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Synode der Evangelischen Kirche von Westfalen tagt ab Montag in Bielefeld

«Kultur der Beteiligung ist typisch evangelisch»

BIELEFELD/WESTFALEN - Am Montag (17.11.) beginnt in Bielefeld die Tagung der Westfälischen Landessynode. Das «Kirchenparlament» befasst sich abschließend mit dem Thema Familie. Vorausgegangen ist ein zweijähriger Diskussionsprozess auf allen Ebenen der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW).


«Längst ist selbstverständlich, dass die evangelische Kirche die ganze bunte Vielfalt heutiger Familienformen nicht nur akzeptiert, sondern ihr einen Raum geben will, in dem sie sich entwickeln und blühen kann. Unser Ziel ist es, Familien zu stärken und zu unterstützen», sagte Präses Annette Kurschus am Freitag (14.11.) vor Journalisten.

Die leitende Theologin der EKvW unterstrich die hervorgehobene Bedeutung der Ehe als Leitbild als «kostbare Form des Zusammenlebens», die besonderen Schutz brauche. Liebe, Treue und Verantwortung als Grundlagen der Ehe seien biblisch begründet. Doch über die Ehe hinaus sollten diese Grundlagen die Familie in all ihren Formen bestimmen. Familie sei auch ein Ort von Veränderungen, Spannungen und Konflikten. Die Kirche habe bei der Auslegung dieser Gebote Rücksicht zu nehmen auf die Umstände und Lebenssituationen der Menschen.

«Die hohe Zahl von Scheidungen zeigt, dass viele Menschen nicht in der Lage sind, das entsprechende Gebot konsequent zu befolgen», sagte die Präses: «Aber in der evangelischen Kirche gehören auch Geschiedene und Wiederverheiratete selbstverständlich dazu. Die evangelische Kirche begegnet dem Zerbrochenen barmherzig. Mehr noch: Sie gesteht damit zugleich ein, dass sie selber gebrochen, fehlbar und schwach ist.» Die Bibel in ihrer Gesamtaussage ernst zu nehmen bedeute auch die selbstverständliche Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Paare, die ihre Partnerschaft in Liebe, Treue und gegenseitiger Verantwortung leben.

Albert Henz, Theologischer Vizepräsident der EKvW, schildert die zahlreichen Anregungen, die der Diskussionsprozess im Lauf von zwei Jahren ergeben hat. «Diese Kultur der Beteiligung ist typisch evangelisch.» Der Synode liegen viele praktische Impulse für die Gemeindearbeit vor. Selbsthilfegruppen für Familien und generationsübergreifende Pflegehilfen gehören ebenso dazu wie eine vertiefte Beschäftigung mit multireligiösen Familien.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Querschnittsthema betrifft auch ein Paket von Vorschlägen zu den Arbeitsbedingungen in Kirche und Diakonie. Außerdem liegen Vorschläge für familienpolitische Forderungen auf der Ebene von Bund, Land und Kommunen auf dem Tisch. «Die Perspektive einer familienfreundlichen Gesellschaft ist in Netzwerken und Bündnissen zu entwerfen und von der Politik zu gestalten», sagte Henz und betonte für die Evangelische Kirche von Westfalen: «Wir sind dabei.»

Für den Juristischen Vizepräsidenten Klaus Winterhoff, der für die Finanzen der Landeskirche verantwortlich ist, sind die derzeit hohen Kirchensteuereinnahmen «ein Grund zur Dankbarkeit». Der Synode wird vorgeschlagen, dass etwa die Hälfte der überplanmäßigen Einnahmen an die Kirchenkreise und Gemeinden verteilt wird. Die andere Hälfte soll der Versorgungssicherung dienen, denn: «Finanzpolitik ist Verantwortung für heute und morgen», so Winterhoff.

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