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Präses Annette Kurschus zum Reformationsjubiläum

Selbstbewusste Protestanten sind gut für die Ökumene

»Fröhliche und selbstbewusste Protestanten sind gut und hilfreich für die Ökumene«, erklärte Präses Annette Kurschus zu Beginn des 500-jährigen Reformationsjubiläums.

Im Gespräch mit der Bielefelder Zeitung Neue Westfälische (Ausgabe vom 31. Oktober) sagte sie: »Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen sich ihres Glaubens neu bewusst werden – und damit den tragenden Grund ihres Lebens entdecken oder wiederentdecken.« Wer auf solche evangelische Weise »selbstbewusst« sei, könne aufrecht und offen auf Menschen anderen Glaubens und anderer Überzeugung zugehen.

Heute sei es katholischen und evangelischen Christen längst selbstverständlich, sich wieder stärker auf das Gemeinsame zu besinnen. Gerade deshalb »können und wollen wir das Trennende nicht leugnen, das schmerzlich bleibt«.

Präses Kurschus unterstrich, dass die evangelische Kirche jetzt kein Lutherjahr feiert, sondern die Reformation als Bewegung, die bis heute entscheidende Auswirkungen auf Kirche und Gesellschaft hat. Zahlreiche andere Persönlichkeiten wie etwa Johannes Calvin hätten eigene Akzente gesetzt und die Reformation hinaus in die Welt getragen.

Zu Martin Luther sagte die Präses: »Er war in mancher Hinsicht genial; zu den herausragenden Fähigkeiten gehörte seine faszinierende  Sprachbegabung. Dadurch hat er die deutsche Sprache wesentlich beeinflusst und bereichert. Er hat darüber hinaus unser modernes Denken geprägt und neues Licht auf das Verhältnis von Kirche und Gesellschaft geworfen.« Gleichzeitig dürften seine schlimmen Verirrungen, etwa die verheerenden Aussagen über »die Juden« oder »die Türken«, nicht schöngeredet werden.

Die Freiheit bleibt ein aktuelles und hoch anspruchsvolles Thema, sagte Annette Kurschus: »Frei sein von der Angst vor einem strafenden Gott; frei sein von dem Druck, sich selbst einen Wert verschaffen und dem eigenen Leben einen Sinn geben zu müssen, heißt für Martin Luther zugleich: Frei sein für die Welt und meine Mitmenschen. Anders gesagt: Befreit sein von der Sorge um sich selbst bringt Verantwortung für andere mit sich.«

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