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Clearingstelle in Bethel entwickelt Perspektiven

Präses Annette Kurschus besucht minderjährige Flüchtlinge

BIELEFELD/BETHEL -  «Jugendliche, die als Flüchtlinge aus Krisenregionen nach Deutschland kommen, sind ein Gewinn für unsere Gesellschaft», sagte Präses Annette Kurschus jetzt bei einem Besuch in der Ortschaft Bethel. Es komme darauf an, für sie möglichst schnell eine Lebensperspektive in Deutschland zu entwickeln, betonte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sie informierte sich über die Arbeit mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen im Haus Libanon in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Hier werden bis zu 23 junge Flüchtlinge, unmittelbar nach ihrer Ankunft in Deutschland, in einer betreuten Wohngemeinschaft aufgenommen. Bethel arbeitet als «Clearingstelle» für die Jugendlichen zu rechtlichen Fragen ihres Aufenthalts, bietet unter anderem Sprachunterricht, kulturelle und Alltagsorientierung, Ausbildungsberatung und Betriebspraktika. Seit inzwischen vier Jahren betreut Bethel unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Präses Kurschus zeigte sich beeindruckt von der vielfältigen Arbeit im Haus Libanon und dem Engagement der Mitarbeitenden, die sich auch für Familienzusammenführung oder Freizeitgestaltung für die jungen Flüchtlinge einsetzen. «Sie haben eine bemerkenswerte Haltung, wenn sie sagen, wir müssen uns hier sofort und ohne Vorbehalte um die jungen Leute kümmern, sie sollen eine Willkommenskultur erfahren, nachdem was sie bisher durchgemacht haben», lobte die Präses. Im Gespräch mit mehreren Jugendlichen nahm sie Anteil an deren teilweise dramatischen Lebenswegen. Etwa drei Viertel der jugendlichen Flüchtlinge kommen mit posttraumatischen Belastungsstörungen nach Deutschland und brauchen therapeutische Behandlung. Allerdings stehen dafür zu wenige Möglichkeiten in der ambulanten Psychiatrie zur Verfügung, berichtete Libanon-Teamsprecherin Vanessa Dobler. Hilfreich für die weitere Integration der jungen Flüchtlinge wären nach ihrer Einschätzung auch mehr ehrenamtliche Flüchtlingspaten, die die jungen Leute bei der Alltagsbewältigung unterstützen könnten.

Vanessa Dobler benannte ebenso die Wohnungssuche für die jungen Flüchtlinge im Anschluss an die Clearing-Phase als großes Problem: «Es fehlt Wohnraum für sie, denn der Aufenthalt in der Clearingstelle ist zeitlich begrenzt.» Lehrerin Dorothee Wrobel, die im Haus Libanon unterrichtet, betonte gegenüber der Präses die Bedeutung von Sprachunterricht und schulischer Bildung für die Integration der jungen Flüchtlinge.Für Kirche und Diakonie sei das Engagement für die nach Deutschland kommenden Flüchtlinge ein gemeinsames und ureigenes Anliegen, unterstrichen Präses Annette Kurschus und Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl am Ende des Besuchs im Haus Libanon.

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