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auf einen Blick
Annette Kurschus eröffnet westfälische Landessynode

Klares Wort und entschlossene Tat

»Wir haben für diese Welt mehr zu hoffen, mehr zu erwarten und deshalb auch mehr zu tun, als es ohne den Glauben an Christus zu hoffen, zu erwarten und zu tun gäbe«:

Für Präses Annette Kurschus gehören das klare Wort und die entschlossene Tat untrennbar zum christlichen Glauben. Der Einsatz für Gerechtigkeit sei Ausdruck christlicher Hoffnung, betonte die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen zu Beginn der Synode am Montag (20.11.) in Bielefeld.

Religion und Politik

»Das Evangelium spricht deutlich und direkt, tröstend und unbequem mitten hinein in die ganze Wirklichkeit. Kein Bereich ist davon ausgenommen, also auch nicht der Raum des Politischen.« Dabei müsse beides möglich sein: das offene Gespräch und der Streit der Meinungen. Denn politische Debatten hätten die Chance und die Aufgabe, Feinde in Gegner zu verwandeln: »Also in Menschen, die miteinander reden und einander zuhören statt einander zu bekämpfen, zu beschimpfen oder zu beschweigen.

Kirche dürfe nicht zu einer weiteren Echokammer oder Meinungsblase werden. »Die Kirche ist nicht die Gemeinschaft derer, die sich immer schon einig sind. Und sie ist auch nicht die Gemeinschaft derer, die sowieso Recht haben«, sagte die Präses. Vielmehr sei die Kirche die Gemeinschaft derer, die sich auf Christus gründen: »Sie wollen dem auf den Grund kommen, was dies im Hier und Jetzt bedeutet.« Deshalb warnte sie davor, die Kirche als »Harmonieagentur« zu betrachten und vom Christentum lediglich eine moralische Verbesserung des Gemeinwesens zu erwarten.

Die Kraft der christlichen Tradition dürfe nicht zum Bau von Grenzzäunen in Köpfen und Herzen benutzt und zur Definition von gesellschaftlichen Ausschlusskriterien missbraucht werden. Kurschus: »Das Evangelium, aus dem die Kirche lebt und dem sie sich verpflichtet weiß, ist da besonders kräftig und glaubwürdig und dann auch gesellschaftlich relevant, wo es in seiner gegenkulturellen und kritischen Kraft wahrgenommen und ernstgenommen wird.«

Rückblick auf das Reformationsjubiläum

Dankbar blickte Annette Kurschus auf das 500-jährige Reformationsjubiläum zurück, das nicht in Abgrenzung zur katholischen Kirche gefeiert wurde: »Der Grundtenor zielte durchweg auf Gemeinschaft und Versöhnung. Protestantisch-triumphalistische Töne haben wir uns verkniffen.« Auf die oft gestellte Frage, ob dies bald zu einem Zusammenwachsen der Konfessionen führen würde, antwortete die Theologin: »Die eine ›heilige christliche Kirche‹ – wie wir sie im Glaubensbekenntnis bekennen – gab es immer schon.

Und es gibt sie weiterhin.« Verschiedenheit ist für Präses Kurschus kein Hindernis auf dem gemeinsamen Weg der Kirchen. »Wir würden das Evangelium verraten, wenn wir die Leidenschaft und die klaren Worte denen überließen, die keine Verschiedenheit ertragen.« Sie erinnerte daran, dass »katholisch« wörtlich »allgemein« bedeutet und fügte hinzu: »In diesem Geist lässt sich selbstbewusst verschieden sein.«

Das Pfarramt in der Dienstgemeinschaft der Kirche

Die Präses ging auch auf den zweijährigen Arbeitsprozess »Das Pfarramt in der Dienstgemeinschaft unserer Kirche« ein, mit dessen Ergebnissen sich die Synode beschäftigen wird. Als »in sich vielfältiger Schlüsselberuf einer in sich vielfältigen Kirche« brauche das Pfarramt angesichts großer Herausforderungen und Veränderungen unbedingt das Mitdenken, den Dialog und den Disput aller Beteiligten.

Die meisten Spannungen, unter denen der Pfarrberuf steht, seien nicht zu lösen, sondern »sie wollen ehrlich wahrgenommen und bewusst gestaltet werden« – in der Gemeinschaft mit Kollegen, anderen Berufen, Haupt- und Ehrenamtlichen. Dankbar sprach Präses Kurschus von einer »zuversichtlichen Gelassenheit«, die sie im Lauf des Prozesses bei Pfarrerinnen und Pfarrern feststellen konnte. Es zeige sich der deutliche Wille: »Neues und Anderes muss und soll möglich werden. Gepaart mit der Bereitschaft, sich selber aktiv dafür einzusetzen.«

Die Synode tagt noch bis Donnerstag (23.11.) in Bielefeld-Bethel. Das »Kirchenparlament« ist das höchste Entscheidungsgremium der Evangelischen Kirche von Westfalen. (Synode aktuell 1/2017)

 

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