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Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht in NRW startet

Ökumene im Klassenzimmer

In NRW startet zum kommenden Schuljahr der »konfessionell-kooperative Religionsunterricht«. Evangelische und katholische Schüler können gemeinsam unterrichtet werden. 180 Schulen wollen mitmachen.

Im vergangenen Jahr hatten die Kirchen in Nordrhein-Westfalen mehr Zusammenarbeit beim Religionsunterricht vereinbart, nach den Sommerferien soll es jetzt losgehen: Rund 180 der über 5.200 allgemeinbildenden Schulen wollen zum neuen Schuljahr den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht einführen. Das ergab eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei den fünf Bezirksregierungen in NRW, die die Anträge der Schulen bearbeiten.

Die Vereinbarungen über die Einführung des konfessionsübergreifenden Religionsunterrichtes hatten mit Ausnahme von Köln alle katholischen Bistümer und die drei evangelischen Landeskirchen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes unterzeichnet. Mit der Kooperation, die vom Schulministerium begrüßt wurde, wollen die Kirchen einer veränderten Schullandschaft Rechnung tragen. Die Zahl christlicher Kinder ist rückläufig, immer seltener gibt es Religionsunterricht, den nur Schüler einer Konfession besuchen.

Vorgesehen ist, dass evangelische und katholische Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Dabei sollen sich Religionslehrer beider Konfessionen in einem vorher festgelegten Zeitraum abwechseln. Themen seien in dem einen wie dem anderen Religionsunterricht auch bislang schon überwiegend deckungsgleich, sagte Ursula Deggerich, Schulreferentin des Bistums Essen, dem epd.

Das Motto des übergreifenden Unterrichts laute: »Gemeinsamkeiten stärken - Unterschieden gerecht werden«, erklärte Andreas Mattke, Landespfarrer für Kirche und Schule der Lippischen Landeskirche. Kämen Inhalte zur Sprache, bei denen Unterschiede deutlich werden, sollte jeweils der Lehrer mit der passenden Konfession den Aspekt aufgreifen: »Es bietet sich beispielsweise an, dass ein evangelischer Religionslehrer sich mit der Person Luther befasst und ein katholischer Kollege das Thema Heilige aufgreift.«

Schulen, die mitmachen wollen, müssen eigene Lehrpläne entwickeln und vorlegen. Sie erhalten Beratung und fachliche Unterstützung durch Fachleute der Landeskirchen und Bistümer. Jens Peter Iven, Pressesprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, wies auf die Hilfen des Pädagogisch-Theologischen Instituts und der regionalen Schulreferenten hin.

Im Laufe des Monats Mai wollen nun die Bezirksregierungen und die zuständigen kirchlichen Stellen über die Anträge entscheiden. Für die Evangelische Landeskirche von Westfalen lautet dabei die Prüfperspektive nach Worten ihres Bildungsdezernenten Fred Sobiech vor allem: »Ermöglichen, nicht verhindern.«

Beide Kirchen rechnen in den kommenden Jahren mit weiteren Schulen, die den konfessionsübergreifenden Religionsunterricht einführen wollen. (epd)

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