Unsere archivierten Nachrichten
auf einen Blick
Landeskirchliches Archiv zeigt Ausstellung über Ludwig Steil im Landeskirchenamt

Trost und Zuversicht in unruhiger Zeit

BIELEFELD/WESTFALEN - Vor gut 70 Jahren, im Januar 1945, verstarb Pfarrer Ludwig Steil im Konzentrationslager Dachau. Er ist der einzige Märtyrer der Evangelischen Kirche von Westfalen im Nationalsozialismus.

Deshalb beschäftigt sich eine Wanderausstellung mit seiner Person, die vom 12. März bis zum 1. April 2015 in Bielefeld gastiert. Sie erinnert an das Leben und Wirken von Pfarrer Ludwig Steil in der westfälischen Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus.

Im so genannten Kirchenkampf engagierte sich Steil auf Seiten der Bekennenden Kirche und widersetzte sich den Einflüssen der nationalsozialistischen Ideologie. Der Theologe war seit 1929 Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Holsterhausen (Wanne-Eickel). Gegenüber den ›Deutschen Christen‹, die dem Nationalsozialismus nahe standen, trat Steil als entschiedener Gegner auf.

Mit Predigten und Vorträgen versuchte er gegen die Lehre der ‚Deutschen Christen‘ zu argumentieren und spendete als Seelsorger Trost und Zuversicht in unruhiger Zeit. Gemeinsam mit seinem Bochumer Kollegen Dr. Hans Ehrenberg formulierte Steil 1933 deshalb das ›Wort und Bekenntnis westfälischer Pastoren zur Stunde der Kirche und des Volkes‹. Es wurde - von über 100 Pfarrern unterschrieben - ein zentrales Dokument der Bekennenden Kirche im Kirchenkampf.

Schon seit 1933 stand Steil wegen seiner kritischen Äußerungen zum nationalsozialistischen Regime unter Beobachtung der Gestapo. Regelmäßig wurde er von ›Deutschen Christen‹ und NS-Vertretern angegriffen oder denunziert. Im September 1944 wurde Steil schließlich verhaftet, in Dortmund und Herne interniert und im Dezember des gleichen Jahres in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Durch Transport und Haftbedingungen schwer erkrankt verstarb Steil am 17. Januar 1945.

Die Wanderausstellung ist ein gemeinsames Projekt des Lehrstuhls für Kirchengeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen. In Jena wurde ein Teil des persönlichen Nachlasses Steils, der sich noch im Besitz der Familie befindet, von einer Studiengruppe unter der Leitung von Professor Christopher Spehr aufgearbeitet. In Bielefeld befinden sich weitere Originaldokumente, die zusätzlich in der Ausstellung zu sehen sind.

Ausstellungsort:
Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen
Altstädter Kirchplatz 5
33602 Bielefeld
Montags bis donnerstags von 7 bis 17 Uhr, freitags bis 13 Uhr
(vom 30.3.-1.4. nur bis 16 Uhr)


Zurück