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Präses Annette Kurschus: Höchste Motive verursachen oft tiefstes Leid

Religion kann in ihr Gegenteil verkehrt werden

WESTFALEN -  Die westfälische Präses, Annette Kurschus, hat vor dem Potenzial zur Verkehrung ins Gegenteil gewarnt, das in jeder Religion enthalten ist. Wo die Grenze zwischen Gott und Mensch nicht anerkannt werde, könne sogar Gewalt drohen im Namen eines instrumentalisierten Gottes, sagte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen am Sonntag (1.3.) in der Neustädter Marienkirche in Bielefeld.

Die Aussage, religiös begründete Verbrechen hätten mit recht verstandener Religion nichts zu tun, sei »falsch oder zumindest reichlich dünn«. Präses Kurschus bezog sich auf islamisch begründete Gewalttaten wie im Irak, in Syrien oder die Terrorangriffe in Paris. Ebenso nannte sie Beispiele für Aggression unter christlichem Vorzeichen: den Irakkrieg von Präsident George W. Bush oder den von der orthodoxen Kirche befeuerten russischen Nationalismus. »Nicht selten waren es die höchsten Motive und die ehrwürdigsten Traditionen ausgerechnet der Religionen, die tiefstes Leid verursachten.« Religion sei nicht von sich aus gut oder schlecht. »Auch unser Glaube ist es nicht. Er ist immer zwiespältig; immer ambivalent.« Davon erzähle schon die Bibel, etwa in der Geschichte von der Versuchung Jesu (Matthäus 4,1-11): »Wo Gott zum Menschen kommt, gerät der Mensch in Versuchung. Die menschliche Versuchung liegt nahe, Gott nicht Gott sein zu lassen.«

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