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auf einen Blick
Hansjörg Federmann ist der erste hauptamtliche Fundraiser der westfälischen Landeskirche

Nicht Jagen und Sammeln, sondern Säen und Ernten

Als erster hauptamtlicher Fundraiser der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) arbeitet Pfarrer Hansjörg Federmann (50) seit September im Bielefelder Landeskirchenamt. Seine Aufgaben, seine Erfahrungen, seine Ziele.

Fundraising ist für ihn viel mehr, als die Übersetzung des englischen Wortes – »Beschaffung von (Geld-)Mitteln« – ausdrückt. »Es geht darum, die Freude am Geben zu wecken, die in jedem Menschen angelegt ist«, beschreibt der Theologe das Ziel. Denn davon ist er überzeugt: »Geben, damit etwas Gutes geschieht – das ist ein tief verwurzeltes Bedürfnis vieler Menschen. Da geschieht etwas Elementares: Es entsteht eine Beziehung zwischen Geber und Empfänger.« Beispiel: Ein Gemeindehaus braucht eine neue Küche. Das Projekt wird aus Spenden finanziert. Anschließend veranstaltet die Gemeinde einen Kochwettbewerb. Die Spender werden persönlich eingeladen, sie treffen andere, essen miteinander: ein Gemeinschaftserlebnis. Die Begegnung wirkt weiter.

»Wer Fundraising betreibt, will, dass eine Geschichte entsteht«, sagt Hansjörg Federmann. Das ist für ihn der Unterschied zu kurzfristigen Spendenaufrufen. Und er achtet darauf, wodurch Spenderkontakte geknüpft werden: vom Spender her denken! Dem möglichen Geber muss bewusst werden: Hier entsteht etwas, das für ihn wertvoll ist. Das kann der umgebaute Kindergarten sein, die renovierte Orgel oder der fantasievoll gestaltete Jugendraum im Gemeindehaus. »Immer muss ich vorher überlegen: Wen spreche ich auf welche Weise an?« Einmal entstandene Kontakte sind wertvoll und bedürfen guter Pflege – so tragen Spenderbeziehungen auf lange Sicht. »Fundraising ist eben nicht Jagen und Sammeln, sondern Aussäen und Ernten.« Die Bedeutung des Fundraisings für die Kirche wird in Zukunft wachsen, ist sich Federmann sicher.

Um Spenderkontakte zu knüpfen und zu pflegen, hält das Fundraising vielfältige Instrumente bereit. Pfarrer Federmann verknüpft sie zu einem Gesamtkonzept für die Evangelische Kirche von Westfalen. Dabei kann er auf ein Fundraisingteam im Landeskirchenamt und die regionalen Fundraiser bauen, die in 23 von 28 Kirchenkreisen tätig sind. »Diese seit 2005 systematisch ausgebildeten Fachleute sind unser Rückgrat für die Arbeit vor Ort.« Gemeinsam mit ihnen will er mehr Fundraising-Kompetenz in die Kirchengemeinden bringen, denn: »Wir haben ein erhebliches Potenzial, das wir bisher nur zum kleinen Teil ausschöpfen«. Doch auch auf Ebene der Landeskirche lassen sich Fundraising-Themen voranbringen: Wie kann man Fördervereine fördern? Wie kann man kirchliche Stiftungen aufbauen? Und, besonders sensibel: Wie geht man mit Testamenten um? Denn viele Menschen wollen ihr Vermögen gerne für einen kirchlich-diakonischen Zweck vererben, wissen aber oft nicht genau, wofür und wie das geht.

Hansjörg Federmann hat nicht nur Theologie, sondern auch Psychologie studiert. Seine Qualifikation als Fundraiser erwarb er an der Fundraising Akademie Frankfurt. 15 Jahre war er Gemeindepfarrer, zunächst in dem Dorf Amelunxen bei Höxter, später in Hattingen/Ruhr, wo er ab 2009 auch die Verantwortung für das Fundraising im Kirchenkreis Hattingen-Witten übernahm. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder. (PM 07/2017)

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