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auf einen Blick
Professorin Dr. Muna Tatari sprach beim Neujahrsempfang des Kirchenkreises Paderborn über »Islamische Reformen und christliche Reformation«

Martin Luther als zeitlose Inspiration auch für Muslime

Martin Luther »ist innerprotestantisch eine Figur, mit der bis heute gerungen wird« und sei auch für Muslime eine »zeitlose Inspiration«. Beim Neujahrsempfang des Kirchenkreises Paderborn brachte Professorin Dr. Muna Tatari, Junior-Professorin für Islamische Theologie und Leiterin des Seminars für Islamische Theologie an der Universität Paderborn, spannende islamisch-theologische Perspektiven in das Reformationsjubiläum ein.

»Die gewachsene Beziehung und Kommunikation zwischen Ihnen und dem Evangelischen Kirchenkreis Paderborn braucht sich nicht zu verstecken«, begrüßte Superintendent Volker Neuhoff 170 Gäste aus den Bereichen Ökumene, Politik, Soziales und Wirtschaft zum Neujahrsempfang im Paderborner Paul-Gerhardt-Haus. Im Mittelpunkt stand das diesjährige Jubiläum »500 Jahre Reformation« unter dem Slogan »Einfach frei«. Der Vortrag der Festrednerin Professorin Dr. Tatari hatte das Thema »Islamische Reformen und christliche Reformation«.

Luthers aufrichtiger Suche, seiner Gottessehnsucht und seinem Mut für seine Überzeugungen einzustehen brachte sie Respekt entgegen. In ihrem Vortrag bezeichnete Muna Tatari die anhand der Rechtfertigungslehre gewonnenen »fünf sola Luthers« (allein Christus, allein aus der Gnade, allein im Wort, allein aufgrund der Schrift, allein durch den Glauben) als »Paukenschläge des Protestantismus«, die Verbindungsfäden zwischen den Religionen ermöglichten. Beispielsweise: wechselseitiges Verstehen, Empathie und Aufmerksamkeit sowie Gastfreundschaft für die mögliche Wahrheit des anderen.

Auch der Islam kennt Reformer

Die emanzipatorische Wirkung Luthers »gegen klerikales Machtmonopol« bzw. »für das allgemeine Priestertum aller Gläubigen« kenne auch der Islam, informierte Muna Tatari. Er verbiete die Befolgung einer Lehrautorität in Glaubensfragen, befürworte dagegen die Inspiration, indem Lehrautoritäten wie Freunde einen Rat geben: »Freundschaft nicht Hierarchie als Lösung«. In der Praxis werde dieses Verbot aber nicht befolgt, stellte Tatari fest. Ebenso würde Informationen aus dem Internet gefolgt.

Reformer, wie Martin Luther, und Reformerinnen kennt auch der Islam. Muna Tatari nannte beispielhaft die bereits verstorbenen Muhammad Abduh und Fazlur Rahan sowie die Zeitgenossen Khaled Abou el-Fadl und Sadiyya Shaikh.

»Was es an gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen Entwicklungen auf diesem Erdenrund gibt, ist manchmal doch unüberhörbar himmelschreiend«, stellte Superintendent Volker Neuhoff zu Beginn des Neujahrsempfangs fest. »Wir wissen ganz genau, dass es in vielen Bereichen so nicht weitergeht, wo die Würde von Menschen verletzt wird, wo die Beziehung Mensch – Mensch gestört ist. Das Angewiesen-Sein auf ein neues Herz und einen neuen Geist ist deutlich zu spüren, wenn wir weiterhin von Gesellschaft und Politik sprechen und nicht unverbundene Egoismen ausleben wollen«, nahm Neuhoff Bezug zur diesjährigen Jahreslosung: »Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch« aus dem Buch des Propheten Ezechiel. »Das Gute ist da – wie in anderen, so auch in uns. Der zugehörige Handlungsimpuls lautet schlicht: Das gute Geschenk auspacken und sich daran erfreuen. Jetzt. Nicht in Zukunft. Aber für die Zukunft«, ermutigte der Superintendent. Der zum Reformationsjubiläum in Westfalen verwendete Slogan »Einfach frei« verweise nicht nur auf den einmaligen bundesweiten Feiertag in diesem Jahr (31. Oktober), sondern meine auch die von Gott geschenkte Freiheit: »der Freiheit von den Bindungen dieser Welt, der Freiheit, aber eben auch zur Einbringung in diese Welt.« Dazu gebe es im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn in diesem Jahr eine Fülle von Veranstaltungen, »kreativ, meditativ, impulsiv – viel davon in ökumenischer und religiöser Weite«, lud Volker Neuhoff herzlich dazu ein. »Blühender Höhepunkt« sei der GlaubensGarten bei der Landesgartenschau in Bad Lippspringe.

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