Unsere archivierten Nachrichten
auf einen Blick
EBW Westfalen und Lippe erhält Förderung vom Bundesinnenministerium für transkulturelles Projekt open4

Lebenslanges Lernen für alle Menschen in Deutschland

»Migranten und Migrantinnen haben in Bezug auf Weiterbildung häufig andere Bedürfnisse als Menschen ohne Migrationshintergrund und nach wie vor werden die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Gruppen von den Weiterbildungseinrichtungen zu wenig berücksichtigt«, sagte Evrim Özay-Sasmaz, Leiterin des Bildungswerkes Multi Kulti der Migrantenorganisation Multikulturelles Forum e.V. am Freitag (9.12.2016) bei einer Fachtagung zum Thema Weiterbildung und Migrantenorganisationen.

Eingeladen wurden sie und andere Teilnehmer vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e. V. Das größte evangelische Erwachsenenbildungswerk in Deutschland ist vom Bundesinnenministerium beauftragt worden, in dem dreijährigen Modellprojekt open4 Lösungen und Konzepte für eine transkulturelle und inklusive Bildungskultur zu entwickeln. Die geschieht in enger Abstimmung mit Partnern in Weiterbildungseinrichtungen und Migrantenorganisationen in den Projektregionen Dortmund, Siegen und Minden-Lübbecke und findet eine breite Unterstützung in Wissenschaft, Politik und Kommunen.

In Deutschland sind Menschen aus der ganzen Welt beheimatet. Mehr als 17 Mio. Menschen haben einen Migrationshintergrund. Für alle Menschen – egal welcher Herkunft – sind gute Bildung und lebenslanges Lernen entscheidend. Dennoch nehmen, trotz langer Einwanderungsgeschichte, Menschen mit Migrationshintergrund deutlich weniger bestehende Weiterbildungsangebote in Anspruch. Ebenso lernen Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit und ohne Migrationshintergrund in der Weiterbildung selten miteinander und voneinander. Das soll mit open4 geändert werden.

Auftakt zu open4

Die hochkarätig besetzte Fachtagung im Haus der Landekirchlichen Dienste in Dortmund bildete den Auftakt zu open4. »Der Ruf nach einer ›Bildung für alle‹ hat nichts an seiner Aktualität verloren«, so Prof. Dr. Veronika Fischer von der Hochschule Düsseldorf. Die renommierte Professorin des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften hielt den Impulsvortrag der Tagung. »In diesem Zusammenhang stellen Ansätze einer interkulturellen Öffnung der Weiterbildung einen wichtigen Weg dar, um den Herausforderungen gerecht werden zu können, die sich durch Migration ergeben haben«, so Fischer. »Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (2014) empfiehlt eine Bildungspartnerschaft mit Migrantenorganisationen, da sie eine Brücke zwischen den Migrantencommunities und den Institutionen herstellen können. Migrantenorganisationen sollten allerdings nicht bloß als Klientelbeschaffer instrumentalisiert werden, sondern als gleichwerte Partner in einem Bildungsbündnis gelten.«

Open4 will diese Bildungspartnerschaften schaffen. Auch Migrantenorganisationen bieten in ihren Communities Weiterbildung an. Also gilt es gemeinsam – unabhängig von der Herkunft – Bedürfnisse an die Erwachsenenbildung zu finden, sich untereinander zu vernetzen und gemeinsam Angebote für das lebenslange Lernen von Personen mit und ohne Migrationshintergrund zu entwickeln. »Für uns als evangelische Bildungseinrichtung ist es wichtig, dass wir allen Menschen einen Zugang zu Bildungsangeboten ermöglichen und keine vermeidbaren Hürden aufbauen. Bildung ist ein Menschenrecht, sie soll Menschen stärken und Gerechtigkeit fördern. Wir berauben uns der Chance, voneinander zu lernen und uns weiter zu entwickeln, wenn wir mit unseren Bildungsangeboten immer nur die gleichen Menschen ansprechen«, sagt Jörg Neuhaus, stellvertretender Geschäftsführer des EBW. »Als Teil von Kirche und öffentlicher Zivilgesellschaft begleiten wir die Veränderungsprozesse in unserem Land und suchen den Dialog um die Demokratie und den Zusammenhalt zu fördern.«

Zu der Tagung kamen u. a. verschiedene Vertreter von Migrantenorganisationen aus ganz NRW. Darunter eben auch Evrim Özay-Sasmaz: »Für Weiterbildungseinrichtungen stellt sich die Frage nach speziellen und passenden Bildungsangeboten, aber auch nach der Erreichbarkeit der verschiedenen Gruppen. Da diese durchaus vielschichtig sind, sind auch unterschiedliche Ansprachewege bzw. Öffentlichkeitsarbeit nötig.« So stellte sich in der Diskussion heraus, dass beispielsweise die Weiterbildung in Deutschland eine lange Tradition hat, in anderen Ländern  aber gänzlich unbekannt ist. Hier gilt es aufzuklären und Lust zu machen auf lebenslanges Lernen.

Zurück