre) und hat 26 Jahre lang  mit einer Autorengruppe die Geschäftezur Erstellung des Kirchlichen Bauhandbuches der EKD zum energiesparenden und umweltschonenden Bauen geführt.

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Datum: 26.03.2018