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auf einen Blick
4. Dortmunder Frauenmahl brachte gesellschaftliche Frauenbilder zur Sprache

»Pinke Mädchen – weise Greisin!«

140 Frauen haben am 4. Dortmunder Frauenmahl in der St. Petri Kirche teilgenommen. Dabei standen Tischreden zum Thema »Pinke Mädchen – weise Greisin« im Mittelpunkt, die über gesellschaftliche Frauenbilder im Laufe des Lebens informierten. Daneben gab es ein türkisch-vegetarisches Buffet, das von einer muslimischen Dortmunder Frauengruppe vorbereitet worden war.

Dass der Altar in der St. Petri Kirche ein Altar der Frauengeschichte ist, wurde den Teilnehmerinnen bereits in der ersten Tischrede klar. Darin erklärte Pfarrerin Barbara von Bremen die in dem Altar dargestellte Ahninnenfolge Jesu. Drei Frauen treten darin besonders in Erscheinung: Emerentia, der Urgroßmutter Jesu, Anna, die Großmutter Jesu und Maria, Jesu Mutter. Fast 500 Jahre ist der Altar alt und zeigt in verschiedenen Bildern die Geburtsgeschichten der biblischen Vorfahrinnen.

Pink ist mehr als eine Farbe

Kerstin Schachtsiek, Diakonin und Referentin für Mädchen- und Genderarbeit der Fachstelle FUMA Gender NRW, betonte in Ihrer Rede: »Pink ist mehr als eine Farbe!« Sie kritisierte die Pinkifizierung von Mädchenspielzeug durch die Industrie, die extra für die junge weibliche Zielgruppe pink gestaltete Produkte auf den Markt bringe und damit auch einengende Bilder von Weiblichkeit vermittele. Zugleich erinnerte sie daran, dass die Farbe Pink noch eine sehr junge Farbe sei, die erst in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand und etwa durch junge Punkfrauen durchaus positiv und kraftvoll besetzt sei.

Eine ganze Nation mit einer Rede überzeugt

Die Wuppertaler Sozialökonomin Dr. Martina Mronga beschäftigt sich wissenschaftlich mit Frauenrollenbildern im Management. Zudem coacht sie Frauen in Führungspositionen und gibt ihnen wertvolle Tipps zum Selbstmarketing. In ihrer Rede nahm sie Bezug auf die berühmte Elisabeth von Tudor, die als Elisabeth I. eine Nation mit ihrer Rede überzeugte.

Nicht nur auf die Enkel aufpassen

Dr. Gisela Notz zeigte schließlich besondere Frauenbilder im Alter auf. »Alte Frauen wollen mehr als nur auf die Enkel aufpassen!«, lautete ihr Statement. So berichtete sie von Frauen, die 2014 eine Freizeitstätte in Berlin besetzt und sich für den Erhalt der Einrichtung politisch eingesetzt hätten. Sie zeigte Frauen im Alter, die selbstbewusst und sehr politisch engagiert aus der Rolle fallen und machte den Teilnehmerinnen Mut, auch im Rentenalter politisch aktiv zu bleiben oder noch zu werden.

Musikalisch umrahmt wurden die Frauenmahl-Reden von der Klangkünstlerin Susanne Strobel, die mit exotischen Percussion-Instrumenten die Vielfalt der Bilder klangvoll umsetzte. Wer über die Thesen und Impulse der Rednerinnen noch weiter diskutieren wollte, konnte das bei der weiterführenden Tagung am Samstag im Mütterzentrum Dortmund e.V. tun. Dort kamen die Rednerinnen mit den teilnehmenden Frauen intensiver ins Gespräch.

Breites Frauenbündnis hat das Mahl vorbereitet

Vorbereitet wurden das Frauenmahl und die Tagung von einem breiten Frauenbündnis der Evangelischen Kirche von Westfalen, bestehend aus der Evangelischen Frauenhilfe, dem Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung, der Evangelischen Akademie Villigst, dem Frauenreferat der EKvW und der Stadtkiche St. Petri Dortmund sowie der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Dortmund.

»Seit 2011 finden Frauenmahle in der ganzen Bundesrepublik statt!«, erklärte Nicole Richter, vom Frauenreferat der Evangelischen Kirche von Westfalen, die Entstehungsgeschichte des besonderen Veranstaltungsformates. Sie erinnern an die Tischreden Martin Luthers, der die Tradition des gemeinsamen Essens und des Gedankenaustauschs anregte. Die nächsten Frauenmahle in Westfalen finden am 7. März in Sendenhorst (bereits ausverkauft) und am 17. April in Letmathe statt.

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