Unsere archivierten Nachrichten
auf einen Blick
Das 25. Forum Kirche und Kultur zu Gast in der Christuskirche Bochum

Öffentliche Theologie - Öffentlicher Raum

Ein kleines Jubiläum: Schon zum 25. Mal fand das »Forum Kirche und Kultur« in der Evangelischen Kirche von Westfalen statt, um gelungene Projekte in der Verbindung von Kultur und Kirche vor Ort wahrzunehmen. In diesem Jahr war das Forum zu Gast bei Pfarrer Thomas Wessel an der Christuskirche Bochum, die sich als »Kirche der Kulturen« versteht.

Gemeinsam mit dem Künstler Jochen Gerz verfolgte er über Jahre das Projekt »Platz des europäischen Versprechens« - der Platz ist aus 14.726 Namen gebaut, es sind die Namen von Menschen, die Europa ein persönliches Versprechen gegeben haben. Im vergangenen Dezember wurde der Platz endlich eröffnet. Dies war Anlass und gute Gelegenheit, über das Verhältnis von Kirche und öffentlichem Raum und dem Wechselspiel zwischen Öffentlichkeit und Kultur zu sprechen.

Evangelische Kirchen, so Wessel, seien vielerorts »die letzten öffentlichen Räume, wir sind quasi konkurrenzlos geworden«. Sie seien darüber hinaus »Bedeutungsräume«, in denen sich die Erfahrungen von Generationen speicherten, »die guten wie die bösen«. Vor allem aber seien sie »Vorstellungsräume«, ein Ort, der dazu einlade, nicht nur zurück, sondern nach vorne zu denken: Evangelische Kirchen seien »öffentliche Räume der Vorstellungskraft, des Begehrens«. Wessel zitierte den britischen Poptheoretiker Simon Frith, der Popkultur als eine »imaginierte Form des Begehrens« bezeichnet hatte, und übersetzte dies so: Pop sei eine »imaginierte Form der Nächstenliebe«.

Die Rolle von Hoch- und Popkultur

»Was heißt das für unsere Gottesdienste, für die bauliche Gestaltung unserer Kirchen, für unser Gemeindeverständnis?« So die Eingangsfrage von LKR Dr. Vicco von Bülow, dem Kulturdezernenten der EKvW. »Welche Rolle kann die Kultur - die sogenannte Hoch-, ebenso die Popkultur - dabei spielen?« Darüber diskutierten die fast 40 Teilnehmer des Forums, alle in der evangelischen Kulturarbeit engagiert und erfahren darin, Kultur nicht nur auf die Bühne, sondern die Bühne in den Altarraum zu bringen.

Den Umgang mit Räumen, ihren tatsächlichen und imaginierten Bedeutungen, erforschten die Teilnehmer des Forums sowohl am Beispiel der evangelischen Christuskirche als auch in der ehemals katholischen, dann an die Stadt Bochum verkauften »Marienkirche«: Dieses als Landmarke bedeutsame Gebäude wird derzeit mit hohem Aufwand zum Foyer eines neuen Konzerthauses umgebaut. Die Fragen, die sich dadurch stellen, sind von Gewicht:

Haftet die »sakrale Atmosphäre«, die nicht wenige Forumsteilnehmer diesem kirchlich entwidmeten Raum weiterhin abspürten, weiterhin den Steinen an? Löst sie sich ab von dem, was Menschen in dem Raum tun und wie sie es tun? Und wenn, wird dann eine Kirche, die nur noch als Durchgangsraum für »Hochkultur« dient, nicht zu einem »folkloristischen Zitat«, wie ein Forumsteilnehmer es pointiert formulierte? Oder, das die andere, ebenso pointiert vorgetragene Position: Ist der Raum nicht weiterhin, was er vorher war: eine Einladung und eine Ermöglichung, sich in ihm zu verständigen, das Leben zu feiern und Gott nahe zu sein?

Ein Podium zum Abschluss des Tages suchte Antworten aus verschiedenen Perspektiven:
Dr. Ellen Strathmann-von Soosten, Pfarrerin der Kirchengemeinde Bochum-Wiemelhausen, freute sich auf das neue Konzerthaus nebenan mit der Kirche als Foyer. Letztlich werde niemand verwechseln können, welches Gebäude welche Funktion habe und in welcher Trägerschaft stehe: »Zu uns kommen die Menschen aus unterschiedlichen Motiven mit unterschiedlichen Erwartungen und aus unterschiedlichen Milieus«, das sei der prägende Stil, er mache Kirche lebendig.

Ernst-Otto Stüber, Alt-OB der Stadt Bochum und Vorsitzender des Kuratoriums Christuskirche, plädierte für einen pragmatischen Zugang vom örtlichen Kontext aus: Es könne keine Generallinie geben dafür, wie und von wem Kultur in Kirchen inszeniert werde.

Kirchen sind »starke Räume«

Dr. Christiane Hoffmans, Kulturredakteurin der WELT, lobte den Platz des europäischen Versprechens aus der Christuskirche heraus in den öffentlichen Raum hinein: Er sei ein großartiges Beispiel dafür, wie eine neue Form von Öffentlichkeit entstehen könne - »zugänglich und komplex zugleich.«
Honke Rambow, als Kulturjournalist vor allem mit der subkulturellen Szene des Ruhrgebiets vertraut, rechnete den Kirchen aus seiner »eher distanzierten Sicht« einen großen Vorteil an: Kirchen seien »starke Räume«, sie durch Musik oder andere Kunstgenren zu entwürdigen, sei »eigentlich kaum möglich«.

Andreas Bentler, Leiter des Stadtmarketings Bochum, betonte die Funktion von Kirchen im sozialräumlichen Kontext: Sie seien »qualitativ hochwertige Räume«, als Stadt- und Stadtteilkirchen könne sich in ihnen ein Gemeinwesen nicht länger nur symbolisch, sondern tatsächlich verdichten.
Dies war auch der Eindruck, mit dem die Forumsteilnehmer wieder nach Hause fuhren: Kirche und Kultur können einander bereichern und sich wechselseitig stärken. Die Christuskirche in Bochum war nicht nur eine gute Gastgeberin, sondern auch ein lebendiges Beispiel für einen öffentlichen Raum in diesem Sinne.

Zurück